Hellerberg im Sauerland

Schirmschlag – Buchensterben von oben

In der Naturwaldzelle wird seit 1976 kein Holz mehr eingeschlagen. Der Wald zerfällt in einen westlichen und einen östlichen Teil. Während im westlichen Teil offensichtlich seit Jahrzehnten keine Buchen mehr gefällt wurden, wurde der Buchenwald im östlichen Teil im Schirmschlagverfahren bewirtschaftet. Hier wurden alte Buchen noch kurz vor der Ausweisung der Naturwaldzelle Lichtungshiebe durchgeführt. Auf den Google-Satelittenfotos kann man den aufgelockerten Oberstand aus einzelnen Überhältern sehen:


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Die vor 35 Jahren freigestellten Überhälter sind mittlerweile alle krank: Ihre Kronen sind verlichtet. Die äußeren Äste der Kronen, mit denen die Krone eigentlich weiter wachsen würde, sind abgestorben. Die Kronen wachsen nicht mehr, sie schrumpfen. Sie vertragen das Sonnenlicht und den Wind nicht:

In einem klassischen Verlauf des Schirmschlags wären die Überhälter bereits vor Jahren planvoll „geräumt“ worden (vgl. Winter, Buchenwälder, Anhang I S. 8). Auch so frisiert Wald-und-Holz-NRW die Zahlen des Waldschadensberichts: Kranke Bäume werden einfach gefällt. Sie tauchen in der Statistik nicht mehr auf. So sind am Ende „nur“ 28% der Buchenkronen deutlich geschädigt (Waldschadensbericht, S. 13). Die deutlichen Schäden sind zwar insgesamt „sehr hoch“, liegen aber „im besseren Bereich“ (ebd., S. 17). Schuld ist sowieso das Wetter oder der Springrüssler oder die Buche gleich selbst: Warum bildet sie auch so häufig Früchte aus?

Vielleicht hätte das zuständige Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald aber auch einige wenige Überhälter als „Biotopbäume“ stehen lassen. Wenn diese dann absterben, rechnet man sie einfach dem „ökologisch wertvollen“ Totholz zu. So hängt man sich den Deckmantel der „ökologischen Waldwirtschaft“ um.

Durch den künstlich hervorgerufenen Lichteinfall wurde in Mastjahren die Keimung hunderttausender Bucheckern pro ha gefördert. Diese „Verjüngung aus einem Guß“  ist wie im Lehrbuch gelungen. Die Buchenkultur war eingezäunt oder gegattert, um sie vor Wildverbiss zu schützen. Die Grenze zwischen dichtem geschlossenen Buchenjungwuchs und kahlem Waldboden verläuft wie mit dem Lineal gezogen. Die jungen Buchen sind in den letzten 35 Jahren zu einem dicht geschlossen Stangenacker herangewachsen:

Wo die Buchenkultur nicht gezäunt war, misslingt die natürliche Verjüngung: Die Keimlinge werden vom Wild extrem verbissen. Große Flächen des Waldbodens sind  kahlgefressen.

Seit mehr als einem Jahrzehnt versuchen diese 3 Buchen erfolglos, die Äserhöhe des Wilds zu überwinden:

 

Der so entstandene einschichtige Buchenhallenwald ist ein Kunstprodukt. Zum Vergleich: Im Göttinger Stadtwald, in dem das Wild effektiv bejagt wird, sieht der Buchenwald trotz geschlossenem Kronendach so aus:

Goettingen

 

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