Dystopie – das Löschen der Borkenkäferbekämpfung am Hirschgespreng
Im letzten Kapitel habe ich eine ideale und perfekte Welt, eine Utopie, entworfen. Nun beschreibe ich das Gegenteil, eine Dystopie. In dieser düsteren Welt wird die Vergangenheit kontrolliert wie im Roman 1984 von George Orwell. Winston Smith arbeitet im Ministerium der Wahrheit:
„Seine Arbeit besteht zum größten Teil darin, im Sinne der Partei Geschichtsklitterung zu betreiben, das heißt, unbequeme Fakten und Daten zu manipulieren oder zu löschen und so die historische Wahrheit für die Öffentlichkeit und Nachwelt zu verfälschen.“1Wikipedia – 1984 (Roman)
Das Schlimme ist, dass auch die NPV und ihr Umfeld ähnlich wie das Wahrheitsministerium verfahren: Sie löschen unbequeme Fakten und Daten und verfälschen so die historische Wahrheit. Sie bedienen sich dabei u. a. folgender Mittel:
- Löschen durch Informationsschilder,
- Löschen durch Bücher,
- Löschen durch Wegerückbau,
- Löschen durch Wanderkarten,
- Löschen durch Pressemitteilungen.
Geschichte löschen durch Informationsschilder
Neues Schild 2026
Bereits im vorigen Kapitel hatte ich das folgende Schild vorgestellt, das offensichtlich neu ist.
In diesem Kapitel geht es mir um die Tafel links mit der Überschrift „Zonierung im Nationalpark“:
Hier betreibt die NPV Geschichtsklitterung: Sie lügt nicht. Aber lässt wesentliche Fakten einfach weg. Denn die Naturzone war nicht immer so groß wie heute. 1997, als der NP um das Falkenstein-Rachel-Gebiet erweitert wurde, war die Naturzone dort nur knapp 300 ha groß. Man findet diese Zahl auch noch, wenn man lange sucht und wenn man genau weiß, wonach man suchen muss: Nationalparkplan – Anlageband, Walderhaltungs- und Waldpflegemaßnahmen, S. 6:
„Seit 1997 die Flächen der ehemaligen Naturwaldreservate und Naturschutzgebiete (knapp 300 ha), soweit dort auch bisher keine Borkenkäferbekämpfung oder sonstigen forstlichen Maßnahmen durchgeführt worden sind.“
Der Band macht auch deutlich, wie quälend langsam die Naturzone erweitert wurde:
- 2001: + 900 ha
- 2007: + 700 ha
- 2008: + 570 ha
- 2009: + 310 ha
Der Band erschien 2010 und fasst den damaligen Stand so zusammen:
„Im Falkenstein-Rachel-Gebiet nimmt die Naturzone derzeit 3.093 ha (= 29 % der Fläche) ein. Insgesamt nimmt die Naturzone im Nationalpark derzeit eine Fläche von rund 12.579 ha ein (= 52 % der Fläche des Gesamtnationalparks).“
Erst seit 2022 waren 75% des Parks Naturzone2siehe Nachdenken über Sinner – Teil 2
Altes Schild 2009
Die Geschichtsklitterung des neuen Schildes wird deutlich, wenn man es mit einem alten Schild vergleicht. Das folgende alte Schild hatte ich ebenfalls schon im vorigen Kapitel vorgestellt: 
Wieder geht es mir um die Tafel „Zonierung im Nationalpark“. Sie entsprach damals ungefähr der, die in dem oben erwähnten Band über Walderhaltung- und Waldpflegemaßnahmen beschrieben wird:
Es gab 2009 nicht nur die drei Zonen, die 2026 auf dem neuen Schild erwähnt werden. Auf dem alten Schild gab es noch vier Zonen: Die Entwicklungszone wurde erst 2022 abgeschafft.3siehe auch Zur Ideologie der Entwicklungszonen im Nationalparkplan Das alte Schild informierte auch über ihren Sinn: Sie diente dem „Schutz des Hochlagenwaldes“. Man könnte auch sagen: Sie war erfunden worden zum Schutz des Hochlagenwaldes. Seinetwegen sollte der Borkenkäfer „eingedämmt“ und „seine Ausbreitung verhindert“ werden. Rechtlich geregelt war das durch § 14 der Nationalparkverordnung. Der Paragraf wurde 2022 – nach genau 25 Jahren – abgeschafft.
2009 – zum Zeitpunkt der Aufstellung des Schilds – hatten Größe und Lage der Entwicklungszone dramatische Konsequenzen: In der gesamten östlichen Hälfte dieser Zone fanden damals und in den Folgejahren quadratkilometergroße Sanitärhiebe statt. Auch das Hirschgespreng war betroffen. Es liegt in der südlichsten dunkelbraunen Ausbuchtung rechts an der Grenze zu Tschechien und über dem Rachel, der selbst in der großen Naturzone des Altparks liegt.
Übrigens – das neue Schild verschweigt noch etwas: Die Managementzone war anfangs nur 500 m breit. Auf 1.000 m verdoppelt wurde sie erst 1997: Die Verdopplung der Borkenkäferschutzzone.
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