Naturwald Lange Wande im Wesergebirge

Die Kammlinie

Der Forstweg führt zu einer ca. 2 ha großen gezäunten Wiederaufforstung. Nach einer Borkenkäferkalamität wurden hier verschiedene Bäume gepflanzt: u. a. Ahorn, Elsbeere, Kirsche und Eiche.

Naturwald

Förster Holger Puls versichert mir am Telefon, dass er den Zaun regelmäßig kontrolliert, sodass die Rehe keine Lücken finden. Eine Drückjagd sei hier leider nicht möglich; es sei ein Erholungswald mit vielen Zugängen, der von der städtischen Bevölkerung Rintelns intensiv genutzt wird.

Dies gilt natürlich nicht an diesem Vormittag mitten in der Woche und nicht in dieser hinteren Ecke des Waldes in unmittelbarer Nähe zur Autobahn. Allerdings muss ich Puls insofern recht geben, dass der Weserberglandweg im Süden des Naturwalds und die Zugangswege zur Waldgaststätte am Luhdener Klippenturm weiter östlich vor allem am Wochenende stärker genutzt werden. Die Rehe stört das nicht. Aber ohne Drückjagd keine Wiederbewaldung und keine Verjüngung außer Buche.1siehe Entmischung durch selektiven Verbiss Weiserflächen fehlen übrigens im Naturwald.

Vor dieser vor Verbiss hoffentlich gut geschützten Wiederaufforstung biegt ein alter, schlecht zu erkennender Forstweg nach rechts, Richtung Süden zur Kammlinie ab. In der ehemaligen Fahrrinne scheint sich Wasser zu sammeln; Bärlauch ist ein Feuchtezeiger.

Oben angekommen hatte ich einen dieser „It’s A-MA-ZING! That’s why I came to Rome!“-Augenblicke2siehe Winterwanderung zum Lusen Ich stand zwar nicht wie die junge Amerikanerin vor dem Forum Romanum, sondern nur auf dem Kamm des Wesergebirges, aber es war trotzdem sensationell.

Was ich Ende März noch nicht wusste: Solche im wortwörtlichen Sinne atemberaubenden Augenblicke würde ich in den nächsten Wochen noch häufiger im Wesergebirge haben.

Und noch eines war mir Ende März nicht klar: Einen solchen Blick würde ich schon in 2, 3 Wochen nicht mehr haben. Damit meine ich nicht den Blick in die Ferne: Dafür gibt es zur Not Aussichtstürme. Ich meine den Blick in die Struktur des Waldes: dieser war jetzt noch, bald schon nicht mehr möglich. Sehr alte Bäume konnte man noch gut erkennen und von jüngeren und ganz jungen unterscheiden. Und man konnte auch die individuelle, spezielle Form der vielen Habitabäume bewundern mit all ihren Baummikrohabitaten. Dies alles würde schon bald im Blättermeer untergehen. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit Georg Sperber, der einmal sinngemäß sagte: „Der Frühling ist die beste Zeit zum Fotografieren. Da sind die Sünden der Forstleute am besten sichtbar!“3siehe Spaziergang zur dicksten Buche im Steigerwald

Auf den Fotos der Kammlinie sind u. a. die folgenden Baummmikrohabitate klar und deutlich zu sehen:4siehe auch Vorteile der Baummikrohabitate für Bürgerinitiativen

  1. Höhlen,
  2. Stammverletzungen,
  3. Wucherungen und
  4. Kronentotholz.

Zu den Mikrohabitaten am lebenden Baum kommen die Totholzstrukturen abgestorbener Bäume:

  • stehende tote Bäume,
  • Hochstümpfe,
  • liegendes Stammholz und
  • liegende Kronen und Starkäste.


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