Naturwald Saubrink-Oberberg im Ith

„Sagen und Götter – Natürlich erleben“
Text auf einem der vielen Schilder in Coppenbrügge

Der Naturwald und die vielen Schilder

Hinweis: Damit der Text der Schilder gut lesbar ist, haben die Fotos eine hohe Auflösung: 2.400 × 1.800 Pixel. Die Dateigröße beträgt jeweils rd. 1,5 MB. Das Laden der Fotos mag also etwas dauern.

Bei meinem ersten Besuch im Naturwald habe ich auf dem Parkplatz am Freibad Coppenbrügge geparkt. An einem Wanderparkplatz steht für gewöhnlich ein Informationsschild. Ein Schild. Eines. Nur eines. Ein Parkplatz, ein Schild. Normalerweise reicht das. Nicht so in Coppenbrügge. In Coppenbrügge reicht ein Schild nicht. Es reichen auch nicht zwei oder drei. Nicht einmal 4 oder 5 reichen in Coppenbrügge. Bis zum Eintritt in den Wald kam ich an gut einem Dutzend Schildern vorbei: Schilder zu Wanderwegen, Schilder zu Naturschutzgebieten, Schilder zu heidnischen Kultstätten. Nicht alle habe ich fotografiert.

Vier Rundwanderwege

Das erste Schild stand wie gesagt gleich am Parkplatz:

Angeboten werden zwei Rundwanderwege: der 2 km lange Rattenfänger-Panorama-Weg CO 1 und der 7 km lange Götterpfad CO 2. Der Panorama-Weg führt überhaupt nicht durch den Naturwald, der Götterpfad immerhin durch dessen nordwestlichen Teil.

Auf dem Götterpfad kommt man an den zwei berühmten Felsformationen Teufelsküche und Adam und Eva vorbei. Erstere liegt im Naturwald, letztere ganz an dessen westlichen Rand. Die Felsformationen zählen zu den sechs „Entdeckertipps“, der Naturwald nicht.

Hinter dem geschlossenen Hotel Felsenkeller stehen gleich vier Hinweisschilder.

Eines davon bietet eine Karte der näheren Umgebung, die etwas aktueller und übersichtlicher ist als die am Freibad:

Hier sind zwei weitere Rundwege eingezeichnet: CO 3 und CO 4. CO 3 ist der Schlossweg.1siehe Erlebniswanderwege Coppenbrügge Dieser Rundweg führt nicht durch den Naturwald, sondern führt zwischen Adam und Eva und Mönchsstein nur ein Stück an dessen westlicher Grenze entlang. Ähnlich ist es bei CO 4, dem Schlossweg. Er verläuft an der östlichen Grenze des Naturwalds. Nur ein ganz kurzes Stück des Wegs geht durch den Naturwald hindurch.

Mangel an Wanderwegen durch den Naturwald

Die Stadt Coppenbrügge bietet also vier Rundwanderwege an. Einer hat gar nichts mit dem Naturwald zu tun, einer berührt nur dessen Grenze und zwei führen nur ein kurzes Stück durch ihn hindurch. Nicht einer von ihnen geht mitten durch den Naturwald, obwohl die Karten durchaus Wege in dessen Mitte anzeigen.

An einen Rundweg durch den Naturwald ist überhaupt nicht zu denken. Wanderer zertreten alles, rupfen alles aus und erschlagen Rehe mit ihren Trekkingstöcken. Ein Mountainbike-Trail würde alle Buchen umbringen. Bodenverdichtung! Das bestätigt Ihnen jeder Förster. Und eine Gaststätte im Naturwald würde zu einer totalen Verödung des nördlichen Iths führen. Katastrophale CO2-Bilanz! Die Folge: Oberberg und Saubrink – eine Wüste! Sandstürme. Klimawandel. Da sind sich 100% aller Experten einig. Merke: Wanderer, Mountainbiker und Gaststätten haben in einem Naturwald nichts verloren!

Dumme Schilder

Es herrscht nicht nur ein Überangebot an Schildern, auch ein Überangebot an nutzlosen und unverständlichen Informationen.

