Der BUND und die Windkraftindustrie

Der zerrissene BUND

Transkript der Redebeiträge

Stephan Schlitz (BUND-Mitglied):

„Der BUND ist für mich ein Lobbyverband der Energiewende-Branche, kein Naturschutzverband.“

Enoch zu Guttenberg (BUND-Mitbegründer):

„Der BUND verrät den Artenschutz und verrät den Landschaftsschutz.“

Harry Neuman (ehem. Landesvorsitzender BUND Rheinland-Pfalz):

„Er konzentriert sich fast schon ideologisch einseitig auf den Ausbau sogenannter erneuerbarer Energien.“

Sabine Yacoub (Landesgeschäftsführerin BUND Rheinland-Pfalz):

„Wir sind ein Verband, der die Natur und das Klima schützen will. Und dafür – haben wir erkannt – brauchen wir die Energiewende.“

Enoch zu Guttenberg (BUND-Mitbegründer):

„Wir industrialisiern jetzt unsern letzten Naturraum. Den industrialisieren wir. Und dagegen haben wir ja alle einzeln gekämpft, haben auch unsere Köpfe dafür hingehalten. Landschaftsschutzgebiete, Naturschutzgebiete, Naturparks gehen jetzt – teilweise eben mit freundlichen Grüßen des BUND – vor die Hunde.“

Stephan Schlitz (BUND-Mitglied):

„Der BUND ist für mich kein engagierter Naturschutz-Verband mehr. In seiner Satzung steht, dass er sich für den Artenschutz, für Naturschutz, für den Landschaftsschutz einsetzt. Und das tut er nicht. Offensichtlich hat er andere Interessen und ist jetzt total unterwandert von den Erzeugern von erneuerbaren Energien, die jetzt mittlerweile dort den Ton angeben.“

„Wir haben es geschafft, dass auch hier, gerade in dieser Landschaft, die so abwechslungsreich ist, da eben noch alles da ist, hier gibt es Füchse und Hasen und Fledermäuse und Rot-Milane und andere seltene Tiere, die hier in dieser Landschaft überleben und das macht man kaputt.“

Harry Neuman (ehem. Landesvorsitzender BUND Rheinland-Pfalz):

„Wir waren uns damals überwiegend, mit großer Mehrheit im Landesvorstand einig, bei dieser Datenlage dürfen wir es einfach nicht zulassen, dass hier Anlagen gebaut werden und in Betrieb genommen werden, zu denen keine Umweltverträglichkeitsprüfung stattgefunden hat. Das ist ja die ureigenste Aufgabe eines Naturschutzverbandes, dafür zu sorgen.“

„Riesentotems eines Kults der unbegrenzten Energie“

Manfred Knake (Wattenrat)

„Das Problem ist die Nähe zum Nationalpark und zum EU-Vogelschutzgebiet Wattenmeer. Hier brüten und rasten sehr viele Vögel der nördlichen Halbkugel. Die Zugwege kommen von Rußland über Skandinavien hier durch. Abertausende von Tieren, die hier durchziehen. Und die werden mit diesen Hindernissen einfach kollidieren bei schlechter Sicht und es wird hier zu enormen Vogelverlusten kommen.“

Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler (Landesgeschäftsführer BUND Niedersachsen):

„Wir haben mit der Festlegung, dass während der Massenvogelzugereignisse die Anlagen stillgelegt werden, das Kollisionsrisiko deutlich vermindert. Ich will nicht sagen, dass es völlig weg wäre. Bei keiner Windkraftanlage gibt es das Null-Risiko Vogelschlag. Und wir als BUND stehen in einem sehr starken inneren Konflikt: Wie kriegen wir den Klimawandel in den Griff, ohne den Naturschutz unter die Räder kommen zu lassen. Das ist ein … ein Konflikt, der ist nahezu unauflösbar“

„Fetische des Wachstumsglaubens“

Enoch zu Guttenberg (BUND-Mitbegründer):

„Öko-Strom Naturstrom1 zu nennen, der nur zu haben ist, indem man Natur zerstört, Tiere umbringt und Landschfaften vernichtet und Horizonte vernichtet, das ist eine contradictio in se, eine Lebenslüge von denen.“

Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler (Landesgeschäftsführer BUND Niedersachsen):

„Die Lebensräume für viele Tierarten, aber auch viele Pflanzenarten sind stark eingegrenzt worden oder auch verloren. Und was wir schaffen müssen, ist, solche Lebensräume wiederherzustellen, Angebote für die Tierwelt zu machen: Hier seid ihr willkommen!“

Enoch zu Guttenberg (BUND-Mitbegründer):

„Dann haben die ihr Feigenblatt. Und dieses Feigenblatt heißt: Wir haben aber etwas für die Gelbbauchkröte getan oder für die Libelle xy oder für die Blume z oder irgendwas. Das ist einfach … das hat mit Naturschutz nichts zu tun.“

Harry Neuman (ehem. Landesvorsitzender BUND Rheinland-Pfalz):

„Das war ein sensationelles Urteil, weil hier ein Naturschutzverband endlich einmal die Möglichkeit gehabt hätte, steuernd auf den Wildwuchs beim Ausbau der Windindustrie Einfluss zu nehmen.“

