Pures Naturerlebnis im Naturpark Solling-Vogler

Kommentar

Über die Antwort von Herrn Metje habe ich mich gleich aus mehreren Gründen sehr gefreut:

Freundlichkeit und Verständnis

Leider habe ich mit Förstern viele unangenehme Erfahrungen gemacht. Einige reagieren gar nicht auf einen Brief. Versucht man es telefonisch, sind sie nicht zu erreichen oder lassen sich von der Sekretärin verleugnen. Wenn sie überhaupt auf Kritik antworten, so sind einige unwirsch, andere schroff, wieder andere genervt oder oberlehrerhaft. Revierleiter Metje ist ganz anders: Er entschuldigt sich für die späte Antwort und bedankt sich für meinen Brief. Er tut dies sogar zweimal: einmal am Anfang und einmal am Ende seines Schreibens. Er schreibt sogar ausdrücklich, dass er sich über meinen Brief gefreut hat. Und nicht nur das: Er hat sogar Verständnis für meine Reaktion. Und er hat nicht nur teilweise Verständnis, sondern vollstes Verständnis. Ich muss gestehen: Ich habe diesen Satz mehrfach gelesen. Aber er steht da wirklich.

Zum Schluss seines Briefes zeigt sich Metje offen für weitere Fragen und  für Gespräche vor Ort. Auch das habe ich leider häufig anders erlebt: Einige Förster, die kurz und knapp ein paar Fragen in einem Brief beantwortet haben, werden ungehalten, wenn man es wagt, dann noch einmal nachzufragen.

Ausführlichkeit

Ich habe es mehrfach erlebt: Zur Geschichte eines Waldbestands äußern sich viele Förster nicht. Herr Metje tut es sogar unaufgefordert. Die Fichten sind 49 Jahre alt und stehen auf einem ehemaligen Acker, der mit Fichten aufgeforstet wurde. Das passt sehr gut zu den Satellitenbildern und Karten, die zeigen, dass sich im Norden, Süden und Westen des Forsts Äcker befinden.

© OpenStreetMap-Mitwirkende, CC BY-SA

Außerdem beruhigt diese Information und zerstreut Befürchtungen: Hier wurde kein Buchenwald abgeholzt, um mit schnell wachsenden Fichten schnelles Geld zu verdienen.

Erklärungen

Wie häufig habe ich von Förstern auf meine Fragen diese Antwort bekommen: „Es handelt sich um eine ganz normale Durchforstung.“ Punkt! Schluss! Aus! Ende der Diskussion! Auch hier unterscheidet sich Herr Metje sehr wohltuend von seinen maulfaulen Kollegen. Zwar verweist auch Metje auf die Normalität der Durchforstung. Aber er erläutert die Maßnahme mit mehreren Sätzen und der Hinweis auf die Pflanzung von Buchen im nächsten Jahr stimmt hoffnungsfroh. Auch der Hinweis auf das LÖWE-Programm, auf das sich die niedersächsische Landesregierung im August 1991 festgelegt hat, ist stimmig. Der  2. Grundsatz trägt den Titel „Laubwald- und Mischwaldvermehrung“ und darin steht:

„In den Landesforsten sind zur Erhöhung und zum Schutz der Artenvielfalt in größtmöglichem Umfang Mischwälder zu erziehen. In Anpassung an die jeweiligen ökologischen Verhältnisse genießt die Vermehrung von Laubmischwald einen Vorrang. […] Der Anteil der Nadelbaumarten […] soll sich […] von 60 % auf 35 % verringern.“

Warum aber die Landesforsten in Niedersachsen die montanen Fichten-Tannen-Buchen-Bergmischwälder nachbauen, die selbst in den Alpen natürlicherweise erst in Höhen von 700 -1400 m ü. NN1 vorkommen, muss ich nicht verstehen. Es liegt wohl nicht an den ökologischen Verhältnissen Niedersachsens oder der heimlichen Sehnsucht der Förster nach Berchtesgaden. Der Grund für die Liebe zur Fichte ist der Bedarf an Bau- und Industrieholz, auf das Herr Metje verweist. Aber selbst dieser Hinweis von ihm stimmt versöhnlich: Das schöne Fichtenholz endete wenigstens nicht als Hackschnitzel und wurde nicht verbrannt.

Und noch eines hat mich sehr versöhnlich gestimmt: Es gibt Forstämter, die mit solchen Fichtenreinbeständen kurzen Prozess machen und sie ganz einfach kahlschlagen. Irgendeinen Vorwand findet man immer und die Preise für Hackschnitzel sind gerade günstig. Metje dagegen läßt dem Bestand Zeit: Er fällt nur die schlechten Bäume und gibt den guten Zeit, sich weiter zu entwickeln.

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  1. Th. Peer, W. Lippert, H. Wunder, J. Seidenschwarz, Die Pflanzenwelt des Nationalparks Berchtesgaden, Berchtesgaden 2003, S. 11 []