Hier wurden offenbar ein rotes und ein weißes Schild zusammengetackert. Für wen ist das weiße Schild gedacht? Der Text ist eine Unverschämtheit. Ein Biologie-Referendar, der für seine Schüler ein Arbeitsblatt mit einem solchen Text verfasst, fällt durch jede Prüfung. Fachleiter und Ausbildungslehrer würden ausrasten! Die Schüler ohnehin. Selbst ein Leistungskurs Biologie hätte Probleme: „Kalk-Pionierrasen auf Gipsfeldköpfen“, „Kalk-Kleinseggenriedern“, „Korallenoolith“? Da schreibt jemand Artikel aus einem Lexikon ab. Über welches Fach reden wir hier? Biologie? Erdkunde? Wenn aber der Text für Schüler ungeeignet wäre, für wen wäre er dann geeignet? „Papa, was ist eine Schichtkammlandschaft?“

Ich habe auf meiner Wanderung weder Mausohr, noch Wildkatze, noch Uhu gesehen.  Und die Hirschzunge habe ich nur deswegen wiedererkannt, weil ein Professor sie uns auf einer botanischen Exkursion im Studium gezeigt hatte. Wie soll ein botanischer Laie Ragwurz, Knabenkraut und Händelwurz erkennen? Welche der auf dem Schild genannten Arten leben wirklich im Naturschutzgebiet? Welche wurden vor vielen Jahren ein einziges Mal in wenigen Exemplaren an einer ganz bestimmten Stelle entdeckt und sind längst wieder verschwunden?

Der Unterschied zwischen Naturschutzgebiet und Naturwald

Das rote Schild zum Naturschutzgebiet „Ith“ ist offenbar so wichtig, dass es gleich noch ein zweites Mal aufgestellt wurde: 

Es ist streng genommen ein Verbotsschild: „Bitte verhalten Sie sich …“, „… darf nur auf Wegen …“, „… Regelungen …“, „… Verordnung …“, Leinenzwang für Hunde. Wenn jemand das Schild tatsächlich lesen sollte, ist er spätestens dann verwirrt, wenn er auf das folgende Schild direkt daneben trifft:

Gibt es hier etwa zwei Naturschutzgebiete? Es gibt tatsächlich zwei:

Der Text auf beiden Schildern ist fast derselbe. Aber einen Unterschied gibt es: Auf dem Schild für das Naturschutzgebiet „Ith“ heißt es:

„Das Gebiet darf nur auf den Wegen betreten werden.“

In dem Naturwald aber gilt:

„Das Gebiet darf nur auf den gekennzeichneten Wegen betreten werden.“

Nehmen wir einen Trampelpfad. Den dürfen Sie in einem Naturschutzgebiet benutzen. Es ist ja ein Weg. In einem Naturwald aber dürfen Sie den nur dann benutzen, wenn er „gekennzeichnet“ ist. Was aber ist eine Kennzeichnung? Gilt ein einzelner Wegweiser als Kennzeichnung? Oder braucht es durchgängige Markierungen, z. B. mit einem X? Wäre es nicht einfacher, man würde bestimmte Wege einfach sperren – mit Schranken oder querliegenden Bäumen oder mit Verbotsschildern wie im Straßenverkehr?

In NRW, nur ein paar km weiter westlich, gilt übrigens in Naturwäldern nur das einfache Wegegebot. Alle Wege – ob gekennzeichnet oder nicht – dürfen benutzt werden, nur querfeldein darf man nicht laufen.

Eines ist in einem Naturwald aber auf jeden Fall verboten: Forstwirtschaft. In einem normalen Naturschutzgebiet ist sie erlaubt. Motorsägen, Harvester, Rückeschlepper, Dienstwagen – in einem Naturschutzgebiet ist das alles nicht verboten. Aber der nördliche Ith ist ein Naturwald, und dort ist es verboten.

Rattenfänger und Teufelsküche

Es gibt noch ein Schild. Es geht nicht um Wanderwege. Auch nicht um Naturschutzgebiete. Es geht um den Rattenfänger von Hameln und die Teufelsküche:

Warum das Schild allerdings hier unten am Waldrand steht und nicht dort, wo es hingehört, nämlich 2 km weiter oben, ist unverständlich.

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Ein Kommentar zu „Naturwald Saubrink-Oberberg im Ith

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