Wie macht man aus einem Wirtschaftswald ein Waldschutzgebiet?

Chronologie des Waldschutzgebiets

Wilder Netzbachpfad im Urwald Saarbrücken

Eine ganz entscheidende Rolle bei der Einrichtung des Waldschutzgebiets spielte Stefan Mörsdorf, der damalige Vorsitzende des NABU im Saarland. Er hatte einen guten Ruf und war sehr gut vernetzt. So nahm er Einfluss auf die wichtigen Entscheidungsträger; z. B. im Umweltministerium. Von 1999 – 2009 war er dann selbst Umweltminister im Kabinett von Peter Müller.

1995

Die NABU-Kampagne „Lebendiger Wald“ startet. Ziel war die Schaffung von Nationalparks sowie dezentraler Waldschutzgebiete von ca. 1.000 ha Größe. Der NABU-Saarland favorisierte als ein solches mittelgroßes Schutzgebiet den „Urwald vor den Toren der Stadt“ nahe Saarbrücken.1

1995

Anne Caspari schreibt eine Diplomarbeit zum Thema „Konzept zur Planung großflächiger Wald-Reservate, diskutiert am Beispiel des Saarlandes“. Sie analysierte fünf große Flächen, die für ein Schutzgebiet in Frage kämen, und hat erkannt, dass das Gebiet des späteren Urwalds besonders geeignet war.

25. April 1997

Der saarländische Umweltminister Prof. Willy Leonhard und der NABU-Landesvorsitzende Stefan Mörsdorf unterzeichnen eine Vereinbarung über die Einrichtung eines Waldschutzgebiets nördlich von Saarbrücken. Die Partner verpflichten sich:

„… im Bereich des Saar-Kohlenwaldes aufgrund der besonderen geologischen Bedingungen und der dort vorhandenen Natürlichkeit der Waldgesellschaften ein Waldschutzgebiet einzurichten. Schutzzweck ist die natürliche Entwicklung eines mesophilen Buchenwaldes über Karbon zu einem forstwirtschaftlich nicht genutzten, sekundären Urwald. … das Waldschutzgebiet erhält den Schutzstatus eines Naturschutzgebietes nach § 17 Saarländisches Naturschutzgesetz (SNG) sowie einer Naturwaldzelle nach § 11 (3) Landeswaldgesetz (LWaldG).“2

In einer gemeinsamen Presseerklärung des NABU und des Umweltministeriums heißt es:

„Bäume dürfen hier so alt werden, wie die Natur es erlaubt, die genetische Vielfalt der Natur hat grenzenlose Entwicklungsmöglichkeiten. Damit geben wir der Natur ein Stück Wildnis zurück, aus der die Motorsäge, aber nicht der Mensch verbannt wird. Wir Europäer können nicht immer nur an die Länder der Dritten Welt appellieren, daß sie ihre Urwälder erhalten, während wir unseren Wald selbstverständlich flächendeckend forstwirtschaftlich nutzen wollen.“3

10. Juli 1998

Umweltminister Prof. Willy Leonhard (SPD) erlässt die Verordnung über das 375 ha große Naturschutzgebiet „Waldschutzgebiet Steinbachtal“.

25. März 2002

Dieses noch relativ kleine Gebiet wird vier Jahre später erheblich erweitert; von 375 auf 1.011 ha. Ministerpräsident ist jetzt nicht mehr Oskar Lafontaine (SPD), sondern Peter Müller (CDU).4 Und Mörsdorf ist jetzt nicht mehr NABU-Vorsitzender, sondern Umweltminister. Er erlässt die Verordnung über das Naturschutzgebiet „Waldschutzgebiet Steinbachtal/Netzbachtal“. Darin heißt es u. a.:

„Schutzzweck ist die Erhaltung, Pflege und Entwicklung eines mesophilen Buchenwaldes über Karbon sowie anderer standortsangepasster natürlicher Waldgesellschaften zu einem forstwirtschaftlich nicht genutzten, sekundären Urwald.“5

4. Mai 2002

Der NABU Saarland, das Ministerium für Umwelt des Saarlandes sowie der SaarForst Landesbetrieb schließen einen Partnerschaftsvertrag ab. Unterzeichner waren der NABU-Vorsitzende Ulrich Heintz, Umweltminister Stefan Mörsdorf und Michael Klein, Leiter von SaarForst. Die Partner setzen sich zwei Ziele: 

  1. „im Waldschutzgebiet jegliche Holznutzung einzustellen und die Entwicklung zu natürlichen Waldgesellschaften zuzulassen“ und
  2. „die Erlebbarkeit dieses Prozesses für die Öffentlichkeit zu gewährleisten.“6

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  1. siehe Chronologie des Schutzgebietes []
  2. zit. n. Ralf Kohl, Wilde Wasser, Hervorhebungen von F.-J.A. []
  3. zit. n. Ein Urwald am Rande der Stadt, Hervorhebungen von F.-J.A. []
  4. siehe Saarländische Landesregierungen seit 1947 []
  5. § 2 (1), Hervorhebungen von F.-J.A. []
  6. siehe  Partnerschaftsvertrag § 1 []