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Südhang nahe der Felssteilwand
Hinweis: Die Fotos auf dieser Seite wurden am Sonntag, den 29.3.26 mit einer Canon PowerShot G16 aufgenommen. Das Wetter war an diesem Tag wechselhaft: Mal war die Sonne von Wolken verdeckt und der Himmel grau, mal kam die Sonne heraus und der Himmel war blau. Das erklärt die sehr unterschiedlichen Farben und Kontraste der Fotos. Sie sind etwas mit Lightroom bearbeitet. Die Auflösung beträgt 1.200 x 900 Px. Abonnenten, die Interesse an höheren Auflösungen haben, mögen mir eine E-Mail schicken.
Vom Wanderweg am südlichen Rand des Naturwalds ist die Felssteilwand nur schlecht zu erkennen. Zum einen ist sie gut 150 m entfernt, zum anderen versperren die vielen Bäume die Sicht, sodass auch ein Teleobjektiv oder ein Fernglas nichts nützt.
Der alte Forstweg
Besser ist die Sicht vom Forstweg, der im oberen Südhang verläuft und näher an die Felssteilwand heranführt:

Forstweg im Naturwald Lange Wande, Umweltkarten Niedersachsen
Der Naturwald Lange Wande wird offiziell seit 1997 nicht mehr bewirtschaftet. Und so wurde der Forstweg dort oben vielleicht auch schon seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt. Es sieht zumindest so aus; so wachsen z. B. Bäume mitten auf dem Weg.
Vermutlich haben nicht nur Förster diesen Weg seit Langem nicht benutzt; auch Wanderer gehen ihn vermutlich nie. Der Einstieg ist fast nicht zu erkennen; Brombeeren bilden hier ein großes, dichtes Polster. Und weil niemand den Weg benutzt, wächst er langsam zu und Bäume liegen quer über dem Weg. Nicht, dass die umgestürzten Bäume hier bewusst liegen gelassen wurden, um Mountainbikefahrer abzuhalten. Die fahren hier nicht – schließlich geht es ja auch nicht steil bergab. Außerdem: Ein Forstweg ist kein Singletrail.
Auf dem Weg liegt eine dicke Blätterschicht. Man sinkt knöcheltief ein. Wenn man Pech hat, noch tiefer. Dann ist man in eine der tiefen Kuhlen getreten, die es hier überall gibt. Aber man sieht sie nicht. Und das macht den Weg gefährlich. Man kann hier nicht gemütlich schlendern und genüsslich den Wald anschauen. Ich zumindest habe immerzu nach unten geschaut und peinlich darauf geachtet, wo ich hintrete. Denn es gibt nicht nur Löcher im Weg, es gibt unter den Blättern auch Äste und Steine. Man kann stolpern und hinfallen oder umknicken. Man sieht die Hindernisse unter den Blättern ja nicht. Das Ganze ähnelt eher dem Balancieren auf einem Wackelbrett als dem Wandern über einen Weg. Und wer meint, er sei trittsicher – vielleicht verfängt der sich in einer der Brombeer-Ranken, die quer über den Weg wuchern.
Fotos des alten Forstwegs
Keine Untersuchungen zum Südhang
Offizielle Stellen wissen dem Anschein nach sehr wenig über die Felsteilwand und den Südhang in unmittelbarer Nähe. Das ist insofern bemerkenswert, als die Lange Wande gleich vierfach geschützt ist. Sie ist:
- ein Naturwald,
- ein Wald mit natürlicher Waldentwicklung,
- Teil eines FFH-Gebiets und
- Teil eines Naturschutzgebiets.
1. NW-FVA zum Naturwald
Im Kurzportrait der Langen Wande steht Folgendes:
„In den Felsbereichen und vor allem entlang der Kammlinie haben sich überwiegend stark skeletthaltige, feinbodenarme Kalkböden mit mäßig frischer Wasserversorgung entwickelt, die teilweise auch als trocken eingestuft werden.“
„Nach der Waldbiotopkartierung stocken im Klippen- und Felsband- bzw. Schutthaldenbereich Orchideen-Buchenwälder. Wärme liebende Charakterarten wie Echte Schlüsselblume, Finger-Segge, Schwalbenwurz, Ährige Teufelskralle oder Pfirsichblättrige Glockenblume sind hier wegen der oberflächlichen Bodenversauerung teilweise mit Säurezeigern wie Drahtschmiele und Weißer Hainsimse vergesellschaftet.“1Weblinks von mir
Abb. 4 „Baumartenanteile in den Probekreisen (2001)“ zeigt für Felsbereiche und Kammlinie 100 % Buche an.
2. NW-FVA zum Wald mit NWE
Die NW-FVA ist nicht nur zuständig für die Naturwälder Niedersachsens, auch die Wälder mit natürlicher Waldentwicklung (NWE) obliegen ihrer Obhut.
