2009 – Mein erster Besuch im Nationalpark Bayerischer Wald

26.7.2009 – Tour zum Lusen

Meine vierte Tour führte mich auf den Lusen. Ich war 2009 wirklich ein ziemlich durchschnittlicher, ein ziemlich normaler Tourist. Denn wenn man vier Tage im Nationalpark Urlaub macht, dann führt eine Tour typischerweise auf den Rachel, eine auf den Falkenstein und eine auf den Lusen. Das sind nun mal die drei höchsten Berge im Park, wo man natürlich unbedingt gewesen sein muss. Außerdem gibt es oben jeweils ein Gasthaus.

Lusenschutzhaus im Sommer 2009

Vielleicht nicht ganz so typisch war, dass ich vom relativ weit entfernten Wanderparkplatz Sagwassersäge aus gestartet bin und dann entlang des Bachs Sagwasser über die Sagwasserklause zum Lusengipfel aufstieg. Denn normalerweise nehmen Touristen den Sommer- oder den Winterweg; das ist mehr als die Hälfte kürzer. Aber damals war ich noch wesentlich gesünder und sportlicher – und zwar so sehr, dass ich schon früh am Nachmittag wieder zurück am Parkplatz war und noch zusätzlich am selben Tag eine Tour zum Ochsenriegel und ins Felsenwandergebiet machte.

Nicht geräumte Totholzflächen an der Sagwasser

Auf der Wanderung habe ich insgesamt 40 Fotos gemacht. Und obwohl der längste Teil des Wegs durch das Tal der Sagwasser führt, habe ich vom Wald dort nur fünf Fotos gemacht. Die toten Fichten sind immer Teil der Fotos. Manchmal stehen sie im Mittelpunkt, und offenbar hat mich das Chaos der wie Mikadostäbchen herumliegenden Stämme beeindruckt:

Manchmal muss man aber auch genauer hinsehen, um die Dürrständer überhaupt zu entdecken:

Und manchmal wirkt der abgebrochene Baumstamm einfach nur hübsch dekorativ:

Immer aber überwiegt das Grün des umgebenden Waldes mit seinen lebenden Buchen und jungen Fichten. Angst um den sterbenden Wald hatte ich sicherlich nicht.

Informationsschild über die Borkenkäfermassenvermehrung im Bergfichtenwald

Eine Viertelstunde vor dem Lusenschutzhaus kam ich an diesem Informationsschild vorbei:

Von den vielen Infotafeln, die ich damals fotografiert habe, ist es mit Abstand die wichtigste und beste. Denn es erklärt kurz und bündig und auch für den Laien gut verständlich, wie es zur Massenvermehrung des Borkenkäfers und zum Zusammenbruch des alten Fichtenwalds kam. Keine Hysterie, keine Panik, kein Alarmismus. Die Welt geht nicht unter. Kein Wort vom Klimawandel. Stattdessen eine Auswahl von Waldzerstörungen durch den „schwarzen Wurm“ bis ins Jahr 1490. Der alte Wald erneuert sich. Das ist ganz natürlich. Punkt. Ein solches Informationsschild wäre heute vermutlich unmöglich. Vielleicht wurde es inzwischen entfernt und steht  heute dort gar nicht mehr. Mich hat es nachhaltig beeindruckt.

Nicht geräumte Totholzflächen rund um den Lusen

Über die Geschichte des Fichtensterbens am Lusen habe ich 2014 – also 5 Jahre nach meiner ersten Wanderung dort – einen ausführlichen Artikel geschrieben: Das Fichtensterben am Lusen. 2009 wusste ich über die turbulenten Ereignisse der Jahre 1983–1999 nichts. Die damalige Aufregung über das Fichtensterben hätte ich 2009 gar nicht verstanden: Denn ich fand die toten Fichten – wie schon am Rachel – nicht skandalös, sondern unglaublich fotogen. Von den insgesamt 40 Fotos der Wanderung entstand die Hälfte oben am Lusen. Hier eine Auswahl und ich erkläre jeweils, in welche Richtung ich fotografiert habe und welchen Berg man sehen kann.

Das Foto zeigt im Hintergrund den Steinfleckberg mit seinen drei großen Blockhalden.1siehe auch Indian Summer im neuen Urwald am Steinfleckberg und Vom Lusen über den Steinfleckberg zur Reschbachklause

Die Kamera ist etwas nach rechts geschwenkt, d. h. in südlicher Richtung.

Noch weiter im Süden kommt der Hohe Filzberg in den Blick.

Noch einmal der Hohe Filzberg – mittlerweile stehe ich etwas höher und bin auf dem Weg zum Lusengipfel.

Nun stehe ich auf dem Blockmeer am Lusengipfel und schaue nach Nordosten – wieder ist der Steinfleckberg mit seinen Blockhalden im Blick.

Wieder der Hohe Filzberg.

Die Kamera bewegt sich weiter nach Süden zum Sulzriegel – dem Berg über den drei Tannen im Vordergrund.

Blick nach Südwesten Richtung Parkplatz Waldhausreibe.

Das ganz schmale, helle Band rechts von der Mitte ist der Sommerweg zum Lusen.

Nun ist der Sommerweg in der Mitte gut zu sehen.

Der Sommerweg ist weiter zum linken Rand gerückt. Der hohe Berg rechts im Hintergrund ist der Große Rachel.

Der Große Rachel im Hintergrund in der Mitte, davor der Plattenhausenriegel.

Bei dem kleinen, länglichen, weißen Fleck rechts in der Mitte im Hintergrund dürfte es sich um das ehemalige Forsthaus in der Einöde Březník (deutsch Pürstling) handeln.

Was mich damals nicht interessiert hat

Es ist vermutlich überflüssig zu sagen, dass ich die Namen der Berge damals überhaupt nicht wusste. Das hat mich nicht interessiert, und eine Infotafel mit den Namen, wie sie ja häufig an solchen Stellen mit Fernblick aufgestellt ist, hätte ich höchst überflüssig gefunden. Das Einzige, was mich interessierte, waren die riesigen Totholzflächen. Andere Fotografen werden vielleicht das Blockmeer aus den unterschiedlichsten Perspektiven fotografieren oder Schnappschüsse der zahlreichen Touristen am Gipfelkreuz machen. Ich nicht.

Bezeichnend ist im Nachhinein, was ich damals – wohlgemerkt als ein ganz normaler Tourist – auch nicht fotografierte und was mich also definitiv auch nicht interessiert hat: Es war die Naturverjüngung. Kein Foto von kleinen jungen Fichten. Oder Vogelbeeren, Weiden, Birken, Bergahorn, Holunder – was auch immer … Kein einziges Foto. Diese ganze Diskussion darüber, ob der Wald im Nationalpark ein für allemal stirbt oder ob dort ein junger Wald nachwächst – ich habe sie 2009 nicht zur Kenntnis genommen.

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