Klimawandel und Rachel – Was ein Nationalparkmitarbeiter nicht sagen darf

Hinweis 1: Der folgende Text stellt eine individuelle Meinungsäußerung dar. Auch wenn ich mehrfach im Nationalpark Bayerischer Wald Urlaub gemacht und unzählige offizielle Dokumente der Nationalparkverwaltung gelesen habe, beanspruche ich nicht, die objektive Wahrheit zu verkünden, die niemand mehr hinterfragen darf. Ich stelle Vermutungen darüber an, was ein Nationalparkmitarbeiter sagen darf und was nicht. Es sind keine Tatsachenbehauptungen. Zwar halte ich meine Vermutungen für sehr plausibel, aber besondere Einsichten in die Personalpolitik des Nationalparks habe ich nicht.

Ein Beispiel möge meinen Hinweis verdeutlichen. Ein Satz wie „Die Leiterin der Nationalparkverwaltung, Frau Ursula Schuster, würde ihren Job verlieren, wenn sie in einer öffentlichen Stellungnahme verlautbaren würde, dass sie AFD wählt.“ ist eine subjektive Vermutung, für die ich keine Beweise habe. Trotzdem glaube ich, dass es sehr viele triftige Gründe gibt, diese Vermutung für plausibel zu halten. Vermutlich würde schon eine flüchtige Bemerkung von Frau Schuster in einem vertraulichen Gespräch, das zur Presse durchgestochen wird, für einen Rausschmiss reichen.

Es gibt meines Wissens leider bzw. verständlicherweise keine öffentlich zugänglichen Dokumente über Meinungsäußerungen, die in der Verwaltung erlaubt sind, und Artikel im Grafenauer Anzeiger über Entlassungen politisch unliebsamer Mitarbeiter liegen mir auch nicht vor. Eine Pressemitteilung des Nationalparks mit dem Titel „Mitarbeiter entlassen, weil er den Klimawandel gut findet“ gibt es nicht.

Allerdings gibt es Pressemitteilungen wie die folgende über zwei Ausstellungen zum Klimawandel:

„So gibt es einen CO2-Rechner, der berechnet, wie stark allein verschiedene Arten des Frühstücks das Klima belasten. Daneben wird zum Beispiel der ökologische Fußabdruck anschaulich erklärt aber auch Möglichkeiten aufgezeigt, wie ein Leben in Bayern klimafreundlicher funktionieren kann.“1Klimawandel: Wissenschaft trifft auf Kunst, Pressemitteilung Nr. 76/2019 vom 09.08.2019

Wer die Menschen „mit einem Augenzwinkern“2ebd. darüber belehren will, was sie frühstücken sollen und wie sie „klimafreundlich“ leben können, trennt sich möglicherweise auch von Mitarbeitern, die solche Ausstellungen für billige Regierungspropaganda halten.

Wenn Sie sachliche Fehler finden oder anderer Meinung sind, schreiben Sie es bitte in den Kommentar.

Hinweis 2: Die Fotos in diesem Artikel entstanden im August 2026 auf einer Wanderung vom Gfäll zur Baustelle des Waldschmidthauses unterhalb des Großen Rachels. Bergauf bin ich den Auerhahn-Rundweg, bergab die Bärlapp-Wanderlinie gegangen.

Einleitung

Es ist vermutlich nicht übertrieben zu behaupten, dass die Verwaltung des Nationalparks Bayerischer Wald den folgenden vier Punkten zustimmen wird:

  1. Vom Absterben der Altfichtenwälder im Nationalpark haben viele Arten profitiert: u. a. Vögel (Gartenrotschwanz, Baumpieper, Wendehals, Neuntöter, Dorngrasmücke, Auerhuhn), holzbewohnende Insekten und viele gefährdete Arten unter den Pilzen und Insekten: „Über alle Artengruppen hinweg bleibt festzuhalten, dass es wesentlich mehr Gewinner als Verlierer bei diesem Prozess gibt. […] Arten, die in Mitteleuropa als extrem selten galten, können in diesen Totholzflächen wieder große Populationen aufbauen, weil ihre Lebensgrundlage nun sehr häufig ist.“3Jörg Müller, Rainer Simonis, LBV-Vogelschutz Heft 1, 2011
  2. Ursache des Absterbens der Fichten war die Massenvermehrung des Buchdruckers: „Damit wurde im Nationalpark zum ersten Mal die Funktion des kleinen Borkenkäfers als ‚Ökosystem-Ingenieur‘ deutlich.“4ebd.
  3. Ursache der Massenvermehrung waren die „sehr warmen Jahre in den 1990ern“.5ebd.
  4. Ursache der sehr warmen Jahre ist der Klimawandel.

Mit ziemlicher Sicherheit wird jeder Mitarbeiter im Nationalpark diesen vier Punkten zustimmen. Sofort. Ohne zu zögern. Die vier Punkte gehören zu einer Kausalkette: Klimawandel führt zu warmen Jahren. Warme Jahre zur Massenvermehrung. Massenvermehrung zum Fichtensterben. Fichtensterben zu Rote-Liste-Arten. Wenn aber die Rote-Liste-Arten gut sind, dann muss auch … Halt! Stopp! Schluss!

Genau hier endet meiner Meinung nach die Kausalkette im Kopf der Nationalparkverwaltung. Hier muss sie enden. Niemand denkt hier weiter. Niemand zieht hier eine Schlussfolgerung. Es gibt hier eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf. Wer es tut, wird vermutlich entlassen. Ich befürchte, er riskiert nicht nur seinen Arbeitsplatz, er verliert ihn auf jeden Fall.

Ich arbeite nicht im Nationalpark und verliere auch nicht meinen Arbeitsplatz. Also denke ich in diesem Artikel die Kausalkette zu Ende.

Die Seite ist gegliedert in folgende Abschnitte:

  1. Das Absterben der Fichten im Nationalpark war gut
  2. Also war die Massenvermehrung des Buchdruckers im Nationalpark gut
  3. Also waren die warmen Jahre in den 90ern gut
  4. Also ist der Klimawandel gut
  5. Schluss

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