Naturwald Lange Wande im Wesergebirge

Der benachbarte Wirtschaftswald im Südosten

Hinweis: Die Fotos auf dieser Seite wurden am Sonntag, den 29.3.26, mit einer Canon PowerShot G16 aufgenommen. Sie sind nicht bearbeitet. Die Auflösung beträgt 1.200 x 900 Px. Abonnenten, die Interesse an höheren Auflösungen haben, mögen mir eine E-Mail schicken.

Immer, wenn man über Naturwälder spricht, spricht man indirekt auch über Wirtschaftswälder. Sie sind der Elefant im Raum. Denn zum einen sind Naturwälder immer von Wirtschaftswäldern umgeben. Zum anderen sind Naturwälder immer ehemalige Wirtschaftswälder. Immer. Es gibt keine Urwälder in Deutschland, die noch nie bewirtschaftet wurden.

Dass auch die Lange Wande bewirtschaftet worden ist, das verschweigt die NW-NFA auch gar nicht. Und es muss dort einmal ganz furchtbar ausgesehen haben:

„Anfang 19. Jh.: Offener und lichter Waldzustand wird beschrieben: „Buchen theils ganz einzeln, theils in Horsten (…), Buchen meist verkrüppelt (…), abständig und in ungleicher Stellung, theils Buchen licht stehend (…).“1Kurzportrait Tab. 1

Wie mit dem Wald in der Folgezeit umgesprungen wurde, darüber schweigt die NW-NFA. Die Fichten im Nordwesten sind ja nicht vom Himmel gefallen. Und auch die dichte Verjüngung im Südwesten ist Folge eines Schirmschlags, der hier einmal vor langer Zeit von irgendeinem Förster durchgeführt wurde.

Für gewöhnlich sind Naturwälder von den benachbarten Wirtschaftswäldern ganz gut zu unterscheiden. So ist es auch bei der Langen Wande, zumal diese schon 30 Jahre nicht mehr bewirtschaftet wird. Die Grenze zwischen Natur- und Wirtschaftswald wird markiert durch eine Rückegasse, die schnurgerade vom Weserberglandweg zur Felswand führt. Links davon – also westlich – liegt der Naturwald, rechts davon – also östlich – der Wirtschaftswald.

Das Foto täuscht übrigens: Die rd. 100 m lange Gasse ist wesentlich steiler, als es aussieht. Der Weserberglandweg liegt auf 230 Hm, der Felskamm auf 310 Hm. Das entspricht einer Steigung von 39° oder 80%.

Die Rückegasse ist gut sichtbar. Außerdem steht unten links ein Naturwaldschild.

Die Tabelle zeigt links 3 Fotos des Naturwalds, rechts drei des Wirtschaftswalds.

NaturwaldWirtschaftswald

Laut Forsteinrichtung sind die dicken Buchen des Naturwalds rd. 95 Jahre, die des Wirtschaftswalds rd. 85 Jahre alt. In letzterem aber gibt es viele dünnere Buchen. Diese sind im Schnitt erst 60 Jahre alt. Revierförster Puls kann zur Vorgeschichte der beiden unterschiedlichen Waldabteilungen nichts sagen. Vielleicht hätte es der Förster gekonnt, der vor 50 Jahren hier Dienst tat.

Die Waldabteilung des Wirtschaftswalds mit den vielen dünnen Buchen ragt über die Rückegasse ein Stück weit in den Naturwald hinein. Die Abteilung mit den vielen dicken Buchen beginnt also erst rd. 50 m westlich der Gasse.

Waldabteilung mit vielen dünnen Buchen im Naturwald

Ein deutlich sichtbarer Unterschied zwischen Natur- und Wirtschaftswald sind natürlich die Rückegassen. Ein weiteres unverwechselbares Merkmal des Naturwalds sind die umgestürzten Bäume. Am Südhang sind es – im Gegensatz zum Hang nördlich der Felswand – noch nicht so viele. Aber ein paar Buchen hat es auch schon im Süden umgehauen:

Durch das geöffnete Kronendach fällt Licht und Naturverjüngung stellt sich ein.   

Einer falschen Vermutung gilt es vorzubeugen: Im Wirtschaftswald gibt es keine großen und gut von weitem sichtbaren Bärlauchwiesen wie im Naturwald. Das hat aber nichts mit der Bewirtschaftung zu tun. Nicht, dass jemand auf die Idee kommt, das läge bestimmt an den Harvestern und Rückeschleppern, die den Boden verdichten. Die wahre Ursache ist, dass Bärlauch Feuchtigkeit anzeigt.2Diesen Hinweis verdanke ich Förster Puls. Der Boden im Naturwald ist einfach feuchter. Es gibt auch im Naturwald viele Stellen, wo der Bärlauch nicht wächst.

Naturwald ohne Bärlauch

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