Presse zum Kahlschlag am Wüstegarten

„Mittels einer offensiven und aktiven Berichterstattung gestalten und steuern wir den Informations- und Meinungsbildungsprozess selbst.“
Susanne Kaulfuß1

„Waldumbaumaßnahme auf dem Wüstegarten“ – Artikel in der Mitgliederzeitschrift von HessenForst vom Januar 2016

Der Landesbetrieb HessenForst hat eine eigene Mitgliederzeitschrift. Sie heißt „Im Dialog“. In der Januar-Ausgabe des Jahres 2016 schreibt Katrin Bartsch einen langen Artikel über die „Waldumbaumaßnahme auf dem Wüstegarten“.2 Bartsch ist Revierleiterin im Forstamt Jesberg.

Die Forstbeamtin benutzt nicht ein einziges Mal das Wort „Kahlschlag“. Stattdessen verwendet sie lieber Worte wie „Entfichtung“, „Fichtenentzug“, „Freistellungsfläche“ und „Waldumbau“ oder Ausdrücke wie „Abarbeitung eines Waldkomplexes“, „Auszug der Fichte“, „Schaffung von Freiflächen“, „waldfreie Fläche“ und „bearbeitete Fläche“. Im weitaus größten Teil des Artikels beschreibt sie penibel die Techniken der Holzernte und ist voll des Lobes z. B. für den „projekterprobten Rücker“ und den „Subunternehmer […] mit motormanueller ‚Fußtruppe'“. Die Revierleiterin ist stolz auf die „qualitativ hochwertige“ Arbeit: „Dann ging es richtig zur Sache.“

Interessant ist der letzte Abschnitt des Artikels:

Ungewohntes Bild sorgt für Ärger

Mit Ausnahme einiger Fichten-Klumpen, der wenigen vorhandenen Kiefern, Birken, Buchen und Ebereschen ist die Fläche nun waldfrei und bietet der Sukzession
eine Menge Raum. Zugegeben ein Bild, das man mit Waldumbau und Nachhaltigkeit nicht auf den ersten Blick verknüpft. Mal sehen, ob die Entwicklung im Projektsinn verläuft.

Wir hatten die Projektleitung im Vorfeld der Naturschutzmaßnahme vergeblich auf zu erwartende Reaktionen aus der Bevölkerung hingewiesen. Zwar wurden zu Beginn der Maßnahme zwei Infotafeln über Ziel, Zweck und Hintergrund der landschaftsprägenden
Waldumbaumaßnahme aufgestellt, sie ersetzten eine proaktive Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit jedoch leider nicht. Unsere Befürchtungen traten ein: Presseartikel und Leserbriefe, die sich unter den Schlagworten „Großkahlschlag“ und „Waldverwüstung“ meist kritisch und nicht immer sachlich mit der Projektmaßnahme auseinandersetzten waren die Folge. Schlagzeilen, die leider immer auch an HessenForst hängen bleiben, ob berechtigt oder nicht.

Kommentar

Auch auf den zweiten und dritten Blick handelt es sich nicht um „Waldumbau“. Ehrlicherweise sollte man von „Waldabriss“ sprechen. Denn die Fläche ist nun „waldfrei“. Auch das Wort der Kritiker von der „Waldverwüstung“ trifft nicht den Kern der Sache. Ein verwüsteter Wald wäre ja immerhin noch da. Aber jetzt ist nur noch eines da: eine „Freifläche“. Wenn jetzt die Bagger anrücken würden, könnte man auf dem Wüstegarten auch ein schönes Hotel bauen. Einen „LKW-Weg“ gibt es laut Bartsch ja schon.

Immerhin räumt die Revierleiterin im Schonraum der Mitgliederzeitung ein, was weder Karl-Gerhard Nassauer noch Achim Frede jemals zugeben würden, nämlich dass die Entwicklung nicht im Projektsinn verlaufen könnte. Was wird beispielsweise aus dem angekündigten Birken-Ebereschen-Blockwald, wenn Rehe auf dem Kahlschlag, der nirgends mit Wildzäunen geschützt ist, die Ebereschen verbeissen?

Am interessantesten aber ist die Klage der Revierleiterin darüber, dass es trotz ihrer Warnungen keine „proaktive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ gegeben habe. „Proaktiv“ bedeutet „vorausplanend“ und ist das Gegenteil von „reaktiv“. Bartsch denkt also, dass man bereits vor dem Kahlschlag Pressemitteilungen an Zeitungen hätte verschicken müssen, die den unwissenden Laien diese „Naturschutzmaßnahme“ vernünftig erklärt hätten. Mit „Öffentlichkeitsarbeit“ meint sie vielleicht, dass Verantwortliche wie Nassauer und Frede in den Vereinen vor Ort die Werbetrommel hätten rühren sollen; z. B. mit einem Informationsabend im Heimat- und Geschichtsverein, um Nörglern wie Lothar Klitsch oder Werner Otto von vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen. Vielleicht hätte man dabei den Anwohnern blühende Landschaften am Wüstegarten versprechen sollen. Dann wäre es erst gar nicht zu „kritischen“ und „nicht immer sachlichen“ Schlagzeilen gekommen. Wobei Bartsch vermutlich schon das Wort „Großkahlschlag“ für unsachlich hält; dabei handelt es sich um einen allgemein anerkannten Fachbegriff für Kahlschläge von 5 – 50 ha.

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  1. Krisenkommunikation – Öffentlichkeitsarbeit in schweren Zeiten auf waldwissen.net – Informationen für die Forstpraxis []
  2. Im Dialog 01/2016, S. 4 f. []