Der FSC und die Verkehrssicherung am Wolfsschluchtweg

„Es geht nicht darum, hier Bäume zu fällen.“
Gerhard Kuske (GFA)

Telefonat mit Herrn Kuske von der GFA

Am 22. November 2019, einen Tag nach dem Empfang seiner E-Mail, führe ich ein rd. 30minütiges Telefongespräch mit Herrn Kuske von der GFA.

Was ich nicht verstehe: Der Landesbetrieb WuH hat über 100 Wildniswälder. Der Wolfsschluchtweg ist selbst den Einheimischen hier nicht bekannt. Wie kommt Ihr Auditor auf die Idee, den Wolfsschluchtweg im Rahmen eines ganz normalen Audits zu gehen?

Grundsätzlich muss man sich Audit so vorstellen: der Auditor sucht sich stichprobenartig die Forstämter und die Forstreviere aus. Und dann ist man vor Ort und lässt sich dort eine Liste der gelaufenen Arbeiten geben und sucht sich dann daraus stichprobenartig wiederum etwas aus. Und das macht man auch für Verkehrssicherung. Und dann ist es auch normal, dass man im Audit schaut, ob die Revierleiter eine konsistente Verkehrssicherungsbewertung vornehmen.

Vorsicht Herr Kuske! Sie bewegen sich auf ganz dünnem Eis bei dem, was Sie hier sagen: Ich kann das alles nicht nachvollziehen. Denn warum sollte der Forstbetriebsbezirksleiter Herr Büscher – bzw. in 2018 war es noch seine Vertretung – ausgerechnet den Wolfsschluchtweg gehen? Ausgerechnet diesen Weg! Ich wohne in Porta Westfalica; er kann hier Dutzende Wege gehen, warum ausgerechnet diesen Weg?

Ich habe ja gerade erklärt, wie das Audit in der Regel abläuft. Und dann ist es natürlich so, dass man im Gespräch mit dem Revierleiter fragt: Gab es z. B. Beschwerden oder gibt es Unklarheiten? Und wenn der Revierleiter sagt: Also wir haben hier einen Fall, da haben wir eine Studie gemacht … Weil der Revierleiter z. B. sich nicht sicher ist oder weil da Fragen bestehen über die rechtliche Lage oder sonstiges. Dann kann er natürlich sagen: Da haben wir einen Fall, wo wir gerne mal auch Ihre Meinung hören würden! Und dann geht man über so einen Weg mal drüber.

Entschuldigung, wenn ich Sie unterbreche! Ich höre Ihnen zu und meine Kinnlade rutscht immer weiter herunter. Das kann ich mir nicht vorstellen! Ich kann mir das nicht vorstellen, dass der Betriebsleiter Ihnen den Wolfsschluchtweg zeigt. Und wenn er rechtliche Fragen hat, wenn er die hätte, dann gehe ich zum Rechtsanwalt und nicht zum Auditor des FSC.

Sie verstehen mich falsch! Der Auditor nimmt einen Großteil seiner Stichproben selbstverständlich zufallsmäßig. Und dann kann er aber auch sich natürlich Aspekte anschauen, wo der Forstbetrieb selbst sagt: Die würden wir ihnen gerne einmal zeigen! Da spricht auch überhaupt nichts dagegen. Da ist auch nichts verwerflich daran, dass man sich dann solche Wege dort mal anschaut. Oder exemplarisch einmal an so einem Fall bespricht, wie man mit Verkehrssicherung im Bereich von Wildnisgebieten umgeht. Also dass der Auditor dort hingegangen ist, werden Sie ihm wohl nicht vorwerfen.

Nein, aber woher weiß der das?

Ich kann mir vorstellen, der Forstbetrieb hat ihm gesagt: Hier haben wir einen Fall, der ist hoch frequentiert. Da stellt sich die Frage, was man mit Verkehrssicherung macht.

Entschuldigung! Stimmt nicht! Ich habe mit einem Förster hier vor Ort bei einer Wanderung gesprochen. Der war fuchsteufelswild, der sprang im Dreieck, der war total sauer – und zwar auf den FSC! Nicht auf die Leute hier vor Ort. Deswegen war ich ja so perplex, als ich hörte, es hätte eine Beschwerde gegeben. Ich habe mit den Naturführern geredet. Die sagen, es ist alles in Ordnung. Wir haben uns nicht beschwert. Wir haben einen wunderbaren Kompromiss gefunden mit dem Landesbetrieb. Wir haben da mit dem Wolfsschluchtweg überhaupt keine Probleme mehr. Wir können uns überhaupt nicht mehr vorstellen, wer da eine Beschwerde geäußert haben sollte.

