Stadtförster Roland Wiese und die Westfalenpost

Stadtförster Wiese und der Bergmischwald

Der Zeitungsartikel “Von Monokultur zum Mischwald” ist in gewisser Weise einzigartig, denn es ist der einzige in der langen Liste oben, den Roland Wiese selbst geschrieben hat und nicht etwa ein Redakteur. Ursprünglich gehörte ein Foto dazu; nur zu gerne hätte ich einmal dreieckig geformte Kahlschläge gesehen. Vermutlich wäre aber auch mit Foto der Sinn mancher Sätze unverständlich geblieben:

“Um die Störung der räumlichen Ordnung nach einem Abtrieb zu reduzieren, wurde versucht mit Hilfe von geometrischen Figuren (hier Dreiecken) eine in sich tragende Schutzfunktion zu erwirken.”

Abtrieb bedeutet Kahlschlag. Das verstehe ich noch. Aber was eine “Störung der räumlichen Ordnung” oder eine “in sich tragende Schutzfunktion” ist, das bleibt das Geheimnis von Herrn Wiese. Nun – zum Ausgleich bekommt der Leser erklärt, warum Schnee auf Lärchen schlechter haftet als auf Fichten. Auch gut. Oder nicht gut! Denn so werden letztere “wesentlich anfälliger gegen Schneebruch”. Stellt sich wiederum die Frage, warum die Fichte natürlicherweise gerade dort vorkommt, wo es viel schneit: z. B. in Skandinavien oder den Höhenlagen der Alpen.

Immerhin: der Leser erfährt, dass der neue Stadtförster von Meschede offenbar Mischwälder besser findet als Monokulturen. Auch scheint er ein Freund der “intensiven Bejagung” zu sein. Nur ist er dafür leider nicht er zuständig, sondern die Pächter. Und die sind dummerweise häufig zwar Freunde der Jagd, aber der in ihren Augen normalen Jagd, nicht der “intensiven” Jagd. Sie sagen dann immer, dadurch würden die Rehe ausgerottet.

“30 Prozent Laubholz” will Wiese haben. Der Rest ein “in sich gemischter Fichte/Lärchen Bestand”, wobei letztere ja fast schon Laubholz ist:

“Die Lärche ist bekanntlich der Laubbaum unter den Nadelhölzern.”

Meint Wiese nun 35 % Fichte und 35 % Lärche? Was genau bedeutet “in sich gemischt”? Der Leser erfährt es nicht.

Er erfährt auch nicht, was unter “Laubholz” versteht. Vielleicht Buche? Hainbuche? Esche? Eiche? Ahorn? Linde? Kastanie? Vogelkirsche? Vielleicht sogar Sal-Weiden, Vogelbeeren und Birken auf den Kahlschlägen nach Kyrill? Es gibt so viele Möglichkeiten! Aber wir schreiben das Jahr 2013: damals meinte Wiese mit Laubholz wahrscheinlich noch ganz traditionell Buche und vielleicht auch noch Eiche – und nicht irgendwelche neumodischen Exoten wie heutzutage. Also dann wachsen zukünftig Buche, vielleicht Eiche, Fichte und Lärche im “aufgepeppten” Stadtwald. Nennt Wiese das jetzt einen “artenreichen Bergmischwald”? 3 bzw. 4 Arten sind “artenreich”? Nun gut – artenreicher als eine Fichtenmonokultur wäre das schon.

Überhaupt “Bergmischwald”! Was soll das jetzt sein? Für die Verwaltung des Nationalparks Harz jedenfalls fängt so ein “Bergmischwald” erst ab 700 m NN. an! Und  besteht dann nur aus 2 Arten – Buchen und Fichten. Und unterhalb von 700 m wächst ein reiner Buchenwald. Aber das gilt sicherlich nur für den Nationalpark und nur für den Harz! Im Stadtwald Meschede ist bestimmt alles anders.

Vielleicht ist es auch grundsätzlich ganz unfair, im Jahr 2024 einen Artikel zu kommentieren, den ein Stadtförster im Sauerland im Jahr 2013 geschrieben hat:

“Peppt man das Ganze noch mit 30 Prozent Laubholz auf, ist der artenreiche stabile und auch ertragreiche Bergmischwald nicht mehr aufzuhalten. Nachhaltig eben.”

Und weil ich nicht unfair sein will, werde ich das nicht kommentieren. Es ehrt den pensionierten Stadtförster Wiese, dass er nicht für die Löschung des Artikels gesorgt hat. Was ihn nicht ehrt, das ist, dass die tatsächlichen Zahlen für den Stadtwald Meschede so aussehen:

BaumartFläche (ha)Anteil (%)
Fichte1.168,951,4
Buche440,719,4
sonst. Laubholz327,114,4
Eiche139,66,1
Lärche102,14,5
Douglasie59,42,6
sonst. Nadelholz21,91,0
Blößen16,70,7
Summe2276,3100

Zugegeben, die Zahlen sind von 2016. Aber das heißt höchstwahrscheinlich nur, dass die Zahlen für Fichte 2013 noch ein bisschen höher waren. Die Zahlen stehen in einem offiziellen Dokument der Stadt Meschede mit dem Titel  Städtischer Forst: Zukünftige Strategie und nachhaltige Bewirtschaftung. Es wurde im 9.9.2021 vom Ausschuss für Nachhaltigkeit und Ordnung als Vorlage für den Stadtrat einstimmig beschlossen und von diesem 14 Tage später einstimmig verabschiedet.

Zu den Sachbearbeitern des Dokuments zählt Roland Wiese. 51 % Fichte. “Nachhaltig eben.”

Hinweis: Wenn Sie auf den nicht ganz abwegigen Gedanken kommen, bei dem Dokument müsse es sich um eine Fälschung handeln – Sie finden es tatsächlich im Bürgerinformationssystem der Stadt Meschede. Das Westfalenblatt hat scheinbar nie über die vom Stadtrat beschlossene “Strategie zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung” berichtet: eine Suche auf der Homepage erzielte keinen Treffer.

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