Artenvielfalt auf belassenen Borkenkäferflächen

Pilze

Die Forscher untersuchten im NLP die Artenvielfalt von Pilzen auf drei unterschiedlichen Flächen:

  • Urwaldresten, die seit Jahrhunderten nicht genutzt werden,
  • Prozessschutzflächen und
  • Managementflächen.

Auf den Managementflächen wird der Borkenkäfer bekämpft, auf den Prozessschutzflächen nicht. Der einzige statistisch bedeutsame Unterschied bestand zwischen den Urwaldresten und den Managementflächen. Kein signifikanter Unterschied bestand dagegen zwischen den Urwaldresten und den Prozessschutzflächen. Das ist insofern erstaunlich, als die Prozessschutzflächen erst seit 1970, dem Gründungsjahr des NLP, nicht mehr bewirtschaftet werden. Die Forschungsergebnisse zeigen, „dass der Prozessschutz auch anspruchsvollen Pilzarten Lebensraum schafft.“1

Der Rotrandiger Baumschwamm ist der häufigste und auffälligste Pilz auf den Borkenkäferflächen.

Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola)

Über den Dunkelgezonten Feuerschwamm (Phellinus nigrolimitatus) schreibt Claus Bässler, Pilzexperte im Forscherteam des NLP:

„Phellinus nigrolimitatus ist vorwiegend im Bergfichtenwald und häufig an der Stammunterseite an Fichtenstämmen zu finden.[…] Man findet ihn in der Regel an liegendem Holz, das schon stärker zersetzt ist.“2

Der Fotograf Josef Hlasek zeigt gleich neun eindrucksvolle Fotos von Phellinus nigrolimitatus.

Phlebia centrifuga „wächst auf der Unterseite alter, umgestürzter Fichtenstämme in urwaldartigen montanen Nadelwäldern.“3

Phlebia centrifuga
Phlebia centrifuga

Elf weitere beeindruckende Nahaufnahmen des Pilzes zeigt wieder der oben erwähnte Fotograf Hlasek: Phlebia centrifuga.

Rigidoporus crocatus „findet man insbesondere an starken, toten, liegenden Tannen und Fichten“.4

Rigidoporus crocatus 64977
Rigidoporus crocatus

Von der Zitronengelben Tramete (Antrodiella citrinella) gibt es keine frei verfügbaren Fotos. Ein schönes zeigt Marco Gebert auf seiner Webseite: Zitronengelbe Tramete. Drei hübsche Bilder zeigt auch Christoph im Pilzforum der Bayrischen Mykologischen Gemeinschaft: Zeigt her eure Porlinge …

„Man findet die Zitronengelbe Tramete in urwaldartigen Nadelwäldern, wo sie auf mächtigen, liegenden, finalfaulen Nadelholzstämmen wächst. Sie ist immer mit überaltertem bis abgestorbenen Rotrand-Porling (Fomitopsis pinicola) vergesellschaftet.“5

Die Zitronengelbe Tramete galt unter Ökologen als „lebende Tote“. Sie war ein „Zombie“ und kam nur noch in den beiden winzigen Urwaldresten Mittelsteighütte und Watzlik-Hain vor. Dort wartete sie auf ihr endgültiges Aussterben. Sie stellt extrem hohe Ansprüche an die Totholzmengen: 134 – 224 m3/ha.6 Kein Wirtschaftswald weist auch nur entfernt solche Mengen auf. Seitdem der Borkenkäfer in der Kernzone des NLP zwischen Rachel und Lusen überall für Totholzmengen gesorgt hat, wie sie sonst nur in Urwäldern vorkommen, hat sich die Zitronengelbe Tramete in Windeseile über alle belassenen Borkenkäferflächen verbreitet.

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  1. Schlüsselwerte, S. 28 []
  2. Schlüsselwerte, Abb. 111, S. 82 []
  3. Schlüsselwerte, Abb. 113, S. 83 []
  4. Schlüsselwerte, Abb. 115, S. 83 []
  5. Schlüsselwerte, S. 81 und Abb. 107 []
  6. siehe Claus Bässler, Jörg Müller, Importance of natural disturbance for recovery of the rare polypore Antrodiella citrinella Niemelä & Ryvarden, Fungal Biology, 2010 Heft 114, S. 129-133 []