Es hat sich auch niemand beschwert! Das hatte ich ja in meiner E-Mail schon geschrieben.

Ich bin so skeptisch, denn warum sollte Wald und Holz, warum sollte der Betriebsleiter Ihren Auditor ausgerechnet zum Wolfsschluchtweg führt. Ich kann mir das nicht vorstellen! Der Förster damals hat mir gesagt: Diesen Wald – den kann man nicht verkehrssicher machen! Und ich bin mit dem 110 % einer Meinung: Wenn Sie da Verkehrssicherung machen, dann ist der Wald weg! Und zwar komplett! Da sind nicht 34 Megagefahrenbäume – das ist falsch, das Gutachten, da sind 340 Megagefahrenbäume. Der Wald ist eine einzige Megagefahr! Den können Sie nicht sichern!

Herr Adrian, um auch da einem Missverständnis vorzubeugen: Der Auditor hat nicht gesagt, dass die 34 Megagefahrenbäume entfernt werden müssen. Das steht so nicht im Audit-Bericht.

Megagefahrenbäume müssen entfernt werden! Herr Kuske, Sie kennen die Gesetzeslage!

Ja, genau! Dieses Gutachten spricht von Megagefahren. Und es geht darum, dass der Forstbetrieb einschätzt, wie er mit solchen Flächen, wie er mit solchen Wildnisgebieten, mit solchen Naturentwicklungsflächen etc. umgeht. Es geht um ein konsistentes Verfahren, vielleicht auch Rechtssicherheit, eine klare Leitlinie für alle Revierförster. Also nochmal: Es ging hier nicht um einen Beschwerdefall. Und nicht darum, dass der Auditor gesagt hat: Ihr müsst hier alle Bäume entfernen! Wir kennen das aus ganz anderen Gebieten: NRW ist ein Fleck in Deutschland. Es gibt ganz viele andere Forstbetriebe, wo sehr naturnahe Waldwirtschaft praktiziert wird. Es gibt auch Nationalparks usw. Und insofern werden Sie in dem Bericht auch in der Abweichung [= CAR] nichts lesen können, dass der Auditor gesagt hat: Entfernt die alle!

Aber was will der FSC denn? Dann verstehe ich die ganze Beschwerde nicht. Der Standard lautet: ‚Kontrollen der Verkehrssicherungspflicht werden vom Forstbetrieb regelmäßig durchgeführt und protokolliert.‘ Aber was wollen Sie denn dann am Wolfsschluchtweg? Was soll denn da passieren?

Herr Adrian, jetzt muss ich mich tatsächlich ein bisschen begrenzt halten, weil ich nicht der Auditor war. Aber …

Die Auditoren haben sich ja offensichtlich an Sie gewandt. Denn ich habe Sie ja gar nicht angeschrieben. Ich hatte den Eindruck, die haben sofort gemerkt: Oha! Hier puhlt aber einer in einer ganz dicken Wunde!

Naja Herr Adrian! Wenn Sie uns schreiben, dann wissen wir, dass Sie puhlen! Das ist auch völlig in Ordnung so! Grundsätzlich alle Beschwerden, alle Nachfragen dieser Art gehen an die GFA. Das liegt allein schon daran, dass die Auditoren für diese Audits von uns einen Arbeitsauftrag bekommen und nicht für das ganze Beschwerdemanagement und für das Beantworten von Fragen. Das ist ein normaler Vorgang. Und tatsächlich habe ich Herrn Opitz geschrieben und er hat kurz zurückgeschrieben und hat gesagt: Also, da ist tatsächlich ein Gutachten, wo viele Megagefahren identifiziert wurden. Und grundsätzlich: tatsächlich, Sie haben völlig Recht. Es gibt eine Rechtslage, aber auch die ist nicht ganz eindeutig. Es gab vom – ich meine – BGH zum Thema Verkehrssicherung ein großes Urteil. Aber da wurde auch nicht final abschließend besprochen, was  eigentlich mit solchen Megagefahren passiert. Es wurde zwar gesagt, dass, wenn eine unmittelbare Gefahr davon ausgeht oder man sehen kann, dass die jeden Moment runterkommen, sprich der angeschobene Hänger, wo der Wurzelteller sich schon hebt, dann ist der Förster in der Pflicht, den auch wegzumachen.

