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Es sollte ein schöner Nachmittagsspaziergang werden: Käsekuchen am Luhdener Klippenturm und dann den Klippenweg – direkt an der nördlichen Grenze des Naturwalds Luhdener Klippen.
Karte von Mapy
Nichts Böses ahnend gehe ich diesen Klippenweg, einen ganz schmalen Pfad, den Brombeeren und Brennnesseln jetzt zuwachsen – die Natur nimmt keine Rücksicht auf den Weserbergland-Weg.
„Urige Wälder … weite Ausblicke über eine stille, naturbelassene Landschaft … Hier erleben Wandernde die Natur in all ihren Facetten – authentisch, abwechslungsreich, ursprünglich und entschleunigt.“
An den Luhdener Klippen stimmt dieser Werbetext.1Aber möchte man ergänzen: ausnahmsweise. Siehe Weserberglandweg Denn der Naturwald ist tatsächlich ein uriger Wald. Man blickt oben von den Klippen wirklich auf einen naturbelassenen Wald. Ein schöner Nachmittagsspaziergang!
100 m weiter war es dann vorbei mit der Idylle:
Der Hieb2Hieb = Holzernte ist ganz frisch. Die Hiebsfläche ist nicht groß. Wir sind hier nicht im Sauerland. Trotzdem. Für gewöhnlich wird dann gesagt: „Jetzt regen Sie sich mal nicht so auf! Das sieht jetzt vielleicht ein bisschen schlimm aus. Aber kommen Sie mal in 5 Jahren vorbei! Dann ist wieder alles schön grün!“ In 5 Jahren bin ich im Altenpflegeheim.
Der Schlag 3Schlag = Hiebsfläche, Fläche der Holzernte liegt nicht im Naturschutzgebiet Kamm des Wesergebirges, sondern ein ganz kleines Stück außerhalb. Vielleicht hatte der Förster selbst ein schlechtes Gewissen.
Nadelbäume wurden geerntet: einige Fichten, viele Lärchen. Es gibt sehr viele Lärchen im Weserbergland.
Auch in Zukunft wird es sie massenhaft geben – im Süntel wird z. Z. quadratkilometerweise mit Lärche aufgeforstet. Sie gilt als Zukunftsbaum im Klimawandel.4siehe Die Lärche im Klimawandel Es geht hier also vermutlich nicht um Umwandlung von Nadel- in Laubwald.
Mich macht so etwas wütend. Es verhagelt mir den Nachmittag. Es sind zu viele Bäume entnommen worden. Steht das so im LÖWE-Programm?
„Der niedersächsische Wald soll alt werden und soweit möglich einzelstamm- oder gruppenweise zum Zeitpunkt der Hiebsreife genutzt werden.“
Das hier war dann wohl eine große Gruppe.
Das ist auf jeden Fall keine Einzelstammwirtschaft. Der Schlag ist zu groß. Ein riesiges Loch im Kronendach. Alle reden von Hitze und Dürre. Hier schafft man sie. Und darunter überhaupt noch keine Verjüngung. Und wenn es welche gegeben hätte, wäre sie jetzt platt.
Obwohl drumherum die Samenbäume stehen. Aber in den nächsten Jahren werden hier erst einmal Brombeeren und Fingerhut wachsen. Vielleicht bin ich zu nachsichtig in letzter Zeit mit den Förstern. Vielleicht habe ich zu viel Verständnis. Vielleicht hat Wohlleben doch recht.
Ich weiß schon, warum ich mich in letzter Zeit nur in Naturwäldern und NWE-Flächen in Niedersachsen aufhalte. Ich versuche, solchen Hiebsflächen aus dem Weg zu gehen.
Besonders absurd ist diese Bank mitten im Schlag. Gibt es tatsächlich Wanderer, die sich dort hinsetzen, mit Blick auf Baumstümpfe und Schlagabraum?
Was denkt sich ein Förster bei der Planung einer solchen forstlichen Maßnahme? Direkt am Weserbergland-Weg. Diese Bank.
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Der Schlag liegt nicht im Naturwald. Aber die Entfernung beträgt höchstens 150 m. Der Kontrast könnte größer nicht sein.
Karte von Naturwald-Info online