Extinction Rebellion im Steigerwald

„Jede Woche eine wissenschaftliche Revolution: In den vergangenen Tagen haben wir gelernt, dass der Klimawandel Corona verursacht hat und gleichzeitig für Eis und Schnee im Februar verantwortlich ist. Mal schauen, was das Klima noch alles kann.“
Michael Esders

Interview mit Savannah Lovelock and Sarah Lunnon von XR – Sophie Ridge auf Sky News am 6.10.2019

Sarah Lunnon ist Sprecherin von XR und sie ist der unbestrittene Star dieses Interviews, nicht die Moderatorin Sophie Ridge oder schon gar nicht die andere XR-Vertreterin, die unbeholfene und kleinmädchenhafte Lovelock. In seinem Buch Apocalypse Never – Why Environmental Alarmism Hurts Us All schreibt Michael Shellenberger über Lunnon:

„Es war leicht zu verstehen, warum die Leiter von Extinction Rebellion Lunnon als ihre Sprecherin gewählt hatten. Als ich sah, wie sie sich für die Unannehmlichkeiten [der Straßenblockaden] entschuldigte, bezweifelte ich nicht, dass sie es ernst meinte.“1Einleitung, Übersetzung von F.-J. A.

Wie sie bei dieser Entschuldigung ihre rechte Hand auf ihr Herz legt, das ist ganz großes Kino. Dieser Frau möchte man alles glauben: auch dass Milliarden Menschen sterben werden.

Ridge: Nun – wir reden gerade über die Umwelt, und wir werden noch viel mehr über die Umwelt in den nächsten Wochen hören, weil XR – die Bewegung, die das Bewusstsein schärfen will für das Klima und den ökologischen Niedergang – zwei Wochen mit direkten Aktionen in London und anderen Städten in der ganzen Welt plant. Bei uns nun sind Savannah Lovelock und Sarah Lunnon, beide Aktivisten von XR. Danke, dass Sie bei uns in der Show sind! Also – was können wir erwarten in der nächsten Woche?

Lunnon: In der nächsten Woche werden wir die Rebellion zur Regierung bringen und wir werden in Westminster sein und wir werden vor den Regierungseinrichtungen sein und fragen: Wo ist ihr Plan? Das Parlament hat einen Klimanotstand für den 1. Mai erklärt, und nun brauchen wir einen Plan, um damit umzugehen. Also – wo ist der Plan?

Ride: Sie reden davon, dass Ihr Zentrum Westminster sein wird. Sprecher haben in einer Pressekonferenz diese Woche gesagt, dass sie jede einzelne Straße, die nach Westminster hineinführt, blockieren und schließen werden. Nun gibt es ein großes Krankenhaus auf der Westminster Brücke. Sind Sie nicht beunruhigt, ob das Patienten betreffen könnte oder Familien, die ihre Angehörigen besuchen wollen?

 „Wir wollen das nicht tun, aber uns läuft die Zeit davon und das müssen wir jetzt tun!“

Lovelock: Ich denke, es geht um dieses Verständnis für die größere Perspektive. Wir haben Leute auf den Brücken, mit denen man Gespräche führen kann. Wenn es Leute gibt, die da hin wollen, gibt das die Möglichkeit, wenn sie da wirklich hinmüssen, dass man sie durchlässt nach einem Gespräch. Aber es geht um die größere Perspektive: Was kommt auf uns zu und was sind die Risiken, die wir eingehen, und es geht um den Notfall, der kommt. Und man muss unseren Stimmen zuhören. Es tut uns wirklich wirklich leid. Wir wollen das nicht tun, aber uns läuft die Zeit davon und das müssen wir jetzt tun.

Ridge: Sie können nicht garantieren, dass es keine Störungen gibt, dass Notfallfahrzeuge, dass Krankenwagen nicht zum Krankenhaus fahren können, oder?

Lunnon: Okay, es wird sowieso Störungen geben, ob wir die Straßen blockieren oder nicht. Schauen Sie sich den Regen an heute Morgen! Große Störung auf den Straßen!

