Besucherlenkung am Hirschgespreng – Wie man eine baumlose Grassteppe versteckt

Der normale Besucher des NPs und die Unkenntnis des Hirschgesprengs

In der Einleitung habe ich behauptet, dass der normale Besucher des NPs das Hirschgespreng überhaupt nicht kennt.  Das hat u. a. folgende Gründe:

  • Das Hirschgespreng liegt ganz am Rand des Parks an der Grenze zu Tschechien.
  • Es zählt nicht zu den Attraktionen des Parks. Sein Name taucht nirgendwo auf. Es gibt keine Hinweisschilder und keiner der ausgeschilderten Rund-, Strecken- oder Fahrradwege führt dorthin.1siehe Wandern im Nationalpark Bayerischer Wald
  • Ein Besucher kommt auch nicht zufällig am Hirschgespreng vorbei. Kein Weg zu einer der Attraktionen des Parks führt daran entlang und schon gar nicht mitten hindurch. Am nächsten kommt dem Hirschgespreng noch die Wanderlinie Pestwurz (Buchenau – Hochschachten). Doch kurz vor dem Gespreng biegt sie nach Süden zur Hirschbachschwelle ab. Die Radtour „Mit dem Rad zu den Schachten“ macht genau dasselbe.

Abzweig der rückgebauten Forststraße links, ausgeschilderter Wander- und Radweg rechts

Als ich am Vormittag zum Abzweig der rückgebauten Forststraße kam, wanderte weiter vor mir eine Gruppe von Tschechen. Ich rechnete fest damit, dass sie auf die rückgebaute Forststraße abbiegen und dann weiter in den Nationalpark Šumava wandern würden. Zunächst sah es tatsächlich auch so aus: Drei Frauen bogen links ab. Als ich den Abzweig erreichte, kamen sie mir aber wieder entgegen. Sie waren nur ein Stück weit gegangen, um unbeobachtet auszutreten. Dann kehrten sie zu den Männern auf dem Wanderweg zurück und gingen weiter zur Hirschbachschwelle.

Am Nachmittag auf dem Rückweg vom Hirschgespreng wieder dasselbe Bild: Auf der rückgebauten Forststraße war ich mutterseelenallein gewesen. Auf dem Wanderweg aber begegneten mir sofort wieder Menschen.

Wie oben bereits gesagt: Man könnte auf die Idee kommen, dass die NPV das mit Absicht macht. Dass sie die fehlende Waldverjüngung am liebsten verstecken würde. Dass sie will, dass der Besucher einen großen Bogen um das Hirschgespreng macht.

Der normale Besucher kennt auch die jahrzehntelangen Maßnahmen der NPV zur Borkenkäferbekämpfung nicht. Er müsste sich intensiv mit der Geschichte des NPs im Allgemeinen und mit der Borkenkäferbekämpfung im Besonderen auseinandersetzen. Das Thema ist kompliziert: Man versuche einmal, einem Laien den Unterschied zwischen Entwicklungszone 2a, 2b und 2c zu erklären.2siehe Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hg.), Walderhaltungs- und Waldpflegemaßnahmen, S. 8 ff. Das kostet sehr viel Zeit – Zeit, die der normale Besucher nicht hat. Ich mache ihm keinen Vorwurf. 

Über die jahrzehntelangen Maßnahmen zur Borkenkäferbekämpfung soll er nichts erfahren. Die NPV will das totschweigen. Auf diese Idee könnte man kommen. Denn es passt nicht zum endlos wiederholten NP-Motto „Natur Natur sein lassen“ und auch nicht zum „Wilden Wald“. Im August 2026 nahm ich an einem mehrstündigen „Wildnis-Spaziergang mit dem Ranger“ teil. Die Borkenkäferbekämpfung wurde nur kurz besprochen und sie fand nur in der sog. Managementzone an den Rändern des NPs statt.

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