Herr Kuske, wenn Sie von Megagefahrenbäumen sprechen: Gehen Sie in diesen Wald! Da stehen sie! Da bräuchte jede Klasse, die darüber Unterrichtsreihen machen will, nur einen Meter gehen und schon steht sie vor dem ersten! Wie gesagt: Es sind nicht 34, es sind 340! Da steht ja auch ein Schild: Lebensgefahr! Umstürzende Bäume, Felsabbrüche – Betreten auf eigene Gefahr.1siehe Der Urwald vor den Toren der Stadt Porta Westfalica – Anfahrt und Wanderweg Und das tue ich! Ich gehe da gerne spazieren. Also bin ich lebensmüde. Aber ich will jetzt nicht zynisch werden! Was mir nicht klar ist: Sofort beim ersten Audit in 2018 ist von einem Gutachten die Rede. Da ist ein Gutachten erstellt worden. Und ich frage mich: Fällt das vom Himmel? Hat Wald und Holz das Gutachten erstellt und dann dem FSC gezeigt, damit der daraus eine Beschwerde macht? Ich kapier’s nicht!

Nein! Nochmal! Herr Adrian! Es gab dort keine Beschwerde! Und das Gutachten ist meines Erachtens auch nicht auf Betreiben des FSC oder der GFA entstanden, sondern weil der Betrieb selber dieses Gutachten erstellen wollte. Haben Sie mit dem Forstamtsleiter dort schon gesprochen?

Ich habe bei meiner Wanderung damals lange mit einem Förster gesprochen und dieser ist lange im Dreieck gesprungen, weil er mir gesagt hat: Das geht nicht! Genau das, was auch im Audit-Bericht steht: Man kann einen Wald in der Zerfallsphase nicht verkehrssicher machen.

Das ist total korrekt!

Und deswegen verstehe ich nicht, warum ich mit dem FSC da hingehe – im Rahmen eines regulären Audits – und dann noch ein Gutachten vorlege. Das verstehe ich nicht. Was möchte ich denn? Möchte ich vom FSC einen Persilschein haben, oder was? Ich war Lehrer. Wenn Tag-der-offenen-Tür ist, zeige ich den Eltern doch nicht die dreckige Toilette! Und genau das wäre ja hier passiert! Das sage ich jetzt mal so als außen stehender Laie.

Aber Herr Adrian, warum zeigen Sie den Eltern denn nicht die dreckige Toilette? Das gehört doch dazu!

Nein! Ich bitte Sie!

Selbstverständlich! Das gehört doch dazu, dass man mit Stärken wie mit Schwächen wie mit offenen Fragen …

Herr Kuske! Die Sache ist ja noch komplizierter! Der Weg ist ja gar nicht ausgeschildert! Der Weg ist nur Einheimischen bekannt bzw. den Naturführern, die da ab und zu mal – nicht täglich, nicht wöchentlich, noch nicht einmal monatlich – mit Gruppen da hergehen. Da geht doch kaum ein Mensch lang! Da können Sie wochenlang hin und her gehen und Sie treffen keine Menschenseele. Das ist kein Wanderweg!

Vielleicht sprechen wir dann über verschiedene Wege. Der Auditor hat am Telefon kurz gesagt, da ist richtig viel los.

Der spinnt! Entschuldigung! Der spinnt!

Als sie dort waren, waren da jede Menge Leute unterwegs.

Ja wie denn? Die Oma kommt doch gar nicht über den ersten Baum, der sofort nach 10 m quer über dem Weg liegt. Glauben Sie, die krabbeln mit ihren Stöckelschuhen … da liegen mehrere Bäume quer über dem Weg! Da habe ich Probleme lang zu gehen, weil Sie da gar nicht hergehen können ohne zu klettern oder auf allen Vieren unter den Bäumen herzukrauchen. Das ist ansonsten unmöglich! Die Leute kommen doch mit Stöckelschuhen und mit Minirock und Sandalen und einfachen Turnschuhen. Damit kommen die zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Da kommt doch niemand auf die Idee, diesen Weg zu gehen!

