12 Strategien der PR-Arbeit im Nationalpark

Am 20. März 2012 erfolgt die kurze Antwort des Umweltministers:1

Sehr geehrter Herr Maráz,
für Ihr Schreiben vom 27. Februar 2012 zur Borkenkäferbekämpfung im Nationalpark Bayerischer Wald danke ich Ihnen. Hierzu kann ich Ihnen Folgendes mitteilen:

Die konsequente Weiterentwicklung des Nationalparks Bayerischer Wald entsprechend der Zielsetzung „Natur Natur sein lassen“ ist auch dem Bayerischen Umweltministerium ein großes Anliegen. Er ist der erste und bekannteste Nationalpark Deutschlands. Er genießt in der Region sowie national und weltweit hohes Ansehen und bildet ein Alleinstellungsmerkmal und Zugpferd des Tourismus vor Ort. Aufgrund seines einzigartigen naturschutzfachlichen Wertes besitzt er die Anerkennung durch die internationale Naturschutzorganisation IUCN (The World Conservation Union) und die Auszeichnung durch den Europarat mit dem Europadiplom der Kategorie A.

Ein Nationalpark kann jedoch nur zusammen mit den Menschen in der Region entwickelt werden. Um Befürchtungen in Teilen der örtlichen Bevölkerung entgegen zu kommen, wurde deshalb im Jahr 2007 die Verordnung über den Nationalpark Bayerischer Wald geändert. Insbesondere wurde der Zeitraum zur Erreichung von 75 % Naturzone um zehn Jahre bis 2027 (30 Jahre nach Nationalparkerweiterung) verlängert und eine konsequente Borkenkäferbekämpfung außerhalb der Naturzone auch zum Schutz der an den Nationalpark angrenzenden Wälder festgelegt. Diese Regelungen erscheinen als praktikabler Kompromiss und wurden auch von der IUCN und dem Europarat als vertretbar anerkannt.

Jeder Schritt der Naturzonenerweiterung wird mit dem Kommunalen Nationalparkausschuss, in dem die Landräte der Landkreise Freyung-Grafenau und Regen sowie die Bürgermeister der Nationalparkgemeinden vertreten sind, abgestimmt. Bisher fasste dieses Gremium alle Voten zur Naturzonenerweiterung positiv und einstimmig, was für die hohe Akzeptanz dieser Vorgehensweise vor Ort spricht.

Ich bin überzeugt, dass der eingeschlagene Weg, der in gleicher Weise die Belange des Naturschutzes und der einheimischen Bevölkerung berücksichtigt, der richtige ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Marcel Huber MdL
Staatsminister

 

Huber wählt die Strategien „Sonntagsrede“, „Akzeptanz der Bevölkerung“, „Recht und Gesetz“ und „Experten“. Seine Antwort ist provozierend kurz. Auf die detaillierten Argumenten der Umweltschützer geht er überhaupt nicht ein. Auch das ist eine Strategie: Ignorieren. Huber weiß: Er kann die Kritik auf die leichte Schulter nehmen. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe:

  1. Die Forderung nach einem Stopp der Kahlschläge kommt fünf Jahre zu spät. Begonnen haben sie gleich nach Kyrill 2007.2
  2. Am gefährlichsten von den Unterzeichnern ist Greenpeace. Aber die beschränken ihre Kampagnen auf die Buchenwälder im Spessart. Öffentlichkeitswirksame Aktionen wie das Anketten an Bäume3 sind von Greenpeace nicht zu erwarten.
  3. Der NABU ist nicht kampagnenfähig. Unter Förstern kursiert das Bonmot, der NABU sei ein Verein von Rentnern, die sich Vögel angucken wollen.
  4. Die ROBIN-WOOD-Fachgruppe Wald wird sich zwar im März 2012 bei einer Wanderung zum Lusen, an der auch ROBIN-WOOD-Förderer Hans Bibelriether teilnimmt, vor Ort informieren und darüber im Vereinsmagazin einen lesenswerten Artikel verfassen4. Eine öffentliche Aktion von ROBIN-WOOD-Aktivisten aber braucht Huber nicht zu befürchten.
  5. Der Bund Naturschutz, mit 210.000 Mitglieder der größte Umweltverband Bayerns, gehört nicht zu den Unterzeichnern. Jens Schlüter, Geschäftsführer der Kreisgruppe Regen, unterzeichnet nicht als offizieller BN-Vertreter.5 Der Vorsitzende Hubert Weiger zählt zu den guten Freunden von Karl Friedrich Sinner.6

Schluss

2014 verleiht der Vorsitzende des Bund Naturschutzes, Hubert Weiger, dem ehemaligen Leiter  des Nationalparks7 Karl Friedrich Sinner die Reichswald-Medaille.8

 

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  1. Sie können eine Kopie des Originals hier herunterladen: Antwort von Umweltminister Huber []
  2. siehe Ultraviolence []
  3. siehe Borkenkäferkrieg im Böhmerwald, Grafenauer Anzeiger vom 4. August 2011 []
  4. Annette Littmeier, Grün, grün, grün muss er sein, April 2012, S. 22-27 []
  5. siehe Schlüters Homepage Waidlerherz []
  6. persönliche Mitteilung von Eva Pongratz, Chefredakteurin der Zeitschrift „Nationalpark„ []
  7. Sinner geht am 1.5.2011 in Pension. []
  8. siehe Nürnberger Zeitung vom 21.7.2014 []