6 Unterschiede zwischen Urwald und Wirtschaftswald

Natürliche Störungen

In den Buchenurwäldern Europas entstehen durch den Tod einzelner alter Baumveteranen oder durch Sommerstürme kleinere Lücken im ansonsten geschlossenen Wald: siehe z. B. Windwürfe im Buchenurwald Uholka und Windwurf in der Nähe der Milchsteinhöhle. Derartige natürliche Störungen sind wichtig, denn sie haben “einen großen Effekt auf Menge und Qualität von Totholz, das für Totholzinsekten zur Verfügung steht.”1 Die natürlichen Störungen sind für sie keine Katastrophen, denn sie sind durch Koevolution und Selektion” an Störungen angepasst.

In Wirtschaftswäldern aber sind Störungen unerwünscht:

“Zur Zeit werden die meisten dynamischen Prozesse von Urwäldern unterbrochen durch […] Methoden der Forstwirtschaft, die darauf abzielen, die Empfindlichkeit von Beständen gegenüber natürlichen Störungen zu verringern.”2

So werden alte Bäume schon weit vor ihrem natürlichen Tod gefällt. Und die durch Windwürfe umgeworfenen und abgeknickten Bäume werden schnell aufgearbeitet und entfernt, so dass das Totholz den Totholzkäfern nicht mehr zur Verfügung steht: siehe Wiederaufforstung im Schellenberger Wald.

“Die Minderung oder Unterdrückung der Auswirkung von natürlichen Störungen kann dramatische Auswirkungen für Totholzarten haben und kann einen großen Teil des örtlichen Artenpools schädigen. Das gilt besonders für diejenigen Arten, die an Habitate angepasst sind, welche durch Störungen entstehen, wie z. B. die große Zufuhr von Totholz, das durch Windwürfe geschaffen wird […].”3

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  1. S. 589 []
  2. S. 591, Hervorhebungen von F.-J. A. []
  3. ebd., Hervorhebungen von F.-J. A. []