Die Weidenröschenblüte im Warsteiner Stadtwald

„Fotografen lieben die Pflanze vor allem im Juli und August, denn dann verwandelt sie die Wälder in ein pinkfarbenes Blütenmeer. Oftmals allerdings nur im Gatter.“
Magazin Niedersächsischer Jäger

Das Weidenröschen als Indikator für eine stimmige Jagd

Die Jagd stimmt, wenn Naturverjüngung möglich ist. Am Plackweg ist das besonders wichtig, denn dort wurden nach dem großen Fichtensterben auf riesiger Fläche Sanitärhiebe durchgeführt. Die Kahlschläge sind geradezu atemberaubend groß. Und wenn die Jagd nicht stimmt, werden die Pionierbaumarten von den Rehen aufgefressen. Zufällige Ausnahmen bestätigen die Regel. Denn Verbiss wirkt nicht ganz so gründlich wie Agent Orange oder Glyphosat, obwohl sich manchmal dieser Eindruck aufdrängt. Natürlich werden auch die künstlich gepflanzten Bäume aufgefressen. Natur- und Kunstverjüngung sind gleichermaßen betroffen. Deshalb die Zäune, deshalb die Wuchsschutzhüllen.

Weidenröschen auf ganzer Fläche ohne Zaun

Was hat das aber alles mit dem Weidenröschen zu tun? Nun, das Weidenröschen ist eine sehr beliebte Äsung für Schalenwild. Wenn die Wilddichten hoch sind, verschwindet es ganz einfach. Weil das Weidenröschen ganze Wolken von Samen produziert, ist es an der einen oder anderen Stelle vielleicht zufällig noch zu finden, aber es wächst nicht mehr überall auf der ganzen Fläche.

Dass das Weidenröschen ein guter und zuverlässiger Indikator dafür ist, dass die Jagd stimmt, ist nicht meine ganz persönliche Meinung. Auch viele andere schätzen das Weidenröschen als Indikatorpflanze:

„Fotografen lieben die Pflanze vor allem im Juli und August, denn dann verwandelt sie die Wälder in ein pinkfarbenes Blütenmeer. Oftmals allerdings nur im Gatter, denn das Rehwild als Konzentratselektierer liebt die eiweißreiche, leicht verdauliche Kost. Auf manchen Flächen äsen die Rehe es sogar soweit runter, dass man das Weidenröschen schon suchen muss, während nebenan im geschützten Gatter die Pflanzen bis zu 1,50 Meter hoch werden und ihre Blüten zahlreich im Wind wiegen.“

„[B]lühende Weidenröschen […] sind sehr gute Indikatoren dafür, dass der Verbissdruck auf den Flächen gering ist und eine artenreiche Waldverjüngung ungehindert stattfindet.“ 

„Zu den bekannteren Vertretern der Strauchschicht gehört das Weidenröschen, das nicht nur schön aussieht, sondern auch Kahlstellen im Wald relativ zügig schließen kann. So schützt es den Boden vor Erosion, beschattet ihn und schützt vor Nährstoffausträgen – oder anders gesagt: Wo Lücken im Bestand entstehen, hält die Pionierpflanze den Boden fruchtbar und sorgt für Bedingungen, unter denen sich andere Arten besser etablieren können als auf kahlen, ungeschützten Böden. Doch auch Weidenröschen werden gerne von Rehen geäst. Stimmt die Jagd nicht, fehlt also auch dieser wertvolle Lückenfüller.“

„Das Weidenröschen – nur dort, wo die Jagd stimmt, hat auch das Weidenröschen die Chance zu wachsen. Meistens findet man diese Pflanze nur innerhalb eines Zaunes. Das Vorkommen gewisser Pflanzenarten ist also auch ein Indiz dafür, ob der Wildbestand im Wald zu hoch ist.“

  • Georg Meister in seinem Artikel „Das Reh – Eine Wildtierart wird zum Zuchtobjekt und schädigt seine Umwelt“2Ökojagd 1 -2019:

„Durch die allzu große Anzahl der Rehe wird ihre natürliche Nahrung mit dünnen Zellwänden stark überbeweidet. Deshalb können solche Pflanzen – wie etwa das von Natur aus sehr häufige Waldweidenröschen – oft nur noch innerhalb von Plastikhüllen aufwachsen.“

„Gegen das Wild helfen eigentlich nur Zäune. Dann kommen auch wieder genug Tannen von selber auf, was sofort auffällt. Auch viele der eiweißreichen Lichtungskräuter (z. B. die verschiedenen Weidenröschen) können nur mehr innerhalb diesen Zäunen gedeihen.“

„Ich meine das Eintönigmachen des Waldes durch das Wild (…) In der Einzäunung sehen Sie eine Fülle von Salweiden, Aspen, Weidenröschen: es ist eine grüne Oase mit weichem frischem, tätigem Boden – außerhalb des Zaunes aber ist der Boden kahl, trocken, hart … das nenne ich Waldtod.“3zitiert nach  Claus-Peter Lieckfeld, Tatort Wald: Georg Meister und sein Kampf für unsere Wälder, Westend 2012, S. 149

Das genaue Gegenteil vom Weidenröschen ist der Fingerhut; er ist eine Indikatorpflanze für zu hohe Wildbestände.

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Fingerhutblüte im Tänntal bei Ilsenburg (Harz)

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