Borkenkäfer am Rachel – natürliche oder menschengemachte Störung?

„Die Temperaturen haben sich seit jeher stark geändert – und zwar nicht nur langfristig, sondern auch kurzfristig.“
Prof. Stefan Homburg

Der Borkenkäfer als natürliche Störung

Das Absterben der Fichten im NP gilt als natürliche Störung, weil nicht der Mensch die Ursache ist, sondern der Borkenkäfer. Die Fichten sind nicht Opfer der Motorsäge oder des Harvesters wie im Wirtschaftswald, sondern sie werden vom Käfer gefressen. Das ist ein ganz natürlicher Prozess und weil im Nationalpark das Motto „Natur Natur sein lassen“ gilt, lässt man den Käfer fressen. Naturvorgänge sollen ungestört ablaufen. Die natürliche Dynamik soll gewährleistet werden.1siehe §24 BNatSchG – Nationalparke

Massenvermehrungen des Käfers mitsamt anschließendem großflächigen Fichtensterben sind auch nicht ungewöhnlich. Sie sind nicht die seltene Ausnahme. Sie kommen immer wieder vor – so z. B. in Bayern 1868 und 1870. Ursache damals waren orkanartige Stürme:

„Über 2000 Hektar im heutigen Nationalparkgebiet wurden damals vom Sturm geworfen.“2Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Eine Landschaft wird Nationalpark, Grafenau 1993, S. 28

Über eine halbe Million Fm Sturm- und Käferholz wurden damals aufgearbeitet.3Heinrich Rall, Die Wälder im Nationalpark Bayerischer Wald: Von forstwirtschaftlicher Prägung zu natürlicher Entwicklung, in: Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hg.), 25 Jahre auf dem Weg zum Naturwald, Neuschönau 1995, S. 21 Abb. 8

„Ein großer Windwurf im Jahr 1870 und der ihm folgende Borkenkäferbefall hinterließen nach der Aufarbeitung allein im Nationalparkgebiet eine Kahlfläche von 2025 ha, dies entspricht rund 16% der Holzbodenfläche. Auch 1929 warfen und brachen Stürme um die 300000 fm.“4Heinrich Rall, Die Wälder im Nationalpark Bayerischer Wald: Von forstwirtschaftlicher Prägung zu natürlicher Entwicklung, in: Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hg.), 25 Jahre auf dem Weg zum Naturwald, Neuschönau 1995, S. 20

100 Jahre später ließ man nach einem Sturm im Nationalpark das Sturmholz am Lusen liegen und nahm den sich anschließenden Borkenkäferbefall hin.5siehe Das Fichtensterben am Lusen

Stürme galten damals noch unwidersprochen als eine Naturkatastrophe. Vom menschengemachten Klimawandel redete damals noch niemand.

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