Herr Adrian, ich weiß nicht, ob wir über verschiedene Wege sprechen. Wie gesagt: ich war nicht vor Ort. Was ich Ihnen sagen kann: Wir trainieren unsere Auditoren auch sehr dahin, die Verkehrssicherung … also kein Auditor der GFA wird jetzt sagen: Ihr müsst hier einen Baum wegnehmen! Erstens. Zweitens: Wir versuchen eine weite Interpretation der bestehenden Rechtslage auch immer schnell zu kommunizieren. Wenn wir irgendwo sehen, es gibt ein neues Urteil usw. Drittens: Wir sind natürlich als jemand, der Wildnisgebiete oder Naturwaldentwicklungsflächen natürlich auch fordert und fördert, sind wir zu allerletzt bestrebt, dass dort irgendwelche Totholz … oder trockene Äste oder ganze Bäume, die klassischen Methusalems, entnommen werden. Darum geht es nicht! Das geht auch den Förstern so. Also ein Förster, der vor einem Baum steht und sieht irgendwelche Risse darin, wo die Pilze wachsen, oder der sieht den Eichenbock oder ich weiß nicht was, der freut sich doch, weil das genau das Ziel der Waldbewirtschaftung ist: gleichzeitig Holz machen zu können und solche Bäume im Bestand zu haben.

Und da haben Sie noch einen Wildniswald: da dürfen Sie gar kein Holz machen! Ich kann Ihnen auch sagen, warum das ein Wildniswald ist: da kann man kein Holz machen – es sei denn, Sie haben Spezialmaschinen, die sündhaft teuer sind.

Das ist aber nicht der Punkt. Der Punkt ist: Kein Förster wird solche Bäume fällen, weil er gerne solche Bäume fällt. Und wir versuchen auch da immer darauf hinzuweisen, hier wird nicht zum verweilen aufgefordert, es wird auf Gefahren hingewiesen und damit ist eigentlich gemäß der letzten Gerichtsurteile der Förster nicht in der Pflicht, hier Verkehrssicherung zu betreiben und die Bäume wegzunehmen.

Ja, so kenne ich auch die Rechtsprechung.

Und – nochmal, um das abzuschließen – es gibt tatsächlich diese Situation, wo eine Gefahr so unmittelbar ist an einem – mehr oder weniger – hochfrequentierten Weg, wo jeden Moment mit einem herabstürzenden Baum zu rechnen ist – nach einem Sturm z. B. – und da ist man tatsächlich dann aufgefordert – auch von der Rechtsprechung – die unmittelbare Gefahr zu entfernen. Daraus kann sich natürlich so ein Zwiespalt – oder Fragen – ergeben für einen Revierförster. Und wenn der Forstbetrieb daraufhin zu jemandem sagt: Mach doch einmal ein Gutachten, wie hier eigentlich die Rechtslage ist. Oder: Bewerte doch einmal diesen Weg! Dann ist das erst einmal noch nichts schlechtes. Die Frage ist: Wie geht man damit um? Weil es eben nicht nur diesen einen lokal begrenzten einen Abschnitt eines Weges gibt, sondern es gibt natürlich noch sehr viel mehr solcher Flächen. Und ich glaube, genau daraufhin hat diese Abweichung auch gezählt. Ich kann mir vorstellen, es gab so ein bisschen den Eindruck, hier ist nicht allen Beteiligten klar, müssen sie was machen, müssen sie nichts machen. Aber wie gesagt, dass ist jetzt nicht erst einmal sozusagen nicht vor dem Auditor, sondern wenn ich diese Abweichung hier lese. Insofern würde ich hier sehr vorsichtig sein zu sagen, der Auditor hat gefordert, dass da Bäume entfernt werden oder der Forstbetrieb möchte es gerne machen und möchte das Placet des Zertifizierers sich abholen. Das ist mit Sicherheit nicht so!

Was ich grundsätzlich nicht verstehe: Was will der Förster denn dann? Will der den Persilschein haben nach dem Motto: Wenn hinterher etwas passiert, will er dann sagen: Aber wir waren mit dem FSC da und der FSC hat gesagt: Ist in Ordnung! Was will er? Welche Aufgabe hat denn jetzt dieses CAR? Was soll denn da heraus kommen? Oder: Wann wäre der Auditor denn zufrieden? Oder der FSC? Wie muss ich mir das vorstellen?

Ein CAR ist ein Corrective Action Request. So etwas entsteht nicht aus einer Beschwerde. Eine Beschwerde hat nur zur Folge, dass der Auditor hingeht. Jedes Audit beinhaltet ganz viele Stichpunkte, ganz viele Aspekte. Und in dem Augenblick, wo der Auditor sagt, hier ist das Vorgehen des Forstbetriebs nicht klar oder den Beteiligten ist vielleicht das Vorgehen nicht klar oder es besteht noch Rechtsunsicherheit oder es gibt jetzt ein Gutachten, was eigentlich sagt, ihr müsst jetzt etwas machen, ihr müsst euch überlegen, wie ihr mit dem Gutachten umgeht – da gibt es tausend verschiedene Gründe, weshalb man den Betrieb auffordert, hier nochmal tätig zu werden und sich für Naturwaldentwicklungsflächen nochmal eine Strategie zu überlegen. Das ist keine Antwort auf eine Beschwerde.

