Schirmschlag im Buchenwald in der Mitte des Brinkmannwaldes

Verkrautung verhindert Naturverjüngung

In der WAZ vom 22. Februar 2014 spricht Förster Herber davon, dass „man nun abwarten wolle, dass sich der Wald von selbst verjüngt“. Aber der Wald verjüngt sich hier nicht. Dem Förster müsste doch die meterhohe Schicht aus Brombeeren aufgefallen sein, die den Waldboden bedeckt und für Buchenkeimlinge undurchdringlich ist. Fachleute sprechen von „Verkrautung“ und „Bodenverwilderung„.

Brombeeren verhindern jede Naturverjüngung

Forstexperte Eduard Reusser warnt eindringlich: „Ist der Boden bereits mit Brombeeren und Himbeeren bewachsen, eignet sich eine Lichtwuchsdurchforstung nicht. Im Gegenteil, hier sollte keine weitere flächige Auflichtung erfolgen“1. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen Ulrich Wasem und Koni Häne am Beispiel der Verjüngung von Stieleichen: „Innerhalb von drei bis vier Jahren überwucherten Brombeeren die sechs Flächen vollständig“.2

Brombeeren- und Holundergestrüpp auf Lichtinsel um Hochstubben in der Mitte

 

Wäre die natürliche Verjüngung von Laubbäumen im Wald möglich – sie wäre längst da. Denn das Kronendach war bereits vor dem Lichtungshieb nicht lückenlos geschlossen und Sonnenlicht drang schon in der Vergangenheit auf den Waldboden. An zwei Stellen klaffen zudem nach Kronenabbrüchen große Lücken im Kronendach. Auf den Lichtinseln konnten nur Holunderbüsche das Brombeergestrüpp durchdringen. Laubbäume hatten hier überhaupt keine Chance. Die „Kraut- und Strauchschicht“, die sich laut Förster Herber erst zukünftig dank seiner „Waldpflege“ entwickeln soll, ist längst da: In der Krautschicht herrscht die Brombeere, in der Strauchschicht der Holunder. Ein Försteralbtraum!

Brombeeren- und Holundergestrüpp auf Lichtinsel um Buche mit Kronenabbruch halbrechts

Es fällt auf, dass ausgerechnet Herber, dem das Abholzen nicht schnell genug gehen kann, im WAZ-Artikel vom 26.2.2014 die empörten Anwohner zur „Geduld“ mahnt: Für die Naturverjüngung brauche es „Zeit“. Herber verschiebt die Naturverjüngung auf den St. Nimmerleinstag. Wollte er ernsthaft für Buchennachwuchs sorgen, müsste er zunächst die Brombeeren von Hand entfernen und dann tausende Buchensetzlinge aus Baumschulen künstlich anpflanzen. Diese hätten dann einen Wuchsvorsprung vor den Brombeeren. In den Folgejahren müssten die Brombeeren erneut von Hand zurückgeschnitten werden, bis die Buchen den Brombeeren entwachsen sind und diese ausdunkeln. Ein solches Verfahren wäre sündhaft teuer: Allein die Pflanzung von 1 ha Laubwald kostet durchschnittlich 10.000 €.3

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  1. Reusser, E. [2013]: Die Lichtwuchsdurchforstung und späte Durchforstungen im Laubbaumholz. Berner Wald 44, 2: 9-13, Hervorhebungen von mir []
  2. Wasem, U.; Häne, K. [2006]: Einflüsse von Mäusen, Rehen und Brombeeren auf natürlich verjüngte Stieleichen. – Wald Holz 87, 3/06: 49-51 []
  3. siehe Wilhelm Bode, Das NRW-Bürgerwald-Konzept, 2010, S. 40 []