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Wie alt sind die Buchen der Westendorfer Egge?
Die NW-FVA bietet zwei Informationsportale an, um diese Frage zu beantworten:
- die Naturwald-Infos und
- das NWE-NI-Info-Portal.
zu 1: Die Naturwald-Infos
In der Tabellen- und Kartenform der Naturwald-Infos kann man sowohl einen Steckbrief als auch ein Kurzportrait des Naturwalds Egge herunterladen. Die Daten des Steckbriefs sind leider ziemlich geheimnisvoll:
Das Kurzportrait hilft weiter:
„In allen vier Teilflächen wird das Waldbild von über 100-jährigen Buchenbeständen geprägt, die allerdings im Bereich der Westendorfer Egge nur noch als lichter Überhalt über einer ansonsten komplett verjüngten Fläche stehen (Abb. 3)“
Was aber bedeutet der Fachbegriff „Überhalt“ im Zitat oben? Damit ist die oberste der drei Baumschichten gemeint. Ein anderes Wort wäre Oberbestand oder auch Oberstand. Es ist diejenige Baumschicht, die von der vorherigen Baumgeneration „übergehalten“ wird. Es ist das, was von dieser „übrig“ ist. Die alte Generation ist – je nachdem, wie viele alte Bäume stehen gelassen werden – mehr oder weniger „aufgelöst“. Das Kosmos Wald- und Forstlexikon erklärt den Begriff des „Überhälters“ so:
„Überhälter, der: auch Oberständer; ein einzeln stehender, erwachsener Baum oder eine Baumgruppe, der (die) nach Abschluss der Verjüngung, d. h. nach Abtrieb eines Waldbestandes, belassen wird und zur Starkholzzucht (bzw. zur Wertholzzucht starker, wertvoller Nutzholzstämme) dient. Überhälter sollen aber auch die nachwachsenden Jungpflanzen schützen.“
An der Westendorfer Egge sind also einzelne große und dicke Buchen über 100 Jahre alt, der Rest ist jünger. Wie alt die Überhälter nun genau sind, geht aus Abb. 3 leider nicht hervor. Da die Daten inzwischen 26 Jahre alt sind, könnten sie über 220 Jahre alt sein.1zum Fachbegriff des Überhalts siehe auch meine Lexikonartikel Überhälter und Schirmschlag
Fotos von Überhältern der Westendorfer Egge
Unter den vielen Buchen an der Westendorfer Egge fallen einige wenige Exemplare auf: Sie sind dicker als die vielen anderen und ihre Borke ist dunkler und rauer als die silbergraue, helle und glatte Borke der übrigen. Außerdem fallen sie durch Mikrohabitate2siehe Vorteile der Baummikrohabitate für Bürgerinitiativen auf: abgestorbene und/oder abgebrochene Äste, Höhlen, abgesplitterte Borke, Moosbewuchs u. v. a. m. In einem Wirtschaftswald wären sie für Habitatbäume prädestiniert. Offenbar sind diese Altbuchen die Überhälter. Sie sind mit einem „Ü“ markiert.
zu 2: Das NWE-NI-Info-Portal
Wie alt nun die Überhälter an der Westendorfer Egge sind, das erfahren wir auch nicht im NWE-NI-Info-Portal. Bedauerlicherweise. Aber wie alt die „komplett verjüngte Fläche“ unter ihnen ist, das immerhin – das erfahren wir ziemlich genau! Dazu öffnen wir die Karte und zoomen auf die Westendorfer Egge.
Die Fläche des Naturwalds ist eine Teilfläche der NWE-Fläche und liegt im Norden zwischen dem Kammweg am Steinbruch und dem ersten Wanderweg am Südhang. Klickt man nun beispielsweise auf einen Punkt direkt unterhalb der Westendorfer Egge, öffnet sich ein rot eingerahmtes Polygon:
Die roten Linien markieren die Grenzen einer Waldunterabteilung. „9.1615:52.2129“ sind die geografischen Koordinaten des Längen- und Breitengrads in Dezimalgrad (DG).3Bei Google-Maps müsste man „52.2129, 9.1615“ eingeben – zuerst die Koordinaten des Breiten-, dann des Längengrads. Das Alter der Hauptbaumart Buche wird mit 90 Jahren angegeben. Zu dieser Altersangabe hatte ich Dr. Peter Meyer zwei Fragen gestellt:4siehe Offener Brief an Dr. Peter Meyer, Leitung Abt. Waldnaturschutz NW-FVA
- Wie aktuell sind die Altersangaben für die Bäume?
