Wurmberg, Weltuntergang und Wiederaufforstung

HK am 12.2.2020 – Futterpflanzen für Hirsche

Vor dem Hintergrund des Versagens der Jagd am Wurmberg stimmt der folgende Zeitungsartikel ein Vierteljahr später sehr skeptisch: Freiwillige pflanzen 37.000 Bäume auf dem Wurmberg. Im Harz scheint man von der Aufforstung förmlich besessen zu sein; auch der benachbarte NLP Harz redet ständig davon. Naturverjüngung spielt immer nur eine Nebenrolle. Und nun setzt das Forstamt nicht Forstarbeiter ein, sondern Freiwillige. Aufforstung kann scheinbar jeder. Auch dazu gibt es leider eine Parallele im NLP Harz; den Kahlschlag am Meineckenberg forsteten nach Kyrill Schüler auf. Die gepflanzten Buchen sind heute alle verbissen.1siehe Wildverbiss auf dem Großkahlschlag am Meineckenberg

Der Leser wird mit Zahlen nur so bombardiert: 37.000 Bäume werden gepflanzt, hunderte Freiwillige im Einsatz, 300.000 ha Wald 2018 und 2019 abgestorben, 1000nde Freiwillige jährlich, 1.500 ha im Forstamt Lauterberg abgestorben, 100 ha davon am Wurmberg. Nur eine Zahl erfährt der Leser nicht: Wie viele ha kann man mit 37.000 Bäumen aufforsten?

Das Kosmos Wald- und Forstlexikon2siehe Pflanzverband, S. 663 weiß Rat:

BaumartPflanzenzahl pro ha
Tanne2.000 -2.500
Buche6.000 – 8.000
Erle4.444

Die Kahlschläge werden mit Schwarzerle, Grauerle und Sandbirke bepflanzt. Nehmen wir die Zahl 4.444, dann reichen die Bäumchen für rd. 8 ha. Das ist nicht einmal ein Zehntel der bislang kahlgeschlagenen Fläche.

Noch eine zweite Frage beantwortet der HK nicht: Was ist ein Vorwaldbaum? Besagtes Lexikon weiß die Antwort:

Vorwald, der: ein zunächst aus raschwüchsigen und anspruchslosen Pionierbaumarten (z. B. Birke, Erle) entstandener oder angelegter, lichter Wald (Bestandsschutzwald), der die Pflanzen der Hauptbaumarten, die später den eigentlichen Wald bilden, schützt.“

Unter Pionierbaumarten lesen wir:

Pionierbaumarten: Anspruchslose Baumarten, die auf Grund ihrer Eigenschaften (z. B. alljährliche Erzeugung großer Samenmengen, leichte Samenverbreitung durch Wind, ein schnelles Jugendwachstum, frühe Kulmination des Zuwachses, geringe Nährstoffansprüche, Fähigkeit zur intensiven Wurzelbildung, Frostunempfindlichkeit, Anpassung an Klimaextreme der Freifläche (Frost, Trockenheit) in der Lage sind, auch unter ungünstigen Klima- und Bodenbedingungen baumlose Flächen v. a. nach Brand, Kahlschlag oder Windwurf als Vorwald zu besiedeln.“

Warum müssen am Wurmberg Pionierbaumarten künstlich gepflanzt werden? Warum reichen die großen Samenmengen und der Wind nicht für eine natürliche Verjüngung? Seit wann muss man ausgerechnet Birken extra anpflanzen? Diese Fragen stellt die Journalistin Natalie Bornemann nicht; sie übernimmt ganz einfach die Presseerklärung des Bergwaldprojekts inklusive Pressefoto.

Pionierbaum Vogelbeere hinter Wildschutzzaun am Wurmberg

Keine fünf Monate später wird der HK berichten, dass schon wieder mehr als 100.000 Bäume gefällt worden sind.3siehe HK am 9.7.2020 – mehr als 100.000 Bäume gefällt Noch einen Monat später sind es 170.000.4siehe HK am 17.8.2020 – 170.000 Bäume gefällt

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