Vor- und Nachgeschichte des Kahlschlags am Wurmberg 2019

HK am 17.8.2020 – 170.000 Bäume gefällt

Im Juli hieß es: Mehr als 100.000 Bäume werden gefällt. Nun, einen Monat später, sind es tatsächlich mehr: Jetzt ist die Rede von 170.000. So steht es am 17.8.2020 im HK: Rund um Braunlage sind bereits mehr Bäume gefällt als geplant.

Förster Laubner bittet die „Wanderer und Spaziergänger“ in Braunlage um Verständnis: bis Ende Oktober müssen Wege gesperrt werden. Denn immer noch gilt:

„Wir entdecken derzeit leider täglich 80 bis 100 neue Bäume, in denen sich der Borkenkäfer eingenistet hat.“

Am Ende werden es dann im Revier Braunlage vermutlich 100.000, im Revier Kapellenfleck 70.000 Fichten sein.

„Weil das meiste geschafft sei, seien es jetzt nur noch fünf [Harvester] im Revier Braunlage und einer im Revier Kapellenfleck.“

Förster Laubner gibt auch den Grund an, warum es im zweiten Revier weniger Bäume sind:

„[D]as Revier liegt ja in weiten Teilen nicht so dicht am Nationalpark.“

Der Leser, der die vergangenen Artikel aufmerksam gelesen hat, weiß: Die Käfer kommen aus dem NLP herübergeflogen. Damit man die aktuellen Zahlen richtig einordnen kann, gibt Laubner eine Zahl aus der Vergangenheit an:

„Normalerweise werden im Bereich des gesamten niedersächsischen Forstamts Lauterberg mit seinen zehn Revieren insgesamt 80.000 Bäume im Jahr gefällt.“

Früher sprachen Förster gerne vom wertvollen Rohstoff Holz, der für den heimischen Gebrauch produziert wird. Aber Laubner macht keinen Hehl daraus, wohin das viele Holz geht:

„Diese Stämme verladen wir derzeit in Container.“

Und dann?

„Das meiste Holz geht dabei nach China, weil der Holzmarkt in Europa wegen des Borkenkäfers völlig zusammengebrochen sei.“

Dieser völlige Zusammenbruch hat schwerwiegende Folgen für das Forstamt:

„Laut Stefan Fenner […] koste es durchschnittlich etwa 20 Euro pro Baum ihn zu pflanzen, wachsen und dann später fällen zu lassen. Mittlerweile würde das Forstamt aber nur noch 5 Euro durchschnittlich pro Baum bekommen.“

Macht 15€ Verlust. Pro Fichte. Bei 170.000 Fichten sind das 2,5 Mio. € Verlust. Fenner ist illusionslos:

„’Das Geld, das wir in den vergangenen Jahren erwirtschaftet haben, schwindet derzeit also dramatisch‘, erklärt er.“

Eine private Firma, die so wirtschaften würde, stünde kurz vor dem Bankrott. Ein Zyniker würde vielleicht sagen: Die Niedersächsischen Landesforsten haben Glück: In Corona-Zeiten sind Bankrotte die Neue Normalität.

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