Webseite schließen? Pro und Contra

Die Arbeit für einen Artikel

In den meisten Artikeln steckt sehr viel Arbeit. Wenn ich von sehr viel Arbeit spreche, meine ich nicht die Arbeit einer Stunde. Ich rede auch nicht von mehreren Stunden. In vielen Artikeln steckt die Arbeit von mehreren Tagen. Nehmen wir als Beispiel den Artikel Großkahlschlag im Filzwald aus dem Jahr 2015:

  • Ich muss damals ein halbes Dutzend Jahresberichte des Nationalparks Bayerischer Wald durchsucht haben nach Informationen über den Kahlschlag, auf den ich bei einer Wanderung zum Großen Filz und Klosterfilz zufällig gestoßen war. In drei Jahresberichten wurde ich fündig: 2006, 2007 und 2008.
  • Ich habe sowohl den Nationalparkplan als auch die Nationalparkverordnung studiert, um die rechtlichen Grundlagen für diesen Kahlschlag zu ermitteln. Die Zonierung des Parks ist ein Buch mit sieben Siegeln. Vermutlich kennen selbst viele Ranger nicht den Unterschied zwischen den nicht weniger als 6 verschiedenen Zonen. Das kostet alles sehr viel Zeit.
  • Selbst wenn man die Unterschiede der 6 Zonen auswendig daherbeten kann, muss man immer noch herausfinden, in welcher Zone der Kahlschlag nun liegt, um den es geht. Die von der Nationalparkverwaltung publizierten Karten sind extrem ungenau. So war ich beispielsweise gezwungen, den 500 m breiten Randbereich mit dem Messwerkzeug des BayernAtlas auszumessen. Gleiches gilt für die Fläche des Kahlschlags und die der zu schützenden Privatwälder. Zum Beweis der Richtigkeit der eigenen Messungen muss man dann natürlich auch noch Screenshots der Kartenausschnitte anfertigen. Derartige Informationen findet man nirgendwo: nicht in Zeitungen, nicht in Pressemitteilungen des Nationalparks, nicht in den Jahresberichten, nicht in wissenschaftlichen Aufsätzen.
  • Hilfreich war die Publikation von Marco Heurich u. a. über die Waldentwicklung im Park. Allerdings gleicht die Suche nach Informationen in dieser Studie der berühmten Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Denn Heurich bietet so viele Informationen und so viele Zahlen, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.
  • Ich habe zwei Interviews geführt: mit dem Journalisten und dem Nationalparkförster. Diese beiden muss man erst einmal finden! Wer weiß etwas? Wer ist zuständig? Wann ist die Person im Haus? Es ist ja nicht so, dass am Kahlschlag eine große Informationstafel mit Kontaktadressen und Sprechzeiten steht. Die Interviews werden aufgezeichnet und müssen dann transkribiert werden. Das dauert Stunden.
  • Offenbar muss ich mich auch lange auf YouTube umgesehen haben, denn ich präsentiere gleich zwei Videos mit Dr. Jörg Müller, in denen er ohne ein Blatt vor dem Mund die Kahlschläge kritisiert.
  • Den Artikel habe ich vor über 10 Jahren geschrieben und ich frage mich, wie um alles in der Welt ich das Zitat von Müller gefunden habe mit dem Korsett, in das wir die Natur zwingen. Schließlich gibt es Dutzende Ausgaben von Unser Wilder Wald.
  • Gleiches gilt für die Seite zum Harvestereinsatz! Wie viele Ausgaben von Unser Wilder Wald habe ich gelesen, bis ich in der Nummer 20 fündig wurde? Wie viele Jahresberichte? Und dann habe ich auch noch ein passendes Video gefunden!
  • Ein bisschen stolz bin ich auf das Schlusskapitel mit der Autobahnbaustelle. Anlass war sicherlich, dass ich dort lange im Stau gestanden habe und viel Zeit hatte, mir anzuschauen, wie man nicht nur den Wald links und rechts der A3 beseitigt, sondern die Berge darunter gleich mit. Aber auch in diesem Kapitel steckt sicherlich die Arbeit eines Vormittags: Jede Google-Recherche produziert unendlich viel Datenmüll. Der aber muss als solcher erkannt und aussortiert werden.