Ridge: Ich sprach von den spezifischen Störungen …

Lunnon: Es wird mit Störungen verbunden sein, aber unsere Leute werden den Weg frei machen für Krankenwagen mit Blaulicht. Und es gibt Diskussionen mit der Polizei. Sie wissen, was wir tun, und es können Ausweichstrecken zur Verfügung gestellt werden. Aber wenn ein Krankenwagen mit Blaulicht auftaucht, wird jede Straßenblockade von XR-Aktivisten aufgehoben werden. Wir werden aus dem Weg gehen. Daran gibt es keinen Zweifel.

Ridge: Was ist mit Familien? Wir hatten Fälle, nicht wahr? Ich erinnere mich an jemanden im Juli, der nicht am Bett seine sterbenden Vaters in Bristol sein konnte.

„Das bricht einem das Herz!“

Lunnon: Ja, das ist wirklich wirklich unglücklich! Das bricht einem das Herz! Wenn man daran denkt, dann fühlt man sich absolut schrecklich. Es ist ganz ausgeschlossen, dass wir so etwas wollen. Wir sind in eine solche Lage gezwungen worden, weil die Regierung in den letzten 30 Jahren nichts getan hat. Und was kommen wird – denn ein Wandel kommt, ob wir es wollen oder nicht … der Schmerz, den dieser Mann erlitten hat, weil er sich nicht von seinem Vater verabschieden konnte, das ist der Schmerz und die Qual, die wir im Moment erleiden, wenn wir an die Zukunft unserer Kinder denken, weil es wirklich sehr sehr ernst ist.

Ridge: Ich weiß, ich weiß. Ich sage nicht, dass das mit der Umwelt nicht zutiefst besorgniserregend ist, aber sein besonderer Schmerz, seinen Vater nicht zu sehen, er wird möglicherweise nicht denken, dass das vergleichbar war.

„Das Massensterben, der Massenhunger“

Lunnon: Und das verstehe ich vollkommen! Aber was wir tun müssen, ist, das Gespräch zu verlagern von uns als Individuen, wie wir unser individuelles Leben führen, auf den Blick auf das Massensterben, den Massenhunger und das Verhungern, auf den Verlust von Zukunft für alle unsere Kinder. Und unsere Regierungen sprechen es nicht an. Wir haben es versucht, wir haben demonstriert, wir waren Mitglieder der Grünen Partei, wir haben Anträge im Stadtrat gestellt und es gab keine Handlungen. Und nur, weil wir es auf die Straße getragen haben und diese Störung verursacht haben, haben Sie uns in dieses Programm eingeladen. Wissen Sie, nur deswegen haben Sie uns gefragt, hierher zu kommen und zu reden. Also – ich will das alles nicht tun, ich will nicht das Leben von Menschen stören. Aber das Leben auf der Erde stirbt. Die Zukunft unserer Kinder verschwindet vor unseren Gesichtern, vor unseren Augen. Wenn wir nicht stören, passiert nichts.

Lovelock: Diese Störung wird verursacht durch die Leute, die keine Maßnahmen ergreifen. Deshalb müssen Sie sie Ihre Art Fragen fragen.

Ridge: Was wäre dann ein Sieg? Was wäre etwas, von dem Sie sagen können, das ist ein Sieg, wo Sie die Störung absagen könnten. Wo Sie sagen würden, das ist genug!

Lovelock: (lacht)

„Milliarden von Menschen werden sterben!“

Lunnon: Ein Sieg wäre es, wenn der Regierungschef und die Oppositionsparteien zusammenkommen und akzeptieren, dass das Parlament einen Beschluss verabschiedet, der auf unseren drei Forderungen basiert: dass sie die Wahrheit sagen über den Notstand, vor dem wir stehen – das Leben auf der Erde stirbt -, dass sie die extremste Kohlenstoffreduktion anstreben, die möglich ist – nämlich Null Kohlenstoff im Jahr 2025. Und damit sie das möglich machen und diese Ziele legitimieren, müssen wir eine Bürgerversammlung haben und unsere Demokratie aktualisieren. Denn wir haben gesehen, wie sie versagt hat mit dem Brexit. Wir aktualisieren unsere Demokratie, damit diese Pläne verabschiedet werden. Wir machen eine Bürgerversammlung, die das macht. Denn wenn wir das nicht machen, haben wir keine Zukunft. Es ist so einfach! Es ist so gewaltig! Milliarden von Menschen werden sterben. Ich kann nicht glauben, dass ich das sage. Schauen Sie! Ich sehe um mich überall diese elektrischen Geräte; ich kam in einem elektrischen Auto, ich kam durch London und trotzdem stehen wir vor einer Katastrophe und wir müssen handeln.

