FSC erlaubt Kahlschläge im Nationalpark Eifel

Kritische Analyse der Beschwerde

 

Beim FSC liegen die Nerven blank

Riestenpatt beschwert sich über nur 30 – in Worten: dreißig – Sekunden im Fernsehbeitrag. Mit vier eng beschriebenen Seiten, in denen eine Richtigstellung auf die nächste folgt. Insgesamt sind es acht Richtigstellungen. Ähnliches kennen Sie vielleicht aus Ehestreitigkeiten: Sie sagen ein falsches Wort und Ihr Partner geht hoch. Alexa Höber hat beim FSC einen ganz wunden Punkt getroffen.

FSC ist kein Ökosiegel

Man reibt sich verwundert die Augen, liest es einmal, zweimal – doch, Riestenpatt schreibt es tatsächlich: „Im Beitrag wird immer wieder behauptet. FSC sei das „Öko-Siegel“ für Holz. Dies ist eine bewusste Falschdarstellung des Selbstverständnisses von FSC.“ (Hervorhebung von mir) Danke für diese Klarstellung!

Harvester sind unstrittige forstliche Praxis

O-Ton Riestenpatt: „Das Befahren des Waldes … mit dem Harvester, wird als verwerfliche Praxis und besonders rücksichtslose Zerstörung des Waldes dargestellt. Damit fördern Sie ein romantisiertes, falsches Bild von moderner Forstwirtschaft, welches nicht der in Deutschland unstrittigen forstlichen Praxis entspricht“ (Hervorhebungen von mir). Diese Aussage mag für die „moderne“ Forstwirtschaft gelten, so wie sie z. B. von den Bayerischen Staatsforsten oder Wald-und-Holz-NRW betrieben wird. Der Grund aber ist nicht die Sorge um die Naturverjüngung oder die Gesundheit der Waldarbeiter. Die hat man in den letzten Jahren zu Tausenden entlassen. Eben weil man ihre teure Arbeitskraft durch billige Maschinen ersetzt hat. Bei den großen Umweltverbänden sind Harvester übrigens ungefähr so „unstrittig“ wie die Atompolitik der 70er Jahre (siehe z. B. die BUND-Kreisgruppe in Helmstedt Waldbautechnik heute – Fluch oder Segen).

Feuchtes Bachtal

Wenn Herr Wohlleben eines der Redakteurin Frau Höber nicht hätte erklären können, dann, dass auf dem Kahlschlag natürlicherweise „Birken, Weiden und Erlen“ wachsen würden. „Feucht“ ist das „Bachtal“ nämlich nur auf wenigen Hundert der kahlgeschlagenen 83.000 m2. Das ist einer der Hauptkritikpunkte Wohllebens am Großkahlschlag. Riestenpatt hat mit Wohlleben telefoniert und benutzt nun seine Aussagen so, wie es ihm gerade in den Kram passt. Wohlleben ist z. B. ein engagierter Kritiker von Harvestern und setzt Rückepferde in seinem Betrieb in Hümmel ein (vergleiche Peter Wohlleben zum Kahlschlag).

Angeblich falsche Zitate

Der Begleittext des Fernsehbeitrags lautet: „Die Ironie: Das Kahlschlagholz bekam übrigens das FSC-Label für nachhaltige Waldwirtschaft. Die Entfichtung diene einer Annäherung an ein natürliches Waldökosystem, schreibt uns der FSC.“ Was ist daran falsch zitiert? Nirgendwo wird behauptet, dass „der FSC die gezeigte Maßnahme begrüßt“. Die im Film zitierte Aussage vom FSC ist die offizielle Position des FSC (siehe FSC erlaubt Kahlschläge im Nationalpark Eifel). Was will Riestenpatt eigentlich? Dass er eine fünfminütige Presseerklärung vor laufender Kamera vorlesen darf? Das ARD-Sommerinterview mit dem FSC-Vorsitzenden? Ist dann die Berichterstatttung hinreichend „objektiv“ und „ausgewogen“?

Ausnahmen der FSC-Regelungen

Riestenpatt stellt klar, „dass der FSC-Standard solche Maßnahmen auf Grundlage von gesetzlichen Verordnungen (hier der Nationalparkverordnung) und auch mit dem Ziel einer Aufwertung der Fläche nach naturschutzfachlichen Maßgaben als seltene Ausnahme zulässt“ (Hervorhebungen von mir). Wenn „solche Maßnahmen“ als „Aufwertung der Fläche nach naturschutzfachlichen Maßgaben“ durchgehen, dann stimmt etwas mit den „naturschutzfachlichen Maßgaben“ nicht! Jeder private Waldbesitzer kann dann z. B. im Einklang mit den NRW-Landesforstgesetzen 2 ha Fichtenwald kahlschlagen und mit Eichen oder Buchen aufforsten. Auch das ist dann selbstverständlich eine „naturschutzfachliche Aufwertung“ – schließlich sind Fichtenbestände in NRW immer naturfern, nicht standortgerecht und naturschutzfachlich minderwertig. Und der FSC muss das dann „als seltene Ausnahme“ zulassen. Die Regeln des FSC sind löchrig wie ein Schweizer Käse (siehe zu diesem Thema auch Beschwerde beim FSC über Grün-und-Gruga-Essen).

 

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