Faktencheck: Umweltverbände

Vorwurf 2: Die Umweltverbände zerschlagen Porzellan!

Mergner behauptet:

„Die Kampagnen der Umweltschutzbewegung in den letzten Jahren haben viel Porzellan zerschlagen. Es ist eine große Kluft entstanden zwischen den Waldnutzern und den Waldschützern.“1

Richtig ist:

Es handelt sich nicht um „Kampagnen“, sondern um Kritik an bestimmten Maßnahmen der BaySF, wie sie in einem demokratischen Rechtsstaat eigentlich selbstverständlich sein sollte. Es zeugt von Selbstgerechtigkeit, die Schuld an der „großen Kluft“ den Waldschützern zuzuweisen.

Ich möchte an einem konkreten Beispiel zeigen, wie eine solche „Kampagne der Umweltschutzbewegung“ aussieht, die in den Augen von Mergner sicherlich „ganz viel Porzellan zerschlagen“ hat. Ich meine den neuen Waldreport 2016 des BUND. Einer der zehn negativen Fallbeispiele fällt in die Verantwortung der BaySF: Es geht um den Forstbetrieb Rothenbuch im Spessart, nicht weit entfernt vom Steigerwald, in dem ein Kollege von Mergner, nämlich Jann Oetting, seit 2012 kranke und abgestorbene Eichen fällt und zu Brennholz verarbeitet, statt sie als Biotopbäume und Totholz im Wald zu belassen:

Selbstverständlich ist der BN daran schuld, dass zwischen ihm und Oetting „eine große Kluft“ entstanden ist. Denn der BN hat es zwei Jahre nach Beginn der Fällungen tatsächlich gewagt, dem Forstamt Anfang März 2014 einen Brief zu schreiben. Der Forstamtsleiter hat den Brief beantwortet und alle Vorwürfe abgestritten. Der BN hat nicht lockergelassen. Er hat noch mehr Porzellan zerschlagen und sich erdreistet, zusätzlich einen Brief an die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) zuschreiben. Um das Maß voll zu machen, hat der BN dann auch noch mehrfach nachgefragt. Eine Antwort vom LWF hat der BN aber nicht erhalten. Vermutlich ist die „Kluft“ zwischen BN und LWF einfach zu groß. Das Ganze wäre eine Farce, wäre es für die Käfer im Spessart nicht so todernst. Fazit des BN:

„Der Vorgang zeigt, wie im bayrischen Staatswald Management frei von wissenschaftlichen Erkenntnissen praktiziert wird.“2

Das ist richtig. Er zeigt aber auch, wie ohnmächtig der BN ist. Was soll er auch machen? Eine Demonstration organisieren, zu der dann ein Grüppchen Leute kommt? Mehr als Briefe schreiben kann er nicht. Weiteres Fazit des BN:

„Es stellt sich die Frage, wofür staatliche Forschungsanstalten finanziert werden.“3

Auch das ist richtig. Aber die eigentliche Frage, die sich stellt, ist, wofür der BN eigentlich noch Briefe an Forstbetriebe schreibt. Jeder Forstbetriebsleiter weiß, dass das Allerschlimmste, was der BN ihm androhen kann, ein Bericht im nächsten Waldreport ist. Das Risiko ist also überschaubar. Nicht einmal der Name des Forstbetriebsleiters wird im Waldreport erwähnt. Aber ich bin mir sicher, auch Jann Oetting wird in Zukunft dem BN vorwerfen, dessen „Kampagne“ habe „viel Porzellan zerschlagen“.

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  1. S. 22 []
  2. Waldreport, S. 9 []
  3. ebd. []