Keine plausible Begründung für den Rückbau der Forststraße
Übererschließung
Ein typisches Argument für den Rückbau von Forststraßen lautet:1siehe z. B. Übererschließung führt zum Straßenrückbau oder Groberschliessung – Forststraßen oder Feinerschließung – Rückegassen und Rückewege
„Der Wald ist übererschlossen. Es gibt zu viele Wege. Das ist unnötig und verkleinert die Waldfläche.“
Das Hirschgespreng aber war nicht übererschlossen. Es war nicht kreuz und quer von Forststraßen durchzogen. Es gab zwar jede Menge Rückegassen, aber nur eine einzige Forststraße. Und genau diese eine hatte man irgendwann nach den Dreharbeiten im Juni 2020 und dem September 2021 rückgebaut.2siehe Anhang 1 – Luftbilder 5 und 6
Naturschutz
Naturschutzfachlich machte der Rückbau auch keinen Sinn. Oder fühlte sich etwa das Auerhuhn durch die Straße gestört? Wurde eine Krötenwanderung behindert? Oder meiden Rehe und Hirsche neuerdings Forststraßen?
Behinderung von Regenwasser und Bächen
Konnte das Regenwasser nicht richtig abfließen? Wirkte die Forststraße als Damm und sorgte sie für Überschwemmungen? Für welchen Bach war die „Wiederherstellung der Durchgängigkeit“3siehe Neuausrichtung der Besucherinfrastruktur im Falkensteingebiet in der Umsetzungsphase, Pressemitteilung vom 23.10.2010 notwendig? Hirschbach und Kiesseige fließen doch!
Ich finde es verdächtig, wenn Verantwortliche auf einfache Fragen mit sonderbaren Fremdwörtern antworten, wie z. B. der mittlerweile pensionierte NP-Chef Leibl:4siehe Zurück zur Natur, Pressemitteilung vom 23.8.2019
„Dabei wird die Mikrotopografie der Berghänge wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt“, erklärt Leibl: Rohrdurchlässe würden ausgebaut und damit die Durchgängigkeit ganzer Quellgebiete hergestellt.“
Rohrdurchlässe wurden am Hirschgespreng aber gerade nicht ausgebaut. Offenbar war das nicht notwendig. Es fällt auf, dass die NPV sich nun Sorgen um Dinge macht, die ihr noch kurz zuvor vollkommen egal waren: Bei der Räumung des Fichtenwalds spielten „Mikrotopografie“ und „Durchgängigkeit“ keine Rolle.
Bodenverdichtung
Leibl ist erfinderisch und führt weitere Gründe für den Rückbau an:
„Weil Forststraßen aus ökologischer Sicht ungünstig sind, etwa den Boden verdichten und Lebensräume zerschneiden, mache deren Renaturierung Sinn.“
Das Argument der Bodenverdichtung ist nicht überzeugend: Bodenverdichtung findet nicht nur durch Forststraßen, sondern auch durch Rückegassen statt. Die tonnenschweren Harvester und Forwarder fahren auf beiden. Luftbilder vom Hirschgespreng zeigen ein geradezu erschütterndes Ausmaß von Rückegassen.
Bayerisches Geoportal, Luftbild von 2013Bodenverdichtung spielte damals für die NPV offensichtlich keine Rolle. Von einer Renaturierung der Rückegassen spricht Leibl nicht.
Zerschneidung von Lebensräumen
Eine viel befahrene Autostraße zerschneidet Lebensräume: Sie stellt für Tiere, die von der einen auf die andere Seite wechseln wollen, ein schweres Hindernis dar. Das kann man nachvollziehen. Warum aber eine nicht mehr befahrene Forststraße am Ende der Welt, die noch dazu eine Sackgasse ist, ein Hindernis sein soll, ist nicht plausibel.
Und überhaupt – welcher Lebensraum wird eigentlich zerschnitten? Der Hochlagenfichtenwald? Den gibt es nicht mehr. Welche Tiere werden am Überqueren einer nicht mehr zum Holztransport benutzten Forststraße in einer Grassteppe gehindert?
Und wenn die Straße tatsächlich schädlich gewesen wäre, warum hatte man dann über 5 Jahre mit dem Rückbau gewartet? Denn zur Naturzone war das Hirschgespreng schon 2015 erklärt worden.
„Der Nationalpark […]verwandelt so manche Forststraße in einen idyllischen Wandersteig.“ 5siehe Zurück zur Natur, Pressemitteilung vom 23.8.2019Natur Natur sein lassen
Laut Pressemitteilung „ist sich der Nationalparkchef sicher“:
„Würden wir den Rückbau nicht aktiv steuern und stattdessen der Natur überlassen, so beansprucht dies derart viel Zeit, dass das den menschlichen Planungshorizont bei weitem übersteigt.“
Ja und?
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