Naturwald Lange Wande im Wesergebirge

Der Südhang

Hinweis: Die Fotos auf dieser Seite wurden am Freitag, den 27.3.26, mit einer Panasonic DMC-LX7 aufgenommen. Sie sind nicht bearbeitet. Die Auflösung beträgt 1.200 x 900 Px. Abonnenten, die Interesse an höheren Auflösungen haben, mögen mir eine E-Mail schicken.

Danksagung: Ich bedanke mich ganz herzlich bei Förster Holger Puls, Leiter der Revierförsterei Rinteln im Forstamt Oldendorf. Von ihm stammen die aktuellen Daten auf dieser Seite.

Über den Südhang lesen wir im Kurzportrait:

„Die [..] Südhänge zur Weser hin sind mehrschichtige, von Fließerden überdeckte Bröckeltonböden mit mäßig frischer bis kaum frischer Wasserversorgung. Die Nährstoffversorgung ist auf ganzer Fläche eutroph.“

Das ist ja alles sehr interessant! „Fließerden“, „Bröckeltönböden“, „mäßig frisch“, „kaum frisch“. Schon oben habe ich die Frage gestellt: Für wen ist dieser Text geschrieben? Vielleicht muss ein Forstwissenschaftler so etwas wissen. Vielleicht kann er dann behaupten, dass auf einem Bröckeltonboden soundsoviele Buchen pro ha wachsen, die dann mit sounsoviel Jahren soundso dick werden. Vorausgesetzt, die Wasserversorgung ist mäßig frisch. Wenn sie aber kaum frisch ist, dann wachsen dort nur usw. usf. Vielleicht sind sich die Wissenschaftler aber gar nicht einig und einige behaupten über Bröckeltonböden dies, die anderen das. Das ist sicherlich sehr spannend für Forstwissenschaftler und liefert Stoff für hitzige Debatten über die Vor- und Nachteile von Bröcketonböden für die richtige Bewirtschaftung von Buchenwäldern. Wohlgemerkt: spannend für Forstwissenschaftler. Aber nicht für mich. Wenn es um Geologie geht, dann bin ich nicht ein interessierter, sondern ein uninteressierter Laie.

Das Kapitel „Potenziell natürliche Vegetation und Naturnähe“ ist auch so ein Steckenpferd von Forstwissenschaftlern:

„Daran schließen sich in den schwach geneigten Oberhangbereichen Waldgersten-Buchenwälder an, die hangabwärts je nach Zunahme der Lössbeeinflussung in typische Waldmeister-Buchenwälder übergehen.“

Aber das ist nun keine Geologie und nicht so kompliziert: Wenn der Mensch nicht eingegriffen hätte bzw. nicht eingreifen würde, dann würden oben am Hang Waldgersten-Buchenwälder wachsen und unten Waldmeister-Buchenwälder. Man kann dann in der einschlägigen Fachliteratur oder auch bei Wikipedia nachschlagen, was in so einem Waldgersten- bzw. Waldmeister-Buchenwald natürlicherweise so alles wächst. Und dann könnte man am Hang nachschauen, was da wirklich wächst. So könnte man dann die Naturnähe bestimmen. Bezeichnenderweise hat nicht einmal die NW-NFA dafür Zeit.

Ein Kapitel des Kurzportraits heißt tatsächlich „Aktueller Baumbestand“. Das ist frech. Denn die Daten sind ja 25 Jahre alt: 

„Gegenwärtig ist das Naturwaldgebiet im Klippenbereich und an den nach Süden und Westen abfallenden Hängen mit älteren Buchenbeständen bestockt, die durch einen Unterstand aus Buche oder natürliche bzw. künstlich eingebrachte Buchen-Edellaubholzverjüngung teilweise mehrschichtige Bestandesstrukturen aufweisen (Abb. 3). Beigemischte Edellaubhölzer sind vor allem Esche, Kirsche und Bergahorn.“

Es ist nicht alles falsch, was im Kurzportrait steht. Am Südhang wachsen auch nach 25 Jahren immer noch alte Buchen. Sogar sehr viele alte Buchen. Dicht an dicht. Viel dichter als in einem Wirtschaftswald. Eschen, Kirschen und Bergahorn konnte ich allerdings nicht ausmachen.

„Nach der Probekreisaufnahme der Forsteinrichtung von 2001 ist die Buche die dominierende Baumart (Abb. 4 und Tab. 2)“

Nein, wer hätte das gedacht!

Laut Forsteinrichtung betrug das Alter der Buchen in dieser Forstabteilung im Jahr 2020 im Schnitt 89 Jahre, d. h. sie sind jetzt im Jahr 2026 95 Jahre alt. Dass die Buchen hier nicht so dick werden, liegt daran, dass der Bestand nicht nur voll-, sondern überbestockt ist, d. h. es stehen sehr viele Buchen auf engem Raum nebeneinander. In einem Wirtschaftswald kommt so etwas nicht vor; die Buchen, die gut und schön gerade gewachsen sind und später einmal geerntet werden sollen, die sog. Zukunfts- oder Z-Bäume, werden frühzeitig freigestellt, indem sog. Bedränger gefällt werden. Dann werden sie dicker.

Weil der Bestand überbestockt ist, ist auch der Holzvorrat sehr hoch: Er beträgt sagenhafte 500 Vfm/ha. Zum Vergleich das Ergebnis der 4. Bundeswaldinventur 2022:

„Der Wald in Deutschland hat einen durchschnittlichen Holzvorrat von 335 m3 je Hektar.“

Der Wert von 338 m3/ha aus dem Kurzportrait ist genauso wie alle seine Daten veraltet. 

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