Windpark im NLP Bayerischer Wald

„Der BUND wird das verhindern!“

Gut möglich, dass einige Leser jetzt sofort in zynisches Gelächter ausbrechen: Der BUND und Windkraft verhindern? Soll das ein Witz sein? Aber es kann sein, dass andere Leser tatsächlich Ihre letzte Hoffnung auf den BUND setzen würden. Ich teile diese Hoffnung nicht, und das aus zwei Gründen:

  • In der Folge des Orkans Kyrill 2007 wurden im NLP über 2.000 ha Fichtenwälder kahlgeschlagen: der Borkenkäfer sollte bekämpft werden.1siehe Ultraviolence Der BUND veranstaltete keine Großdemonstration dagegen in München. Er baute auch keine Baumhäuser, um die Harvester aufzuhalten. Nein, er schrieb einen Brief.2siehe BUND zur Borkenkäferbekämpfung 1998
  • Enoch zu Guttenberg, Harry Neumann3siehe Harry Neumann kehrt BUND den Rücken und andere hochrangige ehemalige Mitglieder des BUND haben schwere Vorwürfe gegen den BUND erhoben: er stecke mit der Windkraftindustrie unter einer Decke.4siehe Der BUND und die Windkraftindustrie

Windpark Kreuzstein im FFH-Gebiet Werra- und Wehretal

Nimmt man die Kritik von Guttenberg oder Neumann ernst, könnte es sogar dazu kommen, dass der BUND den Windpark im NLP befürwortet und aktiv unterstützt. Der BUND könnte dazu einfach die Geschichte des NLPs ein bisschen umschreiben, und so schwierig wäre das gar nicht.

Bislang galt folgendes als ausgemacht:  Ab Mitte der 1980er Jahre starben nach großen Windwürfen im NLP 6.000 ha alter Fichtenwälder ab. Schuld war der Borkenkäfer.5siehe Das Fichtensterben am Lusen Wichtig: Das Ganze galt als ein natürliches Störungsereignis. Windwürfe sind natürlich, der Borkenkäfer ist natürlich. Deshalb hat man damals – gegen den starken Protest der einheimischen Bevölkerung – die Windwürfe liegen lassen und nichts gegen den Borkenkäfer unternommen. Es galt das Motto von NLP-Chef Bibelriether: „Natur Natur sein lassen!“

Was, wenn der Klimawandel schuld gewesen ist? Was, wenn das Ganze kein natürliches Störungsereignis, sondern ein unnatürliches, weil menschengemachtes Störungsereignis gewesen wäre? Was wäre, wenn die vielen Stürme, die die Fichten umwarfen und die Vermehrung des Borkenkäfers auslösten, eine Folge des Klimawandels waren?  Was, wenn die vielen trockenen und warmen Sommer und die schneearmen Winter, die die Massenvermehrung des Borkenkäfers begünstigten,6siehe Die erste Massenvermehrung des Borkenkäfers (1986 – 1991) und Die zweite Massenvermehrung des Borkenkäfers (1992 – 2001)eine Folge des Klimawandels waren?

Wenn der Klimawandel schuld ist am Fichtensterben, wie könnte der NLP dann gegen Windräder sein? Wäre die Aufstellung der Windräder nicht sogar die Pflicht des NLPs, um seine Fichtenwälder vor dem Klimawandel zu schützen? Wie die offizielle Stellungnahme des NLPs dann lauten könnte, macht die hessische Umweltministerin Priska Hinz von den GRÜNEN jetzt schon einmal vor:

„Wir werden die Wälder nicht erhalten, wenn wir nicht auf Erneuerbare und damit auf Klimaschutz setzen. Wir werden nämlich sonst in 30 Jahren die Wälder so nicht mehr haben, wie wir sie kennen, und in 50 und 100 Jahren erst recht nicht mehr. Und auch um die Wälder zu erhalten, brauchen wir jedenfalls in einem kleinen Teil Windkraftanlagen.“7


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