Naturwald Schrabstein im Süntel – 2026

Die zerfallenden Buchen an den Klippen

Die Zerfallsphase ist die letzte Waldentwicklungsphase.

Die Buchen an den Klippen sind rd. 200 Jahre alt.1siehe NWE-NI Info-Portal Ihre Optimalphase ist lange vorbei: In einem Wirtschaftswald wären sie längst gefällt worden. Die Buchen sterben hier nicht, weil sie an irgendeiner obskuren Krankheit leiden. Sie sind auch nicht die Opfer einer Dürre oder eines Klimawandels. Nein, auch Buchen sterben und das ist ganz natürlich.

Ein Mosaik alter und zerfallender Buchen

Es sterben aber nicht alle Buchen auf einmal, sondern mal hier eine, mal dort eine andere. Es bildet sich ein Mosaik aus Buchen, die noch völlig gesund sind, Buchen, bei denen die ersten Kronenäste absterben, Buchen, deren Krone nur noch wenige lebende Äste haben, Buchen, die vor Kurzem abgestorben sind, und Buchen, die seit Langem abgestorben sind. Auch die letzteren sind unterschiedlich: bei einigen sind einige wenige Starkäste abgebrochen, bei anderen die ganze Krone. Einige bilden Hochstubben, andere brechen ganz unten ab. Hinzu kommen die Flächen, wo schon wieder junge Buchen wachsen. Und die Flächen mit der Buchenverjüngung sind unterschiedlich alt: alles neue Mosaiksteinchen. So ein Mosaik ist es, was einen Urwald ausmacht.

Ein Paradies für Fotografen

Dieses Mosaik fällt nicht nur Experten wie Susanne Winter2siehe Susanne Winter, Mikrohabitate und Phasenkartierung als Kern der Biodiversitätserfassung im Wald – LWF-Wissen 61 oder Jörg Müller3siehe Prof. Dr. Jörg Müller – Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald auf: auch Fotografen sehen es. Denn die wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen mit dem Fotografieren. In einem gut gepflegten und vorschriftsmäßig durchforsteten Wirtschaftswald sehen alle Buchen im Grunde gleich aus: hat man eine Buche fotografiert, hat man allle fotografiert. Und es ist völlig egal, ob man den Wald vorne, hinten, rechts oder links fotografiert: es sieht immer gleich aus. Hier im Mosaik an den Kliippen ist es anders. Ganz anders. Stundenlang kann man hier herumlaufen: man findet immer neue Motive.

Ein Ort der Ruhe

Man muss hier nicht fotografieren. Man muss hier auch nicht die Bäume inventarisieren wie im Nationalpark Bayerischer Wald.4siehe Bayerns Umweltminister über Ergebnisse der Waldinventur im Nationalpark Bayerischer Wald Oder Totholzkäfer suchen wie im Nationalpark Kellerwald.5siehe Zwei weitere Arten der seltenen Urwaldkäfer im Nationalpark entdeckt Man kann sich hier einfach auf einen der herumliegenden Buchenstämme setzen und die Ruhe genießen. Oder die Einsamkeit.


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