Ridge: Ich meine, es ist interessant, wenn Sie darüber sprechen, dass einer der Punkte dieses sehr sehr ambitionierte Ziel ist, die Emissionen zu senken. Ich meine, wir brauchen einige ganz schön radikale Richtlinien, nicht wahr, wenn wir das schaffen wollen? Und das werden auch persönliche Opfer sein. Müssen wir darüber nachdenken, ob wir Fleisch essen? Müssen wir über ein komplettes Verbot von Autos nachdenken? Müssen wir über Billigmode nachdenken? Was sind die radikalen Dinge, die wir Ihrer Ansicht nach jetzt ändern müssen?

Bürgerversammlung statt Regierung

Lovelock: Ich denke, es geht um ein Verständnis, was wir persönlich machen in Bezug auf das Verbot von Fleisch und solche Sachen. Wir müssen lokal essen. Wenn wir kein Fleisch essen, müssen wir lokal essen. Wir müssen innerhalb unserer Grenzen essen. Es geht darum zu verstehen, dass wir ständig mehr Ressourcen verbrauchen, als wir dürfen. Es muss also mehr Erziehung geben darüber, was wir nehmen dürfen. Das ist eine Sache für die Bürgerversammlung, die sich darum kümmern kann, welche Rechtsvorschriften erlassen werden müssen. Denn es ist so offensichtlich, dass unsere Regierung das absolut nicht kann. Sie hatten 30 Jahre Zeit, 30 Jahre, um das zu tun und es gibt immer noch nichts. Deshalb brauchen wird eine Bürgerversammlung, um diese Gesetze zu machen.

Ridge: Ich meine, gibt es etwas, um das Sie persönlich gerungen haben? Ich meine, wir können alle mehr in unserem Leben tun, nicht wahr? Haben Sie z. B. eine besondere Vorliebe oder haben Sie etwas, was Sie schwer aufgeben können wie z. B. den Flug nach Amerika oder Europa? Was sind die schwierigen Dinge?

„Wir müssen unser System ändern!“

Lunnon: Es ist sehr schwer, aus der Gesellschaft auszutreten, in der man lebt. Es ist sehr schwer, sich von seinen Freunden und seiner Familie zu trennen, die vielleicht noch fliegen, die Braten essen jeden Sonntag. Wenn du dich trennst, dann wirst du anders und extrem. Und warum sollten Leute auf dich hören, wenn du so etwas bist wie ein New Age Puritaner? Das ist ein harter Kampf. Wenn du dich über das Klima informierst, dann sonderst du dich ab. Aber es geht nicht darum, was du als Individuum tun musst, wir müssen uns ändern, aber wir müssen unser System ändern. Wir können das nicht durch Änderung des individuellen Wahlverhaltens. Und Sie fragten danach, welch Art von extremer Aktion nötig ist. Wir haben einen historischen Präzedenzfall dafür: wir mobilisierten für den Krieg 1939, wir machten große Änderungen in unserer Gesellschaft, aber wir haben es gemacht und wir brachten Menschen zusammen.

Ridge: Sie glauben, dass es so ernst ist wie damals?

Lunnon: Es ist auf jeden Fall so ernst! Ja!

