Das Sterben der Fichten in den Protokollen 2015-17
2015 macht der Ausschuss einen Waldbegang zum Thema „Forstliche Behandlung der Fichtenbestände“.
„Herr Uwe Müller weist auf die Anfälligkeit der reinen Nadelhölzer,[sic] bei Stürmen, Trockenheit und Klimawandel,[sic] anhand von Waldbildern hin. Unter diesen Faktoren laufen die Waldbesitzer für die Zukunft Gefahr, dass große Bestände der alten Nadelhölzer zerstört werden und somit verloren sind. Daher ist es wichtig, mit der nächsten Generation stabile Mischwaldbestände heranzuziehen […].“
Herr Müller vergisst in seiner Aufzählung Schneebruch. Auch dafür sind Nadelhölzer anfällig. Dass sie bei Stürmen leicht umfallen, weiß man in NRW allerspätestens seit Vivien und Wiebke. Auch dass der Käfer in heißen, trockenen Sommern leichtes Spiel hat, ist Lehrbuchwissen der Forstwissenschaft. Erinnert sei z. B. an die Große Wurmtrocknis im Harz 1768–1799. Aber selbst wenn die Fachleute im Ausschuss dies vergessen haben sollten: Bestimmt erinnern werden sie sich an das große Fichtensterben im Nationalpark Bayerischer Wald in den 80er Jahren.1siehe Das Fichtensterben am Lusen Es sorgte damals bundesweit für Schlagzeilen. Warum die Warburger „Waldbesitzer“ also nicht schon seit vielen Generationen „stabile Mischwaldbestände heranziehen“, bleibt das Geheimnis des Forstausschusses. Die gefährliche „Zukunft“, vor der Müller warnt, ist nur noch drei Jahre entfernt. In Warburg werden dann nicht nur „große Bestände“, sondern alle „alten Nadelhölzer zerstört werden“.
2016 widmet sich der Ausschuss ganz dem Thema Jagd. Man möchte meinen, dass dies eigentlich immer der Fall ist, denn schließlich finden die Sitzungen immer in der „Kleinen Jagdhütte“ im Revier „Jägerpfad“ statt. Und wie in jedem Jahr, so geht es auch 2016 um die „Künftige Vermeidung von Verbissschäden“. Notabene: Verbissschäden werden immer „künftig“, also nicht jetzt vermieden. Die Fichte scheint 2016 allerdings keine Rolle zu spielen; die Fichte wird auch nicht verbissen. Nicht nur böse Zungen meinen, dies sei der Grund für ihre Beliebtheit bei Förstern.
2017 stellt Forstamtmann Uwe Müller auf dem Waldbegang fest:
„Station I zeigt einen 65-jährigen Fichtenbestand mit sehr hohem Zuwachs. Dies ist betriebswirtschaftlich sehr erfreulich. Es wird darauf hingewiesen, dass dieser reine Fichtenbestand aber auch anfällig gegenüber Sturm und Käfer ist. […] Die Stationen III und IV zeigen gesunde, stabile Mischbestände mit den Baumarten Lärche, Buche, Fichte und Eiche.“
Exakt dieselbe Wortwahl wie 2015: Wieder „weist“ Herr Müller „hin“. Keine vier Monate vor Friederike warnt der Fachmann vor Sturm und Käfer. Ansonsten aber „sehr erfreulich“.
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