Faktencheck: Umweltverbände

Vorwurf 1: Die Umweltverbände treiben zu viel Aufwand für den NLP!

Mergner stellt die rhetorische Frage:

„Ist der enorme personelle und finanzielle Aufwand, der seitens der Umweltverbände in die Ausweisung weiterer Nationalparke gesteckt wird, richtig eingesetzt?“1

Richtig ist:

Der Einsatz der Umweltverbände ist notgedrungen sowohl personell als auch finanziell sehr beschränkt. Es fehlen an allen Ecken und Enden Gelder und Personen. Für einen NLP Steigerwald sind drei große Umweltverbände aktiv:2

  1. der Bund für Naturschutz in Bayern (BN),
  2. der WWF Deutschland,
  3. der Landesbund für Vogelschutz (LBV).

Die drei Verbände leiden unter chronischer Finanznot. Für eine Kampagne mit hunderten von Plakaten in Regionalzügen und S-Bahnen, wie sie im Dezember 2015 von der Gregor Louisoder Umweltstiftung finanziert wurde, fehlen ihnen die Mittel. Zurzeit kratzen BN und LBV gerade ihr letztes Geld zusammen, um die Rechtsanwälte für den Prozess um den Geschützten Landschaftsbestandteil (GLB) „Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst“ zu bezahlen.3 Der BN kann sich nur einen einzigen Waldreferenten leisten: Ralf Straußberger. Dieser hat keinen Stab bezahlter Mitarbeiter. Hätte er ihn, hätte dieser z. B. die Steilvorlage durch den Aufsatz von Mergner mit einer großen Medienkampagne nutzen können. Aber es gibt diese Mitarbeiter nicht und so hat es vom BN keine Reaktion auf den Aufsatz gegeben.

Es gibt in Deutschland überhaupt nur zwei Personen, die exklusiv und hauptamtlich für einen NLP Steigerwald arbeiten und dafür auch richtig entlohnt werden: Ulla Reck und Günther Oltsch vom Informationsbüro des Freundeskreis Nationalpark Steigerwald. Das kleine Büro hat seinen Sitz in Ebrach und wird von zahlreichen Verbänden – darunter auch wieder der BN, der WWF und der LBV – mit Spendengeldern finanziell am Leben erhalten.

Der Freundeskreis finanziert auch das GPS-Projekt im Steigerwald, bei dem im 775 ha großen GLB dicke Buchen vermessen und kartiert werden: Diese Herkules-Aufgabe liegt auf den Schultern einer einzigen Person: Günther Oltsch. Und das soll ein „enormer personeller und finanzieller Aufwand“ sein?

Vielleicht werden einige Leser der AFZ gemeint haben, Mergner kritisiere nicht die wenigen hauptamtlichen Mitarbeiter der Umweltverbände, sondern womöglich die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter, die sich in ihrer Freizeit für einen NLP Steigerwald einsetzen. Und diese Lesart mag sich jemanden aufdrängen, der die Umweltverbände nur aus ihren Pressemitteilungen und Jahresberichten kennt: Aber wer z. B. im Jahresbericht 2014 des BUND die  Hochglanzfotos von den Aktionen sieht und die Berichte über Zehntausende von Demonstranten liest, bekommt ein völlig falsches Bild vom BUND. In Wirklichkeit ist der BUND ein Scheinriese. Der BN in Bayern mag 2014 auf dem Papier 182.306 Mitglieder gehabt haben.4 Nur: Die allermeisten davon sind Karteileichen, die nicht einmal zur Jahresversammlung ihrer Ortsgruppe kommen. Wer jemals ein Treffen einer Ortsgruppe besucht hat, wird erschüttert gewesen sein über die geringe Anzahl von ehrenamtlichen Helfern, auf die man sich im Ernstfall verlassen kann.5

Wie dünn die Personaldecke vor Ort ist, dafür ist Zeuge der berühmteste ehrenamtliche Helfer des BN im Steigerwald: Es ist der 83-jährige Georg Sperber, der unermüdlich Besuchergruppen durch den Steigerwald führt. Und wenn der BN ein Fachgutachten braucht über den GLB, dann schreibt es Sperber, wie z. B. im Juni 2015: Kurzgutachten zur Kritik an der Abgrenzung des Geschützten Landschaftsbestandteils (GLB) “Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst“ nach der Verordnung des Landratsamtes Bamberg vom 17.04.14. Würde der BN tatsächlich, wie Mergner behauptet, einen „enormen personellen und finanziellen Aufwand“ betreiben, er würde ganze Teams von Waldbauprofessoren und Ökologen auf Forschungsprojekte im GLB ansetzen.

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  1. S. 19 []
  2. Es fehlt Greenpeace. []
  3. siehe Der Hohe Buchene Wald []
  4. Jahresbericht 2014, S. 24 []
  5. siehe die Fotos der sechs Ortsgruppen in der Kreisgruppe Bamberg []