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23.7.2009 – Tour zum Hochschachten
Vielleicht ist mein Besuch im Nationalpark nicht untypisch für einen normalen Touristen. Ich hatte mich vorher nur ein ganz kleines bisschen über die Highlights des Parks informiert: Lusen, Rachel, Falkenstein. Da sollten 4 Tage reichen.
Ansonsten wusste ich über den Nationalpark nichts. Vielleicht war diese Unkenntnis nicht untypisch für einen normalen Biologielehrer. Im Studium war das nicht vorgekommen. Auch nicht im Referendariat. Dort hatten wir eine Vorführstunde einer erfahrenen Kollegin erlebt; sie zeigte ihren Schülern Fotos, wie sie in einem Nationalpark in Alaska Bären beobachtet hatte. Wir lernten: Ein vorbildlicher Biologielehrer fährt in einen Nationalpark nach Alaska. Nicht nach Bayern.
23. Juli 2009: Meine erste Tour führte mich zum Hochschachten. Mit dem Mountainbike fuhr ich von der Talsperre Frauenau zum Fahrrad-Parkplatz am Hochschachten.
Informationsschilder
Die folgenden acht Fotos habe ich alle kurz nacheinander aufgenommen. Um 11 Uhr machte ich das folgende Foto:
Mir erschien das damals wichtig: Das also ist ein Nationalpark: „kein Holz geerntet … abgestorbene Bäume verbleiben …“…“.
10 Minuten später dann ein Foto dieses Schilds:
„Kerngebiet … Beachte die Nationalparkregeln! … nicht verlassen!“
Um 11:45 Uhr dann das nächste Foto:
11:46 Uhr:
11:47 Uhr:
11:52 Uhr an der Schutzhütte Hochschachten:
11:53 Uhr:
11:54 Uhr:
Gaslighting
Ich war verwirrt: ein Widerspruch zwischen Informationsschildern und Realität. Man könnte von Gaslighting sprechen. „Es wird grundsätzlich kein Holz geerntet. Abgestorbene Bäume verbleiben im Kreislauf der Natur.“ Die gefällten Bäume waren ja nicht einmal abgestorben! Lebende Bäume verbleiben also nicht im Kreislauf der Natur? Aber es wird doch kein Holz geerntet! Grundsätzlich nicht! „Kerngebiet! Markierte Wege nicht verlassen!“ Aber Rückegassen gibt es im Kerngebiet? Und Forwarder? Schlammpisten wie auf dem Truppenübungsplatz? Ich war kurz davor, den Forwarder anzuhalten und den Fahrer zur Rede zu stellen: „Was zum Teufel machen Sie hier? Das ist doch illegal!“ Ein Smartphone hatte ich damals noch nicht, sonst hätte ich womöglich noch die Polizei angerufen.
Ich habe damals nichts verstanden. Ich wusste nichts über die Erweiterung des Nationalparks 1997. Ich wusste nichts über die Nationalparkverordnung. Ich wusste nichts über § 14 (3). Ich war ein ganz normaler Tourist. Vielleicht hätte ein Informationsschild geholfen: „Hier bekämpfen wir den Borkenkäfer. Wir müssen das tun, weil …“ Aber da stand kein Schild.
Tote Fichten
Kurze Zeit später war meine Welt wieder in Ordnung: Informationsschild und Realität stimmten überein. Ich saß am Latschensee und genoss die Aussicht.
„Außergewöhnlicher Lebensraum“. Eines der „beeindruckendsten Hochmoore“. Unberührte Natur. Schutzwürdig. Die toten Fichten im Hintergrund störten mich nicht.
Sie störten mich auch nicht, als der Rundweg dann mitten durch die Totholzflächen führte. Im Gegenteil: So hatte es ja auch auf dem Schild gestanden: „Abgestorbene Bäume bleiben im Kreislauf der Natur.“ Ich fand das interessant. So etwas hatte ich noch nicht gesehen. Die folgenden sechs Fotos entstanden innerhalb von fünf Minuten am Kohlschachten:
Trotz dieser sechs Fotos: Man sollte nicht überbewerten, dass ich in schneller Reihenfolge sechsmal im Grunde das Gleiche fotografierte. Ich empfand die toten Fichten als interessant. Mehr nicht. Genauso interessant fand ich übrigens die Moose dort. Von denen habe ich gleich ein Dutzend Fotos gemacht. Ich lag auf dem Bauch und experimentierte mit der Naheinstellung meiner Digitalkamera. Wie zuvor erwähnt: Ich war vermutlich ein ganz normaler Tourist.
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