Cornelius Meyer-Stork und sein Erholungswald

Brennholz und Selbstwerber

Als wir unten im Tal sind und ich die kleinen Weißtannen bestaune, plärrt im Hintergrund die ganze Zeit eine Motorsäge. Fast entschuldigend erklärt mir Meyer-Stork, dass das ein Selbstwerber ist. Er verkauft sehr viel Brennholz. Das Brennholzgeschäft sei eigentlich für den Wald super, denn sie können einzelstammweise irgendwo mal was rausnehmen, legen das an den Weg, und dann kommt da ein Selbstwerber hin und der nimmt dann die Stämme. Er muss das nicht zusammenfahren und poltern und sich um den weiteren Abtransport und Verkauf kümmern. Das ist eigentlich für den Wald sehr gut; das ist nichts Schlimmes, das ist Holz der kurzen Wege.

Schadholz und Selbstwerber

Meyer-Stork sitzt nicht im Büro und gibt Anweisungen. Er arbeitet persönlich im Wald und macht das Laubholz selber. Nur einen Mitarbeiter hat er – einen Minijobber auf 538 €-Basis. Er ist stolz darauf, dass sie die Waldarbeit hier selber machen. Das ist auch der Grund dafür, dass man im Laubwald nur sehr wenige Rückegassen findet, Sie haben auch einen eigenen Rückeschlepper, einen alten MB-Trac und mit langen Seilen.

Mit dem Schadholz aber waren sie beide überfordert, das konnten sie nicht – ganze Hänge mit der Motorsäge, das geht nicht. Da gab es dann die Möglichkeit, die man etwas missverständlich auch Selbstwerbung nennt. Das ist deswegen missverständlich, weil es mit der Brennholz-Selbstwerbung nichts zu tun hat. Es geht nicht um ein, zwei oder drei Baumstämme, die schon am Weg liegen, sondern es geht um ganze Hänge voll mit noch stehenden toten Fichten. Da kann man dann mit einer Firma einen Selbstwerbungsvertrag für die toten Fichten einer bestimmten Fläche machen. Der Selbstwerber kauft das Schadholz und übernimmt die ganze Arbeit von Anfang bis Ende: Bäume fällen, aufarbeiten, rücken, abtransportieren und verkaufen. Der Selbstwerber wiederum setzt Dienstleister ein, die dann mit diesen großen Maschinen anrücken und Tabula rasa machen. Das sei bei ihm auch passiert. Die arbeiteten sogar nachts. Da war hier richtig was los – so wie bei der Mondscheinlandwirtschaft.  

Er ist froh, dass das vorbei ist, dass das ausgestanden, dass das Ding durch ist und dass jetzt wieder Ruhe eingekehrt ist. Denn es war furchtbar. Es gab nur Ärger. Man kriegt hier irgendeine Firma vorgesetzt und dann werden die Wege ruiniert und Schilder kaputt gemacht und Bäume beschädigt, die an den Wegrändern stehen. Dann schmeißen die irgendwelche Sachen irgendwohin und man muss sich um alles Mögliche kümmern. Das war unglaublich. Es war gruselig, aber was sollte er denn sonst machen, er konnte ja nicht alles stehen lassen.

Einen Vorteil hat die Selbstwerbung dann aber doch und der ist, dass er dann für die Aufarbeitung des Holzes keine Mehrwertsteuer zu bezahlen braucht. Das ist ein steuerlich anerkanntes Verfahren und keine Steuerhinterziehung, sondern ist ein ganz normales Verfahren. Die Alternative zur Selbstwerbung wäre gewesen, sich irgendeine Firma zu suchen und der zu sagen, arbeitet mir mal das Holz auf, dann bezahle ich euch das. Wenn das Holz dann am Weg liegt, dann verkauft er das. Dann hat er aber diese 19% MwSt dazwischen, d. h. er muss für die Aufarbeitung Mehrwertsteuer bezahlen. Und deswegen entscheiden sich viele für die Selbstwerbung.

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