Ich formuliere es jetzt einmal mit meinen eigenen Worten und Sie korrigieren mich, wenn ich es immer noch nicht verstanden habe, ich Blödmann. Also der Auditor fordert dem Betrieb auf, für Sicherheit, für Klarheit zu sorgen. Darum geht’s? Oder sehe ich es schon wieder falsch?

Ja! Ich glaube, das kann man ganz gut sagen! Es geht darum, dass man ein Verkehrssicherungskonzept für den gesamten Bereich erstellt oder überarbeitet – eine Konzeption der Verkehrssicherung für solche Wildnisflächen und auch für solche, wo man von einem durchweg hohen Gefahrenpotential spricht. Es geht nicht darum, hier Bäume zu fällen. Es geht nicht darum, auf eine Beschwerde zu reagieren. Es geht einzig darum, konsistent sich zu überlegen, wie man auf der gesamten Betriebsfläche dieses Thema Verkehrssicherung angehen kann. Ein ganz ganz toller Leitfaden m. E. ist der, den Forst BW entwickelt hat, wo auch noch einmal  die Rechtslage sehr schön aufgedröselt wird – auch für Verkehrssicherung an Waldwegen. Das kann ich jedem Beteiligten nur mal empfehlen, da hineinzuschauen, weil ich finde, es ist sehr gut beschrieben. Da wird dann schon klar, wenn man das liest, dass es eben nicht so eindeutig ist, dass der Förster nichts machen muss, sondern man muss sich sehr genau überlegen, was man tut. Letztlich steht immer der Revierleiter oder derjenige, der die Verkehrssicherung durchgeführt hat, in der Verantwortung – und zwar als Person. Und insofern besteht dort natürlich das Bedürfnis, so etwas für alle zu regeln, sodass der Revierleiter sich da auch entsprechend sicher fühlen kann. Ich kann mir vorstellen, dass es auch daher kam und dass das so ein bisschen der Beweggrund war, dass der Revierleiter gesagt hat: Mensch, hier – guckt Euch das auch mal an! Was meint denn Ihr? Das muss nicht aufgrund einer Beschwerde … das geht auch so – nicht als Beschwerde. Ich glaube, das kocht gerade so ein bisschen hoch, aber ich sehe nicht so richtig den konkreten Anlass dafür.

Ich möchte Ihnen meine tiefe Sorge sagen: Dieser Wald ist einzigartig. Wenn Sie mal Zeit haben: Fahren Sie hin! Das ist der Urwald vor der Haustüre – und zwar nicht als Public-Relation-Einfall oder in der Hochglanzbroschüre der Tourismusindustrie. Das ist wirklich einzigartig, was Sie da haben. Ich gehe da sehr häufig lang und ich denke immer: Ich brauche keinen Nationalpark. Ich muss nicht mehr in die Ukraine fahren. Das ist alles Blödsinn! Ich habe das vor der Haustür. Ich habe mir letztens den Urwaldsteig im NLP Bayerischer Wald angeguckt. Der ist längst nicht so toll wie dieser Wanderweg da. Und wenn sich Ihr Auditor nochmal einen problematischen Wald ansehen möchte, dann die Naturwaldzelle Nammen. Die liegt Luftlinie 10 km weiter weg. Das ist genau der gleiche Fall: Da gehen auch Leute lang. Der Weg ist auch nicht ausgeschildert. Aber Einheimische kennen ihn. Und Sie haben einen Megagefahrenbaum nach dem anderen. Übrigens ist es derselbe Forstbetriebsbezirk, den hätte der Revierleiter auch zeigen können. Aber das ist eine andere Geschichte! Gut! Mir ist jetzt vieles klarer geworden. Mir ist auch ein Stein vom Herzen gefallen, weil ich habe schon die Sägen gesehen, die da im nächsten Jahr die Megagefahrenbäume fällen. Die Angst brauche ich offenbar nicht haben.