Enoch zu Guttenberg (BUND-Mitbegründer):

„Wie verquickt die sind! Ich weiß allein 20 Personen vom BUND, führende Persönlichkeiten in den jeweiligen Bundesländern, die gleichzeitig in der Windlobby angestellt sind und für die arbeiten. Also, Entschuldigung! Was ist denn das?“

Den Windpark plant die Firma G.A.I.A. Deren Geschäftsführer Torsten Zielasko ist einfaches BUND-Mitglied. In einer Mail an den BUND-Landesvorsitzende Harry Neumann beschwert sich Zielasko:

„Der BUND […] klagt gegen unsere Windenergieanlagen in Fürfeld […] fordert einen Baustopp. […] Ich nehme die ganze Sache persönlich, weil ich selber über 10 Jahre Mitglied beim BUND […] bin. Wer beim BUND hat das veranlasst? […]
Mit ‚BUNDigen‘ Grüßen
Torsten Szielasko“

Schriftliche Mitteilung von Torsten Szielasko:

„Ich bat Herrn Neumann dann von der Klage abzusehen, da ich langjähriges Mitglied des BUND bin und der Standort Fürfeld über mehrere Jahre leitfadenkonform untersucht worden sei.“

Harry Neuman (ehem. Landesvorsitzender BUND Rheinland-Pfalz):

„Es wurden keine Fledermäuse untersucht. Wir haben es mit einem bedeutenden Vogelzugkorridor zu tun. Hier wurden keine Rotmilane untersucht.“

Auch in Fürfeld wurde der Rotmilan gesichtet. Die Windkraft-Befürworter im BUND wollen das offenbar verheimlichen.

Harry Neuman (ehem. Landesvorsitzender BUND Rheinland-Pfalz):

„Das ist wirklich ein skandalöser Vorgang, weil der Rotmilan einer der Windenergie-sensibelsten Arten ist, die wir in ganz Europa haben.“

Dieser Mann versucht die Hindernisse für den Windpark aus dem Weg zu räumen: Matthias Boller, auch im Landesvorstand des BUND und Funktionär beim Bundesverband Windenergie. Seine Einflussversuche gehen der BUND-Justitiarin zu weit. Sie ermahnt Boller in einer Mail:

„Ich werde nicht mitmachen, dass wir bekannte Sachverhalte verschweigen oder verschleiern. Matthias, Dein Engagement für die Windenergie in allen Ehren, aber wir haben gleichfalls einen naturschutzrechlichen Auftrag. Ich lehne jegliche Unterdrückung von bekannten Tatsachen und Verschleierung ab.“

Harry Neuman (ehem. Landesvorsitzender BUND Rheinland-Pfalz):

„Die Windenergie sitzt im BUND Rheinland-Pfalz direkt im Landesvorstand. Das ist ein bemerkenswerter Vorgang, wie ich finde. Denn hier sind natürlich die Konflikte vorprogrammiert. Und hier ist natürlich die Gefahr groß, dass hier Lobbyarbeit der Windindustrie in einem Naturschutzverband betrieben wird.“

Sabine Yacoub (Landesgeschäftsführerin BUND Rheinland-Pfalz):

„Ja, er [= Matthias Boller] ist im Bundesverband Windenergie, was im übrigen ein Verband ist, den der BUND mit begründet hat, den wir auch nicht als reinen Windkraft-Lobbyverband verstehen, sondern als einen Verband, der eben die Energiewende voranbringen will.“

Die Energiewende. Dafür hat der BUND wohl auch auf weitere Klagen gegen den Windpark Fürfeld verzichtet. Für die Energiewende kämpft natürlich auch der Bundesverband Windenergie – nicht ganz uneigennützig, immerhin ein Branchenverband. […]

Sprecher zu Hermann Albers:

„Was dort passiert ist in Fürfeld, das handelt Ihrem Verband den Vorwurf ein, Sie hätten den BUND unterwandert und würden dort massiv Einfluss nehmen.“

Hermann Albers (Bundesverband Windenergie und BUND-Mitglied):

„Ja. Mmmh. Ja, also meine Linie ist da ganz klar: Wir führen eine Reihe von Gesprächen mit dem BUND. In der Regel in meiner Funktion in der Spitze des Verbandes. Wir sind froh darüber, dass es im Grundsatz ein Bekenntnis des BUND dazu gibt, dass man die erneuerbaren Energien ausbauen will.“

Sprecher:

„Das heißt, der BUND steht faktisch auf Ihrer Seite“

Hermann Albers (Bundesverband Windenergie und BUND-Mitglied):

„Der BUND steht faktisch auf Ihrer Seite und erkennt an, dass Windkraft ein Beitrag zum Klimaschutz und Umweltschutz ist. Und insofern: an dieser Stelle sind wir uns einig.“

Enoch zu Guttenberg (BUND-Mitbegründer):

„Deswegen bin ich aus dem BUND ausgetreten. Die müssen sich hinstellen und sagen: Wir zerstören damit Natur, die wir eigentlich schützen müssen. Wenn sie das täten, dann würde ich wieder Hochachtung haben. So kann man denen eigentlich die Hand nicht mehr geben.“

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  1. Der BUND empfiehlt Strom der Naturstrom AG. []