Förster Herber und die Verkehrssicherung

Baumschützer Porwol und die Verantwortung für die Sicherheit

Norbert Porwol ist Vorsitzender der Baum- und Grünschutzinitiative. In der gedruckten Ausgabe der WAZ vom 26.2.2014 beklagt er „Versäumnisse der letzten 30 bis 40 Jahre … Hätte man damals schon etwas getan, gäbe es jetzt bereits die angestrebte ‚Etagenbildung‘ in dem Wald“. Offensichtlich ist Porwol mit Förster Herber einer Meinung: Ein Wald muss „altersdurchmischt“ und mehrere „Etagen“ haben. Nur: Warum? Wer stellt solche Forderungen auf? Wer bestimmt die Maßstäbe, nach denen sich ein Wald gefälligst zu richten hat? In Stadtwald von Lübeck und von Göttingen geht man ganz anders vor: 10% der Wälder bleiben unbewirtschaftet. Diese Wälder, in denen Natur Natur sein darf, sind das Vorbild für die Bewirtschaftung, nicht eine fixe Idee in den Köpfen von Forstbeamten.

Für Norbert Porwol ist „aus Sicherheitsgründen … die Durchforstung nötig, er würde die Verantwortung auch nicht tragen wollen, es bleibe die Frage nach dem Ausmaß.“1 Zu den vorgeschobenen „Sicherheitsgründen“ habe ich weiter oben schon das Nötige gesagt. Interessant ist sein Hinweis auf die „Verantwortung“. Porwol reagiert damit auf die Frage, die einem Förstern in Diskussionen über Verkehrssicherung immer stellen – auch Frau Olejniczak stellte sie uns: „Wollen Sie die Verantwortung tragen für Unfälle?“ Es ist eine Killerfrage, ein Totschlagargument, das zum Gesprächsabbruch führen soll.

Sicherheitsparanoia am Schrülkampweg (rote Pfeile = zu fällende Bäume)

Und doch kann man die Frage beantworten: Es gibt Risiken, die unvermeidlich sind und die wir alle jeden Tag eingehen, ohne darüber nachzudenken. Dafür gibt es unzählige Beispiele: Warum gibt es eigentlich keine Sicherheitskontrollen an Schulen? Warum wird nicht jeder Schüler und Lehrer beim Betreten des Gebäudes untersucht wie am Flughafen? Sind Sie je auf die Idee gekommen, dem Schulleiter deswegen die Frage zu stellen: „Wollen Sie die Verantwortung übernehmen für einen Amoklauf?“ Und weiter: Warum gibt es keine Sicherheitskontrollen in Zügen? Oder im Theater? Im Kino? Hunderte von Menschen auf engstem Raum – ein ideales Ziel für Terroristen! Würden Sie dem Kinobesitzer vorwerfen, dass er aufgrund fehlender Personenkontrollen die Verantwortung übernimmt für einen Terroranschlag? Würden Sie einem Besitzer eines Hauses mit Ziegeldach vorwerfen, dass er die Verantwortung trägt, wenn bei einem Sturm Passanten von herabfallenden Ziegeln seines Hauses erschlagen werden?

Das gilt auch für den Wald: Vor kurzem bin ich im Nationalpark Harz von Ilsenburg aus durch das Ilsetal auf den Brocken gewandert. Der Weg zählt zu den am häufigsten gegangen Wanderwegen im Harz. Das Ilsetal ist ein wildromantisches Tal mit uraltem Baumbestand. Überall zeugen abgebrochene Baumruinen davon, wie viele Bäume in unmittelbarer Wegnähe hier akut bruchgefährdet sind. Schiefe, uralte, absterbende Buchen mit verfaulendem Stamm und toten Ästen wachsen am Felsen direkt über dem Weg! Wenn Förster Herber hier Verkehrssicherung betreiben wollte, müsste er jeden zweiten Baum fällen. Oder besser noch gleich 50 Meter links und rechts vom Weg alles kahlschlagen. Teilweise führt der Weg direkt an abgestorbenen Fichtenwäldern vorbei, wo die ausgetrockneten Fichtenstämme extrem bruchgefährdet sind. Wohlgemerkt: Und das bei einem Weg, den jährlich mehrere Tausend Wanderer gehen – ein Albtraum für Sicherheitsfanatiker! Das Nationalparkforstamt hat nur eines gemacht: Es stellt Warnschilder auf, dass das Betreten des Wanderwegs auf eigene Gefahr erfolgt. Mehr nicht. Offensichtlich hat das Forstamt keine Probleme damit, die „Verantwortung für Unfälle“ zu übernehmen.

direkt am Wanderweg umgestürzte abgestorbene Fichten

 

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  1. Hervorhebungen von mir []