Man würde sich ja tatsächlich auch wünschen, dass die Rechtsprechung die ganze gesellschaftliche oder naturschutzfachliche Diskussion aufgreift und sich sagt, wir haben eine forstpolitische Ausrichtung unserer Forstbetriebe, die immer mehr in Richtung Naturwald geht. Wir haben überall Biotopholz, wir haben überall Naturwaldentwicklungsflächen, wir wollen den Wald genauso haben! Und wir wollen dann auch sagen: Passt mal auf, Ihr Förster! Ihr müsst im Wald überhaupt gar nichts mehr machen im Sinne von Verkehrssicherung! Ihr müsst Euch um Leib und Leben von Waldbesuchern überhaupt keine Gedanken mehr machen! So, dann wäre das alles klar. Aber so ist die Rechtsprechung nicht.

Und insofern kann man natürlich auch nachvollziehen, dass die Förster hier ein richtiges Problem haben. Man hört sehr häufig: Wissen Sie was? Ich stehe mit einem Bein im Gefängnis, aber es ist trotzdem o.k. so! Ich muss damit leben! Dieses ‚Ich stehe mit einem Bein im Gefängnis!‘ das sagen Ihnen ganz viele Förster. Und noch bewegt man sich da tatsächlich in einem Spannungsfeld und ich glaube, es bedarf da noch vieler Präzedenzfälle. Wichtig ist  nur, dass die Förster auch von der Betriebsleitung entsprechend Deckung bekommen. Wir vom FSC können es tatsächlich auch nicht machen: So, das ist alles richtig so oder nicht richtig so! Denn die Richter haben so geurteilt, wie sie geurteilt haben. Was man nur sagen kann, ist: Versucht mal, ein schlüssiges Konzept zür Verkehrssicherung für Wildnisflächen zu machen!

Wir haben woanders gefordert, die Betriebsanweisung zur Verkehrssicherung zu überarbeiten im Zuge des Eschentriebsterbens, wo die Bäume anders fallen, als sie das früher getan haben – nämlich meistens zwei Baumlängen auf einmal. Wenn ich eine Sitzgruppe habe im Wald und die ist von Eschen umstanden, dann muss ich theoretisch zwei Baumlängen zurückgehen oder ich muss das eben absperren. Also da haben wir auch gesagt: Hier müsst Ihr Euch etwas überlegen und an die neuen Gefahrenlagen anpassen. Wir sagen aber nicht: Fällt hier zwei Baumlängen zurück! Sondern wir sagen nur: Macht Euch darüber Gedanken, dass die Bäume mittlerweile anders fallen, als sie früher gefallen sind.

Ich kenne das auch nur mit einer Baumlänge!

Genau! Aber wenn Sie die Eschen angucken, die unten einen Wurzelteller haben, der so groß ist wie meine Sitzfläche hier auf dem Stuhl … einmal geschubst … Dominoeffekt … Wir sprechen jetzt hier nicht über Fichten und Borkenkäfer. Denn da ist das Wurzelwerk noch intakt. Da stirbt erst der Baum und dann ist das Wurzelwerk aber noch da und der ist eigentlich noch relativ standsicher. Bei den Eschen ist es genau anders herum: die sind oben noch grün, aber Stamm und Wurzelwerk – das ist alles schon weggefault. Das sind so Gefahren, die neu entstehen. Auch da sagen wir dann: Macht Euch mal Gedanken! Das ist eine ganz wichtige Diskussion, die da geführt wird. Es ist auch wichtig, dass die Revierförster sagen, wo ihre Bedenken sind – unabhängig von diesem Fall. Oder dann gibt es wieder den Waldkindergarten irgendwo in der Nähe und der sagt dann auch: Mensch! Wir können hier kein einziges Baumhaus mehr bauen, weil es hier so viel Totholz gibt. Auch da gibt es vielfältige Belange, die irgendwie mit einfließen.

Und deswegen ist es aus meiner Sicht auch total o.k., wenn mal ein Revierförster sagt: Können wir bitte einmal da hinschauen?! Oder wenn der Auditor sagt: Wo habt Ihr denn einen Fall, wo ganz viel Totholz entlang eines Weges steht? Deshalb: Wie unser Auditor da hingekommen ist, ist für mich erst einmal total sekundär. Ich finde es gut, dass er hingegangen ist.

Aber ich sage Ihnen etwas: Selbst wenn es eine Beschwerde wäre, würde ich Ihnen nicht sagen, von wem es kam. Soviel Vertraulichkeit müssen wir dann schon noch bewahren, aber in diesem Fall war es keine Beschwerde.

Herr Adrian, ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ich Ihnen auch!

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