Der Fuchs im Hühnerstall: Prof. Dubbel

Dubbels Taschenspielertrick

Die Initiative Waldschutz Essen hatte in einem Flyer, der im Juli 2014 an 5.000 Haushalte der Essener Margarethenhöhe verteilt wurde, den Vorwurf erhoben, das Forstamt habe einen Großteil der Schäden, den Pfingststurm Ela angerichtet hat, mitverursacht. Die Löcher im Kronendach, die durch die Baumfällungen entstanden sind, hätten es dem Sturm erleichtert, die frei stehenden Kronen anzugreifen. In der WAZ vom 16.7.2014 hatte Matthias Görgen diesen Vorwurf wiederholt. Auch auf meiner Webseite hatte ich den Förstern eine Teilschuld zugesprochen: siehe Verantwortungslosigkeit des Forstamts und auch Pfingststurm „Ela“ an der Korte Klippe.

Dubbel versucht, diesen Vorwurf in drei Schritten zu entkräften:

  1. Windböen des Pfingststurms „Ela“ am 9.6.2014 erreichten bis zu 11 Beaufort (Bft), was 104,2 kmh entspricht. Die Daten stammen von der MeteoGroup und gelten für Bochum, sind aber auf Essen übertragbar.
  2. Bei 8 Bft (stürmischer Wind) brechen Zweige von den Bäumen, bei 9 Bft (Sturm) brechen Äste von den Bäumen, bei 10 Bft (schwerer Sturm) brechen Bäume, bei 11 Bft (Orkan) werden Bäume entwurzelt.
  3. Die Verwüstungen durch Ela sind in den Altholzinseln, die seit 20 Jahren nicht mehr bewirtschaftet werden, genauso groß wie in den Wirtschaftswäldern.

Meine Kritik setzt beim 2. und 3. Argumentationsschritt ein.

Kritik am 2. Argumentationsschritt: Bei Orkanen werden Bäume entwurzelt.

Dubbel behauptet: Ein „schwerer Sturm … bricht Bäume“ und ein „Orkan … entwurzelt Bäume“. Er will darauf hinaus, dass alle Bäume ohne Unterschied entwurzelt werden. Egal, ob sie nun in einem Wirtschaftswald stehen oder in einem Wildniswald. Bei einem Orkan werden nun einmal Bäume entwurzelt. Das ist eben so und ist auch völlig normal. Dafür darf man nicht vorherige Durchforstungen verantwortlich machen. An den Verwüstungen ist der Orkan schuld, nicht das Forstamt.

Kritik am 3. Argumentationsschritt: Der Orkan hat auch unbewirtschaftete Wälder verwüstet.

Bei seinem dritten Argumentationsschritt löste Dubbel lautstarke Proteste bei den Zuhörern aus. Vielleicht klappt der benutzte Taschenspielertrick ja bei seinen Studenten an der Fachhochschule, in Essen ging er gründlich daneben. Dubbel präsentiert zunächst ein Foto der Sturmschäden im Schellenberger Wald und dann ein Foto von der Altholzinsel an der Korte Klippe, um dann freudestrahlend in die Runde zu blicken und zu fragen, welcher Wald denn wohl nun wohl bewirtschaftet worden sei und welcher nicht.

 

Der Protest der Anwesenden richtete sich gegen die Behauptung, die Korte Klippe sei seit 20 Jahren nicht bewirtschaftet worden. Denn in der Tat fanden um die Altholzinsel herum kräftige Einschläge im Altholzbestand statt (siehe Waldpflege im Baldeney-Wald). Das Wort „Altholzinsel“ ist bezeichnend: Es ist eine Insel in einem intensiv bewirtschafteten Wald. Noch dazu eine kleine Insel. Die genaue Lage und Größe der Insel kennt niemand: Das Forstamt weigert sich, Zahlen und Karten zu den 131 ha Referenzflächen zu veröffentlichen, in denen die Motorsäge schweigt. Matthias Görgen, Sprecher der Waldschutz-Initiative, hatte sogar zwei Fotos dabei, die bewiesen, dass an der Korte Klippe sehr wohl Bäume gefällt worden waren. Der Kommentar Dubbels, Fotos seien als Beweise sowieso untauglich, löste allgemeine Erheiterung aus.

In gewisser Weise sind wir Anwesenden Dubbel trotzdem auf den Leim gegangen. Denn die Diskussion konzentrierte sich ausschließlich um die Korte Klippe, dabei hätte sie sich um den Schellenberger Wald drehen müssen. Dubbel hat ja Recht: „Ein Sturmschaden ist waldökologisch keine Katastrophe. Sturmwurf und -bruch sind ein natürlicher Prozess in Wäldern. Sturmwurf erzeugt und beschleunigt walddynamische Prozesse.“ (Zitate aus der Powerpointpräsentation) Darüber muss man nicht streiten. Das Problem sind die Sturmwürfe in den vom Essener Forstamt bewirtschafteten Wäldern. Denn dort dürften sie, behaupteten die Essener Förstern und Prof. Dubbel in der Vergangenheit, eigentlich gar nicht vorkommen.

 

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