Aber nicht nur in den Artikeln steckt sehr viel Arbeit. Sehr viel Arbeit steckt auch in der Instandhaltung der Webseite. Kürzlich installierte ich das WordPress-Plugin Broken Link Checker. Wie der Name des Plugins sagt, spürt es fehlerhafte Links in meinen Artikeln auf. Das Ergebnis ist erschütternd: Sage und schreibe 1.537 Links sind falsch und führen zur Fehlermeldung: 404 Not found. Die Korrektur der Fehler wird Wochen dauern.  

Die Monteurstunde eines Elektrikers kostet aktuell ohne Mehrwertsteuer 67 €. Die Stunde eines Auszubildenden im 1. Lehrjahr schlägt mit 26,80 € zu Buche.

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2 Gedanken zu „Webseite schließen? Pro und Contra

  1. Guten Tag,
    Ihr Engagement für den Wald ist wertvoll! Allerdings keine ich keine Webseite, die (nur) mit sachlicher Aufklärung Geld verdient – diese Erwartung ist unrealistisch. Geld wird nur verdient, wenn die Webseiten auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten werden und zielgruppengerechte, attraktive kommerzielle Angebote enthalten, wie Führungen oder Waldbaden. Mehr Geld wird auf Youtube und Tiktok verdient, und fast nur über soziale Medien werden heutzutage auch junge Menschen erreicht. Demonstrationen und sehr engagierte Waldbesetzungen gegen Waldabholzungen gibt es durchaus manchmal, wie etwa beim Braunkohle-Tagebau Hambach und bei der Tesla-Fabrik in Grünheide. Mögliche Aktivitäten gegen Abholzungen im Wirtschaftswald werden frühzeitig von der mächtigen Waldbesitzerlobby bekämpft.
    Gruß,
    Martin Pusch

    • Guten Abend Herr Pusch, danke für Ihren Kommentar! Geld verdienen ist ein weites Feld … Ich rede nicht von vierstelligen Monatsbeträgen. Auch nicht von hohen dreistelligen. Mir geht es nur darum, meine Arbeitskosten zu decken. 50 Abonnenten, vielleicht etwas mehr. In der freien Wirtschaft würde man von Aufwandsentschädigung sprechen. Meine Zielgruppe ist zugeschnitten auf den mündigen Bürger, der sich über bestimmte Wälder (Nationalparks, Naturschutzgebiete etc.) und die waldbaulichen und naturschutzfachlichen Maßnahmen dort informieren möchte. Sie nennen mein kommerzielles Angebot zu Recht „sachliche Aufklärung“. Ob das „attraktiv“ ist, muss der Leser entscheiden. 18 € für die Freischaltung von 563 sind IMHO ein sehr gutes Angebot, insbesondere wenn man es mit dem Preis von ähnlichen Büchern vergleicht. Hinzu kommt das riesige Angebot an Fotos. Das finden Sie in keinem Buch. Es gibt Bekannte, die mich ausschimpfen und von „Ausverkauf“ und „Billigangebot“ reden. Wenn „kommerzielle sachliche Aufklärung“ im besten Deutschland aller Zeiten aber nicht möglich ist, gut – dann ist das so.
      Sie erwähnen Hambach … Darüber habe ich mehrere, sehr lange Artikel geschrieben und meine entschiedene Ablehnung – nun hinter Paywall – ausführlich begründet.
      Ich verstehe Sie bestimmt falsch, wenn Sie mir empfehlen, Waldbaden anzubieten, nicht wahr? Sie haben Humor! Aber offenbar leider kein Abo. Gut. Aber dann müssen Sie in Zukunft auf meine sachliche Aufklärung verzichten. Und wenn ich für den Aufwand sachlicher Aufklärung – hinter Paywall – nicht entschädigt werde, gut – dann höre ich damit auf. Ich bin kein beschäftigungsloser Journalist auf der verzweifelten Suche nach Einnahmen. Wo keine Nachfrage, da kein Angebot.
      VG
      Franz-Josef Adrian

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