Kahlschläge am Wüstebach

Realsatire – Pressefotos für das LIFE-Projekt

Am 18. Januar 2012 wurde vom Nationalparkamt eine Pressemitteilung mit dem Titel „Fichten sollen einer heimischen Pflanzenwelt Platz machen“ herausgegeben. Dazu gehörten auch 5 surreale Pressefotos mit bizarren Bildunterschriften.

Hinweis: Da eine Veröffentlichung von Pressefotos auf meiner privaten Webseite rechtlich heikel ist, habe ich 2013 die oben genannten Pressefotos nicht heruntergeladen, nicht auf meiner Webseite gespeichert und dort auch nicht veröffentlicht. Nur die Links zu den Fotos habe ich damals publiziert und meine Leser gebeten, sich diese auf der Webseite des Nationalparks anzuschauen. 2025 habe ich leider feststellen müssen, dass die Presseabteilung des Nationalparks 4 der 5 Fotos samt Text gelöscht hat.

Bild 1

Zitat: „Zur Vorstellung der Bachrenaturierungsmaßnahmen fanden sich am Sauerbach auf der Dreiborner Hochfläche ein: von der Nationalparkverwaltung Gabriela Geitz und Gerd Ahnert, Bettina Krebs von der Biologischen Station Städteregion Aachen e. V. sowie vom Bundesforstbetrieb Rhein-Weser Markus Vollmer und Florian Zieseniß (von links nach rechts).“

Von allen 5 Bildern ist dies das Verrückteste. Da stehen 5 Personen inmitten einer völlig verwüsteten Landschaft. Abgeknickte Baumstämme, abgebrochene Kronen, eine mit Wurzelteller aus dem Boden herausgerissene Fichte. Ein apokalyptisches Bild wie von den Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs. Und die Personen grinsen fröhlich in die Kamera und freuen sich über die gelungene Bachrenaturierung. Projektleiterin Bettina Krebs gibt eine ähnlich tragikkomische Figur ab wie Walter Berglund beim Papppelwaldsängerprojekt.

Bild 2

Zitat: „Am Sauerbach auf der Dreiborner Hochfläche werden nicht heimische Bäume wie die Fichte auf einem bis zu zehn Meter breiten Bachuferbereich mit Harvestern entfernt.“

Das Foto zeigt einen Harvester vom Typ „Ponsse ERGO“. Das 8 m lange und 3 m breite Monstrum wiegt 20,1 Tonnen (siehe „Ponsse Ergo – Stabile Effizienz und Ökonomie“, S. 7). Wo dieses Biest herumgefahren ist, wird der Boden so verdichtet, dass dort nie wieder ein Baum wachsen wird. Zumal feuchte Böden in Bachnähe noch sensibler auf das Gewicht, das Rütteln und das Vibrieren der Maschine reagieren als trockenere Waldböden. (Zum Thema „Bodenverdichtung“ finden Sie hier weiterführende Informationen: „Schädigung des Waldbodens durch Rückegassen“)

Bild 3

Zitat: „Harvester fällen und entasten die Bäume, deren Stämme abgefahren und verwertet werden.“

Im Foto groß zu sehen ist der am Harvester montierte Kran HN 200 (siehe Werbebroschüre „ERGO Harvester“ S. 6). Seine Reichweite beträgt 10-11 m. Folglich müssen die Rückegassen einen Abstand von 20 m haben. Bei einer durchschnittlichen Breite von 5 m verliert man pro ha sofort 25 % des Waldbodens durch die Bodenverdichtung (5 Rückegassen x 5 m Breite). Oder anders ausgedrückt: Auf einem Viertel der kahlgeschlagenen Fläche werden nie Erlen, Moorbirken, Weiden und Eschen wachsen.

Es ist verräterisch, dass 2 der 5 Pressefotos Großaufnahmen von Harvestern zeigen: Sie sind das Lieblingsspielzeug technikverliebter Förster.

Bild 4

Zitat: „Die naturnahe bachbegleitende Pflanzenwelt beheimatet in Zukunft viele heimische und teilweise selten gewordene Tiere.“

Welche Medikamente muss man nehmen, um solche Bildunterschriften zu erfinden?

Bild 5

Link zu Bild 5

Zitat: Mit der Entfichtung der Bachtäler kommt die Nationalparkverwaltung der Zielvorgabe nach, nicht standortgerechte Baumarten zu entfernen und somit heimische Pflanzenarten wie die Erle im Nationalpark zu fördern und zu schützen.“

So also sieht die „Förderung“ und der „Schutz“ von Erlen aus: abgebrochene Stämme und Kronen, eine verlorene Gruppe dürrer, kranker Bäumchen inmitten einer leer geräumten Steppenlandschaft, Wind und Wetter schutzlos preisgegeben.

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