Wie macht man aus einem Wirtschaftswald ein Waldschutzgebiet?

Die Kosten des Urwalds

Wie teuer ist ein Urwald? Wie viel Geld gibt das Umweltministerium für den Urwald aus? Ich bin naiv und rechne mit Millionensummen.

Rammo kennt die Zahlen nicht auswendig und müsste in die Unterlagen, d. h. den Haushaltsplan schauen. Ich drängele und er schätzt die Ausgaben größenordnungsmäßig ungefähr auf 200 000 € pro Jahr.

Ich kann das gar nicht glauben. 200.000 €? Nur? So wenig? Fairerweise muss man die Einnahmeausfälle aus dem Holzverkauf noch hinzu addieren: Das waren 300.000 €.1 Aber selbst dann wären es jährlich nur 500.000 €. Für 1.000 ha Urwald. Das Saarland hat knapp 1 Mio. Einwohner. Macht 50 Cent pro Person.

Nach dem Gespräch schaue ich selbst in die Haushaltspläne; sie sind frei im Internet zugänglich: Haushaltspläne des Saarlandes. Das Umweltministerium hat den Einzelplan 09. Die Ausgaben für den Urwald bilden die Titelgruppe 78. Sie sind sogar noch geringer als die Schätzung von Rammo und belaufen sich für 2019 auf nur 148.000 €.

Man kann diesen Betrag mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten: mit einem lachenden Auge, denn er ist so niedrig. Ein Urwald muss also nicht unbedingt teuer sein. Man kann diesen Betrag aber auch mit einem weinenden Auge anschauen: er ist viel zu niedrig. Der Urwald ist unterfinanziert. Rammo erinnert daran, dass das Budget für den Urwald stetig zurückgefahren worden ist. Seit drei Jahren wird es zumindest nicht mehr weiter gekürzt.

Wieder schaue ich in die Haushaltspläne. Es stimmt: 2009 wurden noch 189.000 € ausgegeben: Das entspricht einer Kürzung von rd. 20 % in 10 Jahren.

Und schon 2009 war der Urwald unterfinanziert: 20.000 € für „Urwald macht Schule“. 2009 gab es im Saarland rd. 100.000 Schüler.2 Das macht 20 Cent pro Schüler. So viel zum Thema Bildung.

Zum Thema der Unterfinanzierung des Urwalds siehe auch: Fehlende Daten über das Waldschutzgebiet.

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  1. siehe Der Verzicht auf Einnahmen aus dem Holzverkauf []
  2. siehe Deutlicher Rückgang der Schülerzahlen an allgemeinbildenden Schulen, Pressemitteilung vom 8.12.2009 []