- Die Bäume einer Unterabteilung sind unterschiedlich alt. Auf welche Bäume bezieht sich die Altersangabe?
Die erste Frage hatte Dr. Meyer schriftlich beantwortet:
„Im Schnitt müssten Sie 12 Jahre hinzurechnen, um auf das Alter im Jahr 2026 zu kommen.“5siehe Antwort von Dr. Peter Meyer (NW-FVA)
Die zweite Frage beantwortete Dr. Meyer telefonisch6Das Telefonat fand am 22.6.2026 statt.: Die Altersangabe stammt aus der Forsteinrichtung des zuständigen Forstbetriebs. In der Forsteinrichtung gibt es den Überhalt, den Hauptbestand und den Nachwuchs. Die Altersangabe bezieht sich auf den Hauptbestand. Dieser ist definiert als die dominante Schicht, die Schicht der dominanten Bäume im Kronenraum. Es ist die Baumgeneration, auf die hin gewirtschaftet wird. Das Kosmos Wald- und Forstlexikon erklärt es so:
„Der Hauptbestand wird von den herrschenden Stämmen gebildet, d. h. von jenen Stämmen, die den oberen Kronenschirm bilden, im Gegensatz zu dem Nebenbestand, der die unterdrückten und überwachsenen, also die beherrschten Bäume umfasst. Wenn der Deckungsgrad der obersten Bestand(e)sschicht mindestens 5/10 beträgt, ist diese stets Hauptbestand.“
Der Hauptbestand darf nicht verwechselt werden mit dem Überhalt. Letzterer ist der Rest der vorherigen Baumgeneration. Der Hauptbestand aber ist die aktuelle Baumgeneration, die Generation nach dem Überhalt. Oder anders formuliert: Die Überhälter sind die Mutterbäume des Hauptbestands.
Die Buchen des Hauptbestands in der rd. 2 ha großen Unterabteilung südwestlich der Westendorfer Egge sind also rd. 100 Jahre alt. Die Hauptbestände der anderen Unterabteilungen im Naturwald an der Westendorfer Egge sind ähnlich alt:
| Größe (ha) | Alter |
| 1,06 | 78 |
| 2,15 | 90 |
| 1,5 | 84 |
| 1,62 | 84 |
| 2,71 | 90 |
| 1,8 | 78 |
| 0,64 | 90 |
Tab.: Größe der Unterabteilungen des Naturwalds an der Westendorfer Egge und Alter des Hauptbestands
Zum Alter müssen jeweils noch 12 Jahre7siehe oben hinzuaddiert werden.
Fotos des Hauptbestands der Westendorfer Egge
Probleme mit dem Alter eines Waldes
Dr. Meyer macht auf die verzwickten Probleme aufmerksam, die man hat, wenn man das Alter eines Waldes angeben möchte. So hat man immer eine gewisse Heterogenität auf der Fläche – sowohl horizontal als auch vertikal. Die Bäume in der einen Ecke sind vielleicht älter als die in der anderen. Und dort hinten stehen mehrere 60jährige Stieleichen und hier vorne einige 40jährige Winterlinden. Und dann gibt es die verschiedenen Baumschichten: die kleinen Bäumchen am Waldboden sind selbstverständlich viel jünger als die großen Bäume, die den Kronenschirm bilden.
Das führt dazu, dass in der Forsteinrichtung für eine Unterabteilung 20 oder sogar 30 Zeilen stehen: für jede Baumart und für jede Schicht eine eigene Zeile. Wie soll man jetzt eine einzige Zahl nennen? Welche der vielen Zahlen soll man nehmen? Man könnte den Durchschnitt bilden. Ein Wald wäre dann z. B. 75 Jahre alt, wenn die eine Schicht 50 und die andere 100 Jahre alt ist. Was aber, wenn die eine Schicht doppelt so groß ist wie die andere? Dann müsste man gewichten: [2 x 50 + 1 x 100]/3 Also wäre der Wald 67 Jahre alt? Ob Durchschnitt oder gewichteter Durchschnitt: Das sind Zahlen, die nur auf dem Papier existieren. Und deshalb hat sich die NW-FVA für den Hauptbestand entschieden.
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