Naturverjüngung auf Kahlschlägen

“All das treibt Forstleute nun schon seit Jahren um.”
Carolin Föste

Naturverjüngung auf forstpraxis.de

Vielleicht halten Sie die Artikel aus dem Kosmos Wald- und Forstlexikon für einseitig oder voreingenommen. Vielleicht halten Sie eine Internetplattform wie forstpraxis.de für vertrauenswürdiger. Dort erschien im September 2023 ein Artikel der Redakteurin und studierten Forstwissenschaftlerin Carolin Föste: Nach Borkenkäfer und Dürre: Wie werden kahle Flächen wieder Wald?

Föste listet 6 Vorteile der Naturverjüngung auf, die “nicht unbedeutend” sind:

  1. Geringe Kosten
  2. Die Natur darf sich aus ihren eigenen Ressourcen heraus entwickeln
  3. Bäume wachsen zu unterschiedlichen Zeiten an und es entsteht eine vielfältige Struktur
  4. Genetische, oft sehr gute Anpassung der Bäume an den Standort
  5. Natürlichere Entwicklung von Wurzeln
  6. Keine Aufzucht und kein Transport von Forstpflanzen

Interessant ist, wie Föste die künstliche Wiederaufforstung beschreibt. Sie meidet diesen Fachbegriff und spricht lieber von Pflanzung.

“Bei der Pflanzung können Forstleute gezielt bestimmen, welche Baumarten in welchem Mischungsverhältnis an welchem Standort eingebracht werden.”

Nun, das ist logisch. Aber ist das sinnvoll?

“Rund 35 heimische Baumarten stehen für die Wiederbewaldung per Pflanzung oder Saat zur Verfügung. Und sie können durch nichtheimische Baumarten wie Douglasie, Roteiche, Robinie, Küsten-Tanne und weitere ergänzt werden.”

Und wer soll die Entscheidung treffen? Der Förster?

“Dazu werden Empfehlungen auf Grundlage der Forschung berücksichtigt. Standortverhältnisse wie Bodeneigenschaften und Klimabedingungen, wozu beispielsweise die Mengen an Licht und Niederschlägen gehören, werden dafür analysiert.”

Als die Fichte im Sauerland gepflanzt wurde, wurden sicherlich auch “Empfehlungen auf Grundlage der Forschung berücksichtigt”. Und “Bodeneigenschaften und Klimabedingungen”, “Licht und Niederschläge” wurden damals auch analysiert. Bestimmt sprach alles für die Fichte. Damals.
 
Föste nennt 4 “Vorteile der Pflanzung neuer Wälder”:

  1. Mehr Wissen über den Wald, der entsteht und damit einhergehende Planungssicherheit
  2. Klimaprognosen können in die Baumartenwahl mit einfließen
  3. Gewünschte Baumarten mit passender Genetik können von Beginn an in neuem Wald etabliert werden
  4. Die Kahlfläche wird wahrscheinlich schneller wieder zu Wald

zu 1: Bei der Naturverjüngung hat der Förster genausoviel “Wissen über den Wald, der entsteht”. Er muss nur durch den Bestand gehen und hingucken, was da wächst. “Planungssicherheit” gibt es auch bei Pflanzung nicht: ein heißer trockener Sommer und ein frostiger Winter reicht auch und ein gerade wieder aufgeforsteter Bestand ist völlig ruiniert.

zu 2: “Klimaprognosen” sind notorisch zuverlässig. Niemand kann vorhersagen, wie das Klima in 10 oder gar 50 Jahren sein wird. Hat irgendjemand die Dürre 2018 ff. vorhergesehen. Wenn ja, warum hat man mit der Umwandlung in sog. “klimastabile Mischwälder” nicht viel früher angefangen?

zu 3: Es liest sich fast so, als würde Föste an den Wunderbaum glauben. Für jeden Boden, für jeden Standort, für jedes Klima den genetisch passenden Baum. Es liest sich fast so, als würde Föste der Natur das nicht zutrauen.

“Bei der Wiederbewaldung stellt sich schnell die Frage, wie die Natur das alleine schafft oder gepflanzt werden sollte.”

Vielleicht ist es eine Berufskrankheit von Forstwissenschaftlern: Nicht nur, dass sie glauben, dass die Natur es nicht alleine schafft. Sie glauben, es besser zu können.

zu 4: Das nun ist definitv Unsinn. Föste weiß das und fügt vorsorglich “wahrscheinlich” hinzu.

Der Wald muss betreut und gepflegt werden, damit seine Chancen, gesund aufzuwachsen, steigen.

Nein, muss er nicht.

“Ein Zaun beispielsweise oder Wuchshüllen an jungen Bäumen können Jungbäume vor dem Verbiss durch Wild schützen.”

Wenn man Jungbäume schützen muss, dann sind die Wilddichten zu hoch. Böse Zungen behaupten dann, der Förster habe vor der Jagdlobby kapituliert.

Wildschutzzaun und Wuchshülle des Stadtforstamts Warstein am Lörmecketurm

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