Massentourismus am Brocken

Mein Weg zum Brocken

An Samstag, den 17. Januar 2015, bin ich über das Eckerloch zum Brocken aufgestiegen. Es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte meine Wanderung gleich zu Beginn abgebrochen: In Schierke gibt es keine öffentlichen und kostenfreien Parkplätze. Am Ende ergatterte ich einen der letzten Plätze auf dem Parkplatz hinter der Jugendherberge und bezahlte widerwillig 5 € dafür. Im neu gebauten Parkhaus „Am Wintertor“ mit Platz für 715 Autos, das den Steuerzahler 13 Millionen € gekostet hat, hätte ich sogar 8 € berappt.1

Gleich zu Beginn geriet ich in eine Gruppe von jungen Holländern, die sich nicht abschütteln ließen. Sie marschierten mit großen Gejohle durch den Wald und vergnügten sich mit allerlei Schabernack. So spielten sie hinter Bäumen abseits des Wegs Verstecken und fotografierten sich dabei mit ihrem Smartphone. Ich bin mir sicher, sie waren „sehr zufrieden“ mit dem Weg. Nur ich war einem Nervenzusammenbruch nahe.

Es gibt insgesamt nur vier Möglichkeiten, den Brocken zu besteigen:

  1. den Goetheweg
  2. den Heinrich-Heine-Weg
  3. die Brockenstraße und
  4. den Eckerlochstieg

Die Holländer wählten die Brockenstraße, ich bog auf den Eckerlochstieg ab.2 Ungestört war ich auch hier nicht. Nirgendwo war ich allein mit dem Brocken-Urwald. Ständig waren Wandergruppen dicht vor oder hinter mir. Wie Ameisen auf einer Ameisenstraße wanderten sie den Stieg hinauf und hinunter. Schon das Fotografieren fiel schwer: Ich stand ständig im Weg. Wanderer wollten mich überholen oder drängelten sich von oben kommend an mir vorbei. Alle paar Minuten tutete die Brockenbahn.

Gedränge auf dem Eckerlochstieg

Viele Wanderer zeigten sehr spezielle Verhaltensweisen: Jugendliche veranstalteten mit viel Getöse eine Schneeballschlacht. Kinder versuchen mitten durch den Brocken-Urwald Schlitten zu fahren. Eine Gruppe von Mitdreißigern, von ihren Frauen und allen guten Geistern verlassen, prostete sich lautstark mit Schierker Feuerstein zu. Wie überhaupt der Eindruck entstand, dass viele Wanderer alkoholisiert den Brocken erklimmen. Ein Ranger, der das Wege-Gebot kontrollierte, war weit und breit nicht zu sehen.

Besucher auf der Brockenstraße

Die Brockenstraße war so voller Leute, als ginge es nicht zum Gipfel sondern zu einem Bundesliga-Fußballspiel. Mit Tatütata und Blaulicht überholte ein Notarztwagen.

Später startete mit ohrenbetäubendem Krach ein Rettungshubschrauber vom Brocken.

Surrealer Höhepunkt war ein Besuch im Touristensaal des Brockenhotels. Arndt Noack schreibt dazu:

„Dort gibt es einen „Touristensaal“, der die anheimelnde Schönheit einer Bahnhofshalle hat, und auch deren Größe. Ausgelegt, um komplette mongolische Heerscharen am Stück bewirten zu können.“3

Touristensaal im Brockenhotel

Nach oben
Zurück zur Einleitung
Nächste Seite: Verbot der Brockenbahn

  1. siehe Alle öffentlichen Parkplätze verschwinden, Mitteldeutsche Zeitung vom 24.10.2014 []
  2. siehe Wanderflyer Eckerloch []
  3. Harzreise []