Wie Journalisten den Hambacher Forst erschaffen haben

Wie Journalist Weidermann aus dem SPIEGEL ein antikapitalistisches Magazin machte

Wohlgemerkt: Es ist der SPIEGEL, in dem das steht. Der SPIEGEL ist eines der führenden neoliberalen Leitmedien in Deutschland.1 Er steht ansonsten immer auf Seiten des Pragmatismus, der Wirtschaftslogik, der Industrie und der Schaufelradbagger. Und würde der Wald in ein Industriegebiet, eine Flughafenlandebahn oder eine Autobahn verwandelt, der SPIEGEL würde es nie kritisieren.

Und im Zentrum des Artikels steht der Monolog der Frau:

„Sie erzählt von ihrer gelebten Utopie da oben, dass es den Menschen ’scheißegal‘ sei, wie man heiße, wie alt man sei, ‚was für einen Schulabschluss man hat‘. Dass sich dort oben alle respektierten, dass Geld dort egal sei, ‚weil wir das Geld nicht brauchen‘. […] Und dass sie dort gelernt habe, alles zu vergessen, was ihr die Gesellschaft all die Jahre zuvor ‚eingetrichtert‘ habe. ‚Mit anderen zu konkurrieren, sich zu vergleichen. Wie wir aussehen. Diese ganze Scheiße musste ich wieder verlernen. Die haben mich als Wesen akzeptiert.'“

Hambacher Forst Protest (17939108078)

Die Ideale dieser Frau stehen in diametralem Gegensatz zu den Idealen, für die der SPIEGEL steht und die er seinen Lesern „eintrichtert“:

„In unzähligen Titelstorys mit schlagkräftigen Überschriften […] trommelte der SPIEGEL [..] für neoliberale Reformen und gab damit die Blaupause für die Agenda 2010 vor.“2

Der SPIEGEL respektiert nicht alle. Dem SPIEGEL sind Schulabschluss, Aussehen und Geld nicht egal. Der SPIEGEL findet Konkurrenz und gegenseitige Vergleiche gut. Die Utopie des SPIEGELS ist die Schwarze Null. Kurz: Der SPIEGEL trichtert seinen Leser genau die „ganze Scheiße“ ein, die die Frau erst wieder verlernen musste. Dass der SPIEGEL sich auf die Seite der Frau stellt, ist der Gipfel an Heuchelei und Verlogenheit.

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  1. siehe z. B. Bye, bye SPIEGEL! von Jens Berger []
  2. Bye, bye SPIEGEL! von Jens Berger []