„Sowohl forstwirtschaftliche Eingriffe als auch naturschutzfachliche Pflegemaßnahmen sind auf diesen Flächen grundsätzlich ausgeschlossen.“
So wie die NW-FVA das Informationsportal für Naturwälder (NW-FVA NwInfo) betreibt, so auch das für Wälder mit NWE (NWE-Ni Info-Portal). Ruft man dort die Karte auf, zoomt auf die Lange Wande und klickt dann auf den Südhang nahe der Felswand, erhält man diese Informationen:
Diese Informationen sind nicht nur dürftig. Sie sind mindestens grob missverständlich, wenn nicht einfach falsch. Das Alter der Buchen hier ist niemals 169 Jahre. So dick sind die Buchen nicht, und sie leiden an diesem eutrophen Standort sicherlich auch nicht Nährstoffmangel, um dick zu werden. Selbst einzelne Buchen, die so alt sind, stehen hier nicht. Bitte schauen Sie sich die Fotos an und bilden Sie sich selbst ein Urteil!
3. NLWKN zum FFH-Gebiet
NLWKN steht für Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Dort finden sich Informationen zum FFH-Gebiet 112 Süntel, Wesergebirge, Deister, zu dem die Lange Wande gehört.2siehe Niedersächsische Umweltkarten
„Obwohl räumlich getrennt, weisen die Erhebungen innerhalb des Schutzgebiets doch ähnliche geologische Gegebenheiten auf: Sie bestehen überwiegend aus Kalken des Jura, die sich insbesondere am Hohenstein im Süntel, aber auch im Wesergebirge als teils markante Felsformationen und Klippenbereiche darstellen.“
„An trockenwarmen Standorten sind auf flachgründigen Kalkböden im Süntel und im Wesergebirge artenreiche Orchideen-Buchenwälder mit Pflanzenarten wie der Finger-Segge und dem gefährdeten Schwertblättrigen Waldvöglein ausgebildet.“3Weblinks von mir
„Kalktrockenrasen, Kalkschutthalden und Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation ergänzen die Habitatvielfalt des Gebiets. An den Felsen im Süntel kommen mehrere seltene Pflanzenarten vor, zu welchen die Pfingst-Nelke, der Milzfarn und eine endemische Unterart des Brillenschötchens gehören.“
Welche seltenen Pflanzenarten an den Felsen des Wesergebirges vorkommen, ist offenbar nicht untersucht.
4. NLWKN zum NSG-Gebiet
Die Lange Wande gehört nicht nur zum o. g. FFH-Gebiet, sie ist auch Teil des Naturschutzgebiets „Kamm des Wesergebirges“. Wir lesen dort dies:
„Überwiegende Teile des Gebietes, insbesondere der Kamm wie auch die Oberhänge der Höhenzüge, sind mit den naturraumtypischen Buchenwaldgesellschaften bewachsen, die der potentiell natürlichen Vegetation entsprechen. Es handelt sich hierbei ausschließlich um historisch alte Waldstandorte.“
„Von besonderer Bedeutung sind die arten- und strukturreichen, vielfach in Kontakt mit Fels- und Gesteinsbiotopen stehenden Waldbestände in den Oberhängen und Kammlagen. Hier finden zahlreiche gefährdete Pflanzen- und Tierarten und ihre Lebensgemeinschaften eine Lebensstätte. Die trockenwarmen Standorte sind durch Orchideen-Buchenwälder gekennzeichnet […].“
„Auf den besonnten Felsvorsprüngen kommen neben Felsspalten- sowie Moos- und Flechtengesellschaften Fragmente von Felsrasen und thermophilen Gebüschgesellschaften in verarmten, aber für das nordwestliche Weser- und Leinebergland charakteristischen Ausbildungen vor. Die beschatteten Klippen geringerer Höhe weisen Felsspalten- sowie Moos- und Flechtengesellschaften auf.“
Was genau in den Felsspalten wächst und welche Moose und Flechten auf den „besonnten Felsvorsprüngen“ und den „beschatteten Klippen“ vorkommen, ist anscheinend nicht untersucht. Auch Namen von „gefährdeten Tierarten“ fehlen. Es könnte allerdings sein und es ist nicht auszuschließen, dass die zuständige untere Naturschutzbehörde des Landkreises Schaumburg über genaue und detaillierte Kenntnisse verfügt. Vielleicht hat sie gute Gründe, diese nicht öffentlich zu machen. Es soll z. B. Verrückte geben, die nach Orchideen suchen – als Schmuck für den heimischen Garten.
Fotos des Südhangs nahe der Felswand
Vermutlich wird der Südhang nahe der Felssteilwand nicht erst seit 1997 nicht mehr bewirtschaftet: Die Bäume hier taugen nicht für das Sägewerk; sie sind schief und krumm. Ein zauberhafter Märchenwald.
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