Wie beurteilt man den Erhaltungszustand eines FFH-Gebiets?

Beurteilung des Erhaltungszustandes des Biotoptyps BT-4407-0083-1999

Warum die Planungsgruppe Recklinghausen am 15.9.1999 (Angaben am Ende der Gebietsinformationen) auf die Idee kam, in dem Biotoptyp mit der Kennziffer 4407-0083 würde ein „Stieleichenwald oder Hainbuchenwald“ wachsen, entzieht sich meiner Kenntnis. Dort wächst nämlich ein Hainsimsen-Buchenwald – genauso wie im südlich des Forstwegs gelegenen und direkt benachbarten BT-4407-0084-1999. Der Buchenwald wurde durch Schirmschlag gründlich ruiniert. Auch im Frühjahr 2014 wurden wieder mehrere Altbuchen gefällt und zu Brennholz verarbeitet:

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Ich habe 6 gefällte Altbuchen gezählt: 160 Jahre alt und am Stammfuß mit einem Durchmesser von über 1,2 m:

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Der BHD dieser Buchenmethusalems beträgt über 1 m!

 

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Spätestens, wenn man den Erhaltungszustand dieses Biotoptyps mit der oben gezeigten Tabelle ermittelt, begreift man, dass die Beurteilungskriterien an entscheidenden Stellen von Förstern verwässert worden sind. Solange nämlich der Deckungsgrad des starken Baumholzes noch über 20 % liegt, ist der Erhaltungszustand immer noch „gut„. Erst wenn noch mehr Überhälter geräumt werden, verschlechtert sich der Zustand auf „mittel bis schlecht“.

Förster müssen eine Verschlechterung durch Schirmschlag nur befürchten, wenn sie einen zuvor geschlossenen Altbestand auflichten. Dieser hat 100 % Deckung mit starkem Baumholz. Wenn sie dann über 60 % der Altbuchen räumen, verschlechtern sie den Erhaltungszustand von „A“ nach „B“. Lichtet man dagegen einen Bestand auf, der bereits die Note „B“ hatte, kann ein gewitzter Förster alle Felder so manipulieren, dass am Ende immer wieder die Beurteilung „B“ herauskommt:

  1. Man läßt immer etwas mehr als 20 % der Altbäume als Überhälter und 1 Totholzbaum pro ha stehen. So hat man schon 2 „B“s beim Kriterium „Strukturen“. Dann kann man sich sogar leisten, keinen einzigen Altbaum mit einem BHD > 80 cm stehen zu lassen, was zu einem „C“ im Feld 2 „Altbäume“ führen würde.
  2. Beim Kriterium „Arteninventar“ ist sogar ein „A“ möglich: Denn beim Schirmschlag fehlt die 2. Baumschicht und in der Strauchschicht dominieren die jungen Buchen.
  3. Dass man beim dritten Kriterium „Beeinträchtigungen“ ein „C“ bekommt, weil das starke Baumholz weniger als 30 % Deckung aufweist, spielt keine Rolle: BBC oder BAC gibt die Endbeurteilung „B„.

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Das Geschriebene gilt auch für den von mir gewählten Biotoptyp 4407-0083-1999: Hier gibt es sogar mehr als 6 Altbäume-LR-typischer Baumarten pro ha (Feld 2: „A„) und mehr als 3 groß dimensionierte Totholzbäume (Feld 3: „A„). Förster Adamiak braucht nur 4 Totholzstämme liegen lassen von 2 m Länge und einem Durchmesser von 50 cm. Aus den 3 Teilergebnissen BAA ermittelt man für das Kriterium „Strukturen“ tatsächlich ein „A„. Man reibt sich verwundert die Augen: Die Struktur dieser Ruine eines ehemaligen Buchenwalds befindet sich laut offiziellen Kriterien in einem „hervorragenden“ Erhaltungszustand!

Auch für den Erhaltungszustand des Arteninventars gibt es ein „A„. Nur das dritte Kriterium „Beeinträchtigungen“ führt zur Abwertung und zwar wegen des 2. und 4. Feldes: Das starke Baumholz macht weniger als 30 % der Struktur aus. Außerdem bedeckt der Störanzeiger Brombeere nahezu die gesamte Fläche. Hier lautet die Teilnote also nur „C„.

 

AAC führt zur Endnote „B„. Denn: „Bei Vorhandensein einer „C“-Einstufung ist keine Bewertung mit „A“ mehr möglich (d.h. C/A/A ergibt „B“)“ (Anleitung zur Bewertung des Erhaltungszustandes von FFH-Lebensraumtypen, S. 8).

Jörg Wipf hat zynischerweise Recht: Das Fällen von Altbuchen führt, wenn man es geschickt anstellt, nicht zu einer Verschlechterung des Erhaltungszustands.

 

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