Der Urwald vor den Toren der Stadt Porta Westfalica

Schluss

Aus meiner Idee, ein Wochenende in Porta Westfalica zu verbringen und die zwei Urwälder vor den Toren dieser Stadt zu besuchen, wird leider nie ein Reiseangebot werden im Reiseplaner des Touristikzentrums Westliches Weserbergland. Der Reiseplaner 2019 hat zwar ein Kapitel “Natur erleben”. Aber darin findet man nur Informationen zum Besucher-Bergwerk und Museum Kleinenbremen und zum  natour.NAH.Zentrum Schillathöhle. Letzteres bietet für Naturinteressierte/Naturliebhaber “Karst- und Kräuterwanderungen”, ein “Wildgemüse-Picknick”, “Wohlfühlwandern” und ein “Wander-Schnupperangebot Weserbergland-Weg”. Vom Wolfsschluchtweg, Niederwald und Nammer Berg – kein Wort. “Naturfreunde” scheinen sich eher für eine “Kräuterwanderung inkl. sammeln von essbaren Wildpflanzen” zu interessieren.

Ich habe lange mit Nadine Zuleger vom Touristikzentrum gesprochen. Sie ist eine sehr angenehme, sehr gut vernetzte und sehr gebildete Frau. Sie hat mir klar gemacht, dass ich einen “Marktnische” bediene und für eine “Special Interest Group” schreibe. Das aber interessiert ein Touristikzentrum leider nicht. Dort organisiert und fördert man z. B. den Megamarsch, 100 km durch das Weserbergland in 24 h. 2019 nahmen daran über 1.500 Menschen teil. Zuzüglich Familienmitglieder. Die auch alle dort übernachten. Und Sponsoren. Das sind die Zahlen, wo es für die Tourismusindustrie interessant wird. Für den Wolfsschluchtweg wären sie eine Katastrophe.

Vom französischen Philosoph Pascal Bruckner stammt der Satz:

“Was ist ein Privileg, das mit allen geteilt wird? Ein Fluch! […] Wenn jeder das Flugzeug oder die Bahn zur selben Zeit nehmen will, enden wir in überfüllten Bahnhöfen und Flughäfen, finden Strände mit Menschen bedeckt und überfüllte Touristenattraktionen. ‘Demokratie ist’, wie Robert Calasso es treffend formuliert hat, ‘Zugang zu allen Gütern, die nicht mehr existieren.'”1The Fanaticism of the Apocalypse, Cambridge 2013, S. 21 f., Übersetzung von F.-J. A.

Wenn Sie diesen Fluch erleben wollen, kommen Sie an einem sonnigen Wochenende zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal!2Chaos am Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Westfalen-Blatt vom 27.3.2019, und Wieder Chaos am Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Mindener Tageblatt vom 26.2.2019 Alle Parkplätze überfüllt, Blechlawinen bis hinauf zum Denkmal. Verstopfte Straßen. Lärm. Schmutz. Chaos. 300.000 Besucher waren es in 2019 und die kommen fast ausschließlich im Sommer und fast ausschließlich am Wochenende. Als ich im November an einem kalten, regnerischen und dazu noch nebligen Montag das Denkmal besuchte, waren nur die Berufskletterer da, die das Denkmal reinigten.

Ich hatte ich die Ringterasse ganz für mich alleine. Und auch den Wolfsschluchtweg und auch den Niederwald. Pascal Bruckner hat mir klar gemacht, was ich da genießen durfte: es ist ein “Prestige mit einem aristokratischen Status”3a. a. O., S. 22. Fuck You Megamarsch!

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