Der BUND und die Windkraftindustrie

Der BUND und die Windkraftindustrie

Nach 13 Minuten formuliert die Dokumentation eine vorläufige Bilanz:

„Ohne Rücksicht auf Menschen und Natur. So läuft das in vielen Regionen. Windräder dicht an den Häusern, Windkraftanlagen sogar mitten in Wäldern und Naturparks.“

Und dann stellt er die Frage:

Was ist mit den Umweltschützern? Die müssten diesen Wildwuchs doch kritisch sehen!

Dann folgt ein Krimi.

Transkript der Dokumentation ab Minute 13:24

Wir treffen den ehemaligen Landesvorsitzenden des BUND von Rheinland-Pfalz, Harry Neumann. Inzwischen ist er ausgetreten. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen einstigen Verband:

„Der BUND hat ganz einfach seine Wurzeln verraten. Die Wurzeln sind originärer Naturschutz, Landschaftsschutz, Artenschutz, Menschenschutz. Alles das verfolgt er nicht mehr im ausreichenden Maße. Er ist nicht mehr unabhängig. Er ist verbandelt, verquickt, vernetzt mit der Windindustrie, mit Lobbyisten.“

Der BUND als Gehilfe der Windindustrie? Wie kommt er zu dieser Einschätzung? Es geht um diese Windräder in Fürfeld bei Bad Kreuznach. […] Harry Neumann klagte gegen die Windräder und er erwirkte vor Gericht sogar einen vorläufigen Baustop. Doch dann bekam er Gegenwind, sagt er. Man habe ihn gedrängt die Klage nicht weiter zu verfolgen.

„Da gab es einen ganz massiven Druck und zwar ganz besonders aus dem BUND selber heraus, v. a. aus dem damaligen Landesvorstand. Das war wahnsinnig massiv.“

Uns liegen interne Mails vor, der Tenor: Man solle den Windrädern keine Steine in den Weg legen, u. a. den geschützten Rot-Milan nicht thematisieren. Matthias Boller war damals im Vorstand des BUND und zugleich im Regionalvorstand des Windlobby-Verbands. Die Justitiarin des BUND sah eine zu große Einflussnahme durch ihn:

„Matthias, dein Engagement für die Windenergie in allen Ehren, aber wir haben gleichfalls einen naturschutzrechtlichen Auftrag. Ich lehne jegliche Unterdrückung von bekannten Tatsachen und Verschleierung ab.“

Auch er schaltete sich ein: Erwin Manz, BUND-Mitglied und Büro-Leiter der damaligen grünen Landesumweltministerin. Er schrieb:

„Bitte überdenkt Eure Haltung. Allerdings eilt es sehr.“

Beide wollen sich dazu heute nicht äußern. Der BUND verfolgte die Klage nicht weiter. Die Windräder müssen wegen der Vögel und Fledermäuse zwar zeitweise abgeschaltet werden, sie wurden aber gebaut. Gab es einen Deal? Der BUND bestreitet jede Einflussnahme. Holger Schindler, Landesvorsitzender BUND Rheinland-Pfalz:

„Wir haben sehr viele Mitglieder – auch die im Bereich Windenergie tätig sind. Das ist so, damit leben wir. Wir haben die Verbesserung erwirkt, die wir uns gewünscht haben. Diese sind vollumfänglich umgesetzt worden für Natur- und Artenschutz. Und daraufhin haben wir entschieden, dass die Anlagen mit diesen Verbesserungen vertretbar sind.“

Harry Neuman:

„Der BUND hat meines Erachtens überhaupt nichts erreicht bis auf einige kosmetische Dinge. In einem Gebiet, in dem Rot-Milane vorkommen, gehören grundlegend keine Windindustrie-Anlagen hin. Das hätte der BUND durchsetzen müssen vor Gericht. Nicht anderes!“

[…] Harry Neumann trat nicht nur als Landesvorsitzender zurück, sondern hat den BUND ganz verlassen. Er hat eine neue Naturschutz-Initiative gegründet, die unabhängig und kritisch sein will gegenüber der Windkraft.

„Elendsbild eines besetzten, seiner selbst beraubten Landes“

Dieser Fall sei nur einer von vielen, sagt Enoch zu Guttenberg. Er hat den BUND in den 70er Jahren mitgegründet. Doch inzwischen ist auch er ausgetreten – wegen der Nähe zur Windkraftindustrie, sagt er. Es gäbe zahlreiche personelle Verflechtungen zwischen BUND und Windkraftlobby. Er legt uns exklusiv eine Liste mit 80 Fällen vor – darunter z. B. BUND-Kreisvorstände, die für Wind-Unternehmen arbeiten oder im Lobby-Verband aktiv sind.

„Diese Verflechtungen sind deswegen so unanständig und v. a. deswegen so problematisch, weil früher hat man von dem BUND gedacht, er sei der Anwalt der Natur. Und jetzt verkaufen die sich öffentlich so, dass man sofort den Eindruck hat, sie sind der Anwalt der Windindustrie. Und das ist natürlich für die Natur eine Katastrophe.“

Harte Vorwürfe! Was sagt der Bundesvorsitzende des BUND dazu? […] Im Interview bestreitet er jegliche Verflechtungen mit der Wind-Lobby. Es gäbe keine Einflussnahme.

„Der BUND ist ein unabhängiger Anwalt der Natur. Wir haben weder finanzielle noch personelle Abhängigkeiten von der Windkraftindustrie, von auch Windkraftverband. Von daher sind wir in der Sache uns einig, dass wir einen Ausbau von Windenergie machen und brauchen. Es ist letztendlich eine gleich Zielsetzung, aber wir sind unabhängig in unseren Positionen, in unseren Stellungnahmen.“

So also sehen unabhängige Stellungnahmen aus? In einem gemeinsamen Appell rufen BUND und Industrielobby Seit an Seit zum Ausbau der Windkraft auf und in der Satzung des Bundesverbandes WindEnergie steht:“Sollte es den Lobbyverband eines Tages nicht mehr geben, fließt sein gesamtes Vermögen an den BUND.“

„Von Unabhängigkeit kann man da weiß Gott nicht mehr sprechen! Also ein Naturschutzverband in dem Sinne, wie wir ihn mal gegründet haben, ist das nicht mehr. Verflochtener und verquickter als der BUND mit der Windindustrie ist, kann man nicht sein.“

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