Besucherlenkung am Hirschgespreng – Wie man eine baumlose Grassteppe versteckt

Ein schmaler Weg als Ergebnis des Rückbaus der Forststraße

Die rückgebaute Forststraße zweigt nahe der Hirschbachschwelle links von der Kiesseigenstraße ab.

Kiesseigenstraße mit Abzweig der rückgebauten Forststraße

Wie auf dem Foto zu sehen ist, zählt die Kiesseigenstraße offensichtlich zu den Forststraßen, die nicht zurückgebaut werden. Sie ist in einem perfekten und mustergültigen Zustand. Wandergruppen und E‑Biker nutzen sie häufig. Denn auf ihr verlaufen gleich drei Wanderwege: der Goldsteig, der Europäische Fernwanderweg E6 und die Wanderlinie Pestwurz. So lenkt man den Besucherstrom: Die eine Forststraße wird rück-, die andere ausgebaut. Die NPF spricht von „Strukturierung der Besucherinfrastruktur“.1siehe Neuausrichtung der Besucherinfrastruktur im Falkensteingebiet in der Umsetzungsphase, Pressemitteilung vom 23.10.2010

Wegweiser am Abzweig

Auch Angestellte des NPV benutzen die hübsche, nicht zurückgebaute Kiesseigenstraße:

Dienstwagen der NPV

Als ich im August 2026 zu diesem Abzweig kam und den Rückbau bemerkte, war ich vollkommen perplex.

Ich hatte zwar schon davon gehört, dass man Forststraßen zurückbaut – zuletzt in der NDR-Reportage „Urwald von morgen“. Aber hier? Warum? 

rückgebaute Forststraße mit ehemaligem Holzlagerplatz rechts

Ich hatte sofort die Idee, dass der Film von Eichinger der Auslöser war. Solche Dreharbeiten würde man in Zukunft verhindern. Und man würde neugierige Besucher wie mich von der Grassteppe aussperren. Eine klassische Verschwörungstheorie.

Ein Mitarbeiter der NPV könnte nun einwenden:

„Ja, die Forststraße wurde rückgebaut. Aber ein Weg ist ja geblieben und an einigen Stellen ist er sogar ziemlich breit. Der Weg ist auch kein Geheimnis: Er ist ausgeschildert und in den Karten eingezeichnet. Vier Monate im Jahr, nämlich in der Zeit vom 15.7. bis 15.11., darf man ihn ungestraft gehen. Er führt zum Polednik (deutsch Mittagsberg).“

Der Einwand ist nicht ganz stichhaltig. Ein wichtiges Gegenargument ist, dass nur ein Teil der Forststraße durch den Weg ersetzt worden ist. Er endet kurz nach Überquerung des Bachs Kiesseige.

im Hintergrund das Ende des Wegs

Wegweiser zum Polednik am Ende des Wegs

Dort mündet er in den Weg, der rechts zum Polednik abbiegt. Letzterer ist älter; er existierte auch schon zu Zeiten, als die Forststraße noch intakt war.

Die Forststraße aber endete nicht hinter der Kiesseige, sondern ging noch knapp einen halben km weiter zum Wendehammer, und dieser Teil ist vollkommen verloren gegangen. Dieser Teil wurde nicht in einen „naturbelassenen Wandersteig“ umgewandelt, sondern „vollkommen rückgebaut“.2siehe Zurück zur Natur, Pressemitteilung vom 23.8.2019

kein Weg, nirgends

Gerade dieser Teil der Forststraße, der heute fehlt und der nicht durch den Weg ersetzt worden ist, verlief durch die Grassteppe, wo die Walderneuerung großflächig und seit nunmehr fast 20 Jahren ausgeblieben ist.

Grassteppe ohne Walderneuerung

Der Weg aber, der die rückgebaute Forststraße ersetzt, verläuft durch Flächen, wo zumindest  links und rechts des Pfads junge Fichten wachsen. Dort bekommt man von dem Ausmaß der Schäden durch die Borkenkäferbekämpfung gar nicht so viel mit.

junge Fichten links und rechts des Wegs

Man könnte sogar sagen, dass die dichte Fichtenverjüngung hier so etwas wie ein Potemkinsches Dorf ist. Zum einen lenkt sie den Blick weg von den vielen Stubben, die hier noch Zeugnis ablegen von der Borkenkäferbekämpfung.

Zum anderen übersieht man so leicht, dass die Verjüngung dahinter, an den sog. Filzhängen, die damals natürlich auch geräumt wurden, sehr lückenhaft ist. Zu den Filzhängen führt übrigens überhaupt kein Weg. Auch das ist eine Form der Besucherlenkung.

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