Bitterböser Brief an die Naturwald Akademie – eine Polemik

Vorgeschichte: Anfrage an die Naturwald Akademie wegen der Lübecker Buchenwaldbewirtschaftung

Mitte Januar schreibe ich eine E-Mail an die Naturwald Akademie.

Sehr geehrter Herr N.!
Ich suche etwas Schriftliches zur Buchenwaldbewirtschaftung in Lübeck. Und zwar etwas möglichst konkretes – so etwas, wie die Bayerischen Staatsforsten zu ihrer Buchenwaldbewirtschaftung veröffentlicht haben: Waldbauhandbuch Bayerische Staatsforsten – Grundsätze für die Bewirtschaftung von Buchen- und Buchenmischbeständen im Bayerischen Staatswald.
Gibt es etwas Vergleichbares für Lübeck?
Das fände ich spannend!

Mit freundlichen Grüßen
Franz-Josef Adrian

Antwort der Naturwald Akademie

14 Tage später erhalte ich Antwort. Ein solches Dokument zum Lübecker Konzept existiere leider nicht. Das Waldbauhandbuch der Staatsforsten sei ein „Pauschalvorgehen“. In Lübeck werde „im Einzelfall“ entschieden:

Man „schaut [..] hier möglichst dem Wald beim Wachsen und Sich-Entwickeln zu, anstatt ständig aktiv und nach vorgegebenem Schema einzugreifen.“

Zum Schluss nennt der Mitarbeiter dann noch eine Liste mit 10 Fachpublikationen, „deren Erkenntnisse in die Lübecker Bewirtschaftungspraktik einfließen“. Außerdem verweist er auf das neu erschienene Buch „Der Holzweg“. Da drin würde ich auch „einige Informationen“ finden.

Bitterböser Brief an die Naturwald-Akademie

Lieber Herr N.!

Danke für Ihre Mail! Ich möchte das kurz kommentieren und vielleicht können Sie verstehen – wenn auch nicht akzeptieren – was ich schreibe …

Wenn Sie meinen Blog in letzter Zeit mal gelesen haben, werden Sie sich womöglich ein ums andere Mal gefragt haben: Wie ist der denn jetzt drauf?

Früher habe ich tagelang Videos mit Knut Sturm transkribiert: Wilde Wälder – Vortrag von Knut Sturm und Torsten Welle. Das mache ich jetzt nicht mehr. Das ist die Arbeit von Sturm, nicht meine. Und ich werde auch nicht die ganzen Fachartikel lesen, deren Liste Sie mir geschickt haben. Ich werde das nicht für den Laien übersetzen – so wie ein Lehrer das mit schwierigen Texten für seine Schüler macht – und dann auf meine Webseite stellen; ein Aufsatz für die breite Öffentlichkeit – auch das wäre Sturms Aufgabe – oder zumindest die der Naturwaldakademie, nicht wahr?

Ich habe ein Presseexemplar von „Der Holzweg“ – wer soll das eigentlich kaufen? Hofft man auf die Gemeinde von Wohlleben? Oder kauft Greenpeace das auf und verschenkt es an treue Sponsoren? Fähser sagt nicht ein einziges Mal, wie Lübeck konkret arbeitet. Mit welchem BHD werden Bäume gefällt? Wie groß dürfen die Gruppen sein, die gefällt werden? Und wie groß darf die Fläche sein, die freigestellt wird? Wie viele Habitatbäume? Wie viel Totholz? Stehend? Liegend? Dicke? Nicht einmal Susanne Winter – immerhin Expertin für Mikrohabitate – kommt mit konkreten Zahlen!

Das Gemeine ist, dass die BBIWS – mit 2 Artikeln im Buch vertreten – natürlich auch nicht konkret sagen kann, wie Prozessschutz funktioniert. Aber wenn Mergner im Steigerwald auch nur *eine* „dicke“ Buche fällt – und Gnade-ihm-Gott der BHD ist auch nur in der Nähe von 80 cm – dann sind sich alle einig: So geht das nicht! Sturm würde das NIE machen! Prozessschutz ist DIE Lösung! (Und das Schlimme ist, dass Sturm und Mergner privat womöglich gute Kollegen sind und sich gegenseitig schätzen …)


BN-Waldreferent Ralf Straußberger und Ulla Reck vom Freundeskreis Nationalpark Steigerwald beim Vermessen einer gefällten Buche im Steigerwald, Screenshot Frankenschau vom 2.2.2020

Ich rege mich auf und das sollte ich nicht! Aber wenn im Steigerwald neuerdings Linksextremisten von Extinction Rebellion Forwarder beschmieren und ankündigen, Baumhäuser zu bauen, und die dortigen alten NGOs sich neuerdings mit FFF und XR gemein machen, dann hört der Spaß auf. Er hörte schon im „Hambi“ auf. Darüber schreibe ich auf meiner Webseite – aber ich mache nicht mehr die didaktische Reduktion für Lübeck. Es hatte mich ja auch nie jemand darum gebeten – ich ärgere mich also über mich selbst, nicht über Lübeck.

Genug geärgert!

Mit freundlichen Grüßen
Franz-Josef Adrian

P. S.: Passen Sie auf, dass XR nicht in Lübeck zur Fällung markierte Bäume entdeckt und Baumhäuser drin baut! Und Vorsicht vor den Grünen – Annalena ist ein NLP Lübeck zuzutrauen!


XR-Aktivist im Steigerwald, Screenshot Frankenschau vom 2.2.2020

3 Gedanken zu „Bitterböser Brief an die Naturwald Akademie – eine Polemik

  1. Wenn Sie die entsprechenden Artikel im „Holzweg“ gelesen hätten, wären Sie auf jede Menge konkrete Angaben gestoßen, wie die Bewirtschaftung in Lübeck läuft. Daher finde ich, dass Ihre Kritik voll ins Leere läuft!

  2. Ich habe den Holzweg bereits gelesen und finde, das ist eine gute Basis für weitere Diskussionen.
    Was ich in dem Buch vermisse:
    – Es fehlt eine Einordung, wo die deutsche Forstwirtschaft im europäischen Vergleich steht. Da gibt es gute Untersuchungen von Prof. Dr. Seidl. Danach gibt es die größten Probleme im skandinavisch-baltischen Raum, am besten schneidet die Schweiz ab, Deutschland auch ganz gut. Warum man auf aktuelle Forschungsergebnisse nicht zurück greift, sondern lieber auf Daten der veralteten Bundeswaldinventur zurückgreift, ist unverständlich.
    – In Deutschland sind fast 50 Prozent der Waldfläche in Privatbesitz. Und diese Privatwaldbesitzer müssen – im Gegensatz zum Lübecker und Göttinger Stadtwald – von ihrem Wald leben können. Leider wurden hier keinerlei Beispielsbetriebe vorgestellt. Die gibt es, z.B. bei der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft.

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