Lovelock: Ich bin gerade 20 geworden. Ich musste die Universität aufschieben. Ich arbeite mit jungen Leuten. Wissen Sie, ich bin zusammen mit diesen 14jährigen. Es ist zum Heulen! Sie sind in einer Welt, sie sind in einer Stadt und sie sind immer umgeben von diesen Menschen, die nicht einmal die Rolle verstehen, die sie dabei spielen, dass die Zukunft den Kindern weggerissen wird. Wissen Sie, ihnen wird gesagt, dass sie sterben werden und die Leute sagen, nein nein, das ist in Ordnung, du wirst nur recyclet, es ist in Ordnung, es ist absoluter … wirklich …

Ridge: Ich möchte zum Schluss kommen, weil ich das getwittert habe, dass ich mit Ihnen reden würde, und ich habe – das muss ich sagen – eine ganz schön überwältigendes Echo bekommen mit Bezug auf Fragen, die ich Ihnen stellen soll. Es gab mehr als 400 Zuschriften. Ich möchte Ihnen ein einen kleinen Einblick in einige der Fragen geben: ‚Wenn sie glauben, dass die Welt in 12 Jahren endet, wie werden sie dann eine Rente haben?‘

Lunnon: Ich werde tatsächlich keine haben.

Lovelock: (lacht)

Ridge: ‚Machen sie irgendeine Art von Folgenabschätzung, wer von ihren Demos beeinträchtigt wird? Beim letzten Mal scheinen Arbeiter am meisten betroffen gewesen zu sein, während Mittelschicht-Demonstranten mit der Polizei Skateboard gefahren sind.‘ Und zum Schluss: ‚Wie hilft es der Umwelt, wenn Menschen daran gehindert werden zur Arbeit zu gehen oder zu Krankenhausterminen?‘ Machen Sie sich keine Sorgen, dass Sie durch diese Störungen dem Anliegen schaden, indem sie Menschen gegen sich aufbringen?

Hungersnot, Leiden, Krieg

Lunnon: Wir haben uns in der Umweltbewegung 30 Jahre lang benommen und haben die Möglichkeiten dort genutzt, um unsere Regierung zur Veränderung aufzufordern, und nichts ist passiert. Das, was eigentlich passiert ist, ist, dass unsere CO2-Emissionen gestiegen sind und das geht immer schneller und schneller. Kein Mensch hat jemals auf diesem Planeten gelebt mit 415 ppm. Das ist 3 Millionen Jahre her. Wir haben damals nicht gelebt. Wir gehen in eine ungewisse Zukunft. Und was funktioniert hat, ist, dass jetzt die Umwelt das drittwichtigste Thema der öffentlichen Sorge ist. Und das liegt daran, dass wir es auf die Straßen gebracht haben und dass wir demonstriert haben und dass wir diese massive Störung verursacht haben. Nichts sonst hat funktioniert. Ja, ich verstehe, dass Menschen Nachteile haben und dass einige Menschen mehr betroffen sind als andere, aber die Veränderung, die kommt, das, was passieren wird, da gibt es kein Entkommen für niemanden: die Hungersnot, das Leiden, der Krieg –  das wird uns alle betreffen.

Lovelock: Und noch etwas anderes sollte dabei berücksichtigt werden: einige Dinge mögen unser Land noch nicht erreicht haben, aber was in anderen Ländern passiert – im globalen Süden, in der Mehrheit der Welt – das ist absolut schrecklich. Wir können nicht hier stehen in einem der schlimmsten Länder – in Bezug auf die Produktion, dieser Konsumismus, der andere Länder betrifft – und nichts tun. Das ist absolut lächerlich! Die Menschen müssen begreifen, was es heißt, ein Weltbürger zu sein, und dass wir alle eine Verantwortung haben. Wir müssen als Individuen und in unseren Gemeinschaften den Ort verstehen, den wir auf dem gesamten Planeten einnehmen, und die Verantwortung, mit der wir handeln müssen.

Ridge: Okay! Herzlichen Dank Ihnen beiden!

Lunnon: Ich wollte nur noch ergänzen … (Ridge erinnert an das Ende des Interviews.) ich weiß … es ist ein Notfall und wir bekommen 10 Minuten, aber Savannah hat so recht damit! Niemand ist mehr auf den Bahamas, aber es ist verwüstet worden wegen unserem Klima-Zusammenbruch. Und darauf sollten wir schauen. Es ist hier und jetzt!

Ridge: Herzlichen Dank Ihnen beiden, dass Sie heute morgen in der Show waren!

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