Wurmberg, Weltuntergang und Wiederaufforstung

Harz-Kurier am 9.9.2019

Anfang September 2019 lädt Merker die Presse zu dem 25 ha großen Kahlschlag am Wurmberg ein. Genau dort trifft er sich mit wichtigen Landespolitikern. Der HK berichtet darüber am 9.9.2019: „Landesforsten – Wir haben die Lage nicht im Griff“.

Das Titelfoto zeigt den Kahlschlag. Genau vor dieser Kulisse verwandelt sich Merker in einen Schauspieler und führt ein Theaterstück auf. In einer Nebenrolle ist Stefan Fenner, Leiter des Forstamts Lauterberg, zu sehen. Beide spielen Weltuntergang. Denn von nichts anderem ist die Rede. Die Apokalypse ist nahe:

  • „‚Unsere Leute sind an der Grenze ihrer Kraft‘, so Merker. Das gesamte Wald-Ökosystem zeige sich durch die letzten zwei Jahre beschädigt.“
  • „Merker erinnerte an den Orkan Friederike im Januar 2018, der die Wälder aufgerissen und ‚Zündschnüre‘ für den Borkenkäfer gelegt habe. Zwei Jahre nacheinander sei es extrem trocken gewesen. Diese Bündelung habe es bisher nicht gegeben: ‚Orkan, Trockenheit und wärmster Sommer, diese Kombination hat den Wäldern das Genick gebrochen.'“
  • „Wenig bekannt sei, dass die Lärche vom Schädlingsbefall durch den Großen Lärchenborkenkäfer ebenso betroffen sei wie die Fichte. Die Buche zeige unheimlich schnell Pilz- und Fäulniserkrankungen, so dass dicke Äste und sogar Kronen abfallen würden. […] ‚Das Ausmaß, in dem sie in diesem Jahr abgestorben ist, ist erschreckend‘, sagte Merker.“
  • „Die Situation macht fassungslos und wütend und bedeutet eine mentale Belastung für die Förster, so Merker. Die Landesforsten würden diesen Dauereinsatz nicht ewig durchhalten können.“
  • „Normalerweise fünf Millionen Pflanzen pro Jahr setzen die Niedersächsischen Landesforsten auf 330.000 Hektar Fläche. Deutschlandweit sei die Nachfrage nach Pflanzgut jetzt aber groß, das Angebot knapp, die Preise gestiegen.“

Katastrophaler könnte die Lage gar nicht sein: Die Förster sind gleichzeitig fassungslos und wütend. Sie haben die Lage nicht im Griff. Das aber halten sie nicht mehr lange durch. Pilze, Fäulnis, Borkenkäfer, Orkane, Trockenheit. Extrem. Schlecht. Unheimlich. Aufgerissen. Zusammengebrochen. Dramatisch. Das gesamte Ökosystem Wald ist beschädigt. Was nicht beschädigt ist, dessen Genick ist gebrochen. Fichte, Lärche, Buche – wenn sie nicht schon tot sind, dann sind sie krank. Mindestens. Und die Kronen fallen ab. Erschreckend.

Das aufgeführte Theaterstück macht die vier Zuschauer sprachlos: stumm vor Entsetzen sind die SPD-Landtagsabgeordneten Petra Emmerich-Kopatsch und Dr. Alexander Saipa, Braunlages Bürgermeister Stefan Grote und die Journalistin Ina Seltmann. Sie sprechen kein einziges Wort.

Vielleicht wissen sie aber auch nicht, ob sie lachen oder weinen sollen. Bei der Vorstellung der beiden Schauspieler hätte man nämlich auch in schallendes Gelächter ausbrechen können. Man hätte ihre Aufführung unterbrechen und den beiden mitteilen können, dass man die Absicht erkannt habe und verstimmt sei:

„Hintergrund waren die Haushaltsberatungen des Landtags, die nächste Woche beginnen. […] Die Forstleute gaben den Politikern konkrete Wünsche mit auf den Weg.“

Das Wünschen hat geholfen. Am 16.7.2020 meldet der Harz-Kurier unter der Überschrift Landesforsten machen 27 Millionen Euro Minus:

„Merker zufolge erhalten die Landesforsten in den kommenden sechs Jahren insgesamt 85 Millionen Euro, 10 Millionen Euro davon wurden gerade erst mit dem Nachtragshaushalt beschlossen.“

Merker ist ein brillanter Schauspieler:

„Laut Merker sind die Zahlen aber derzeit nachrangig. Es komme nun ganz entschieden auf die Gesunderhaltung des Waldes an.“

Und der HK spielt das Spiel mit. Wie um zu unterstreichen, wie recht Merker hat und wie notwendig die „Gesunderhaltung“ ist, zeigt die Zeitung einen Wald, den die Landesforsten gerade nicht gesund erhalten dürfen